Jahrelang abgehängt, jetzt ein Hoffnungsschimmer: Eine legendäre Zugverbindung im Herzen des Balkans könnte bald zurückkehren.
Mehr als ein Jahrzehnt lang war auf dieser Bahnstrecke nichts zu holen: Mit dem Fahrplanwechsel im Jahr 2016 wurde die direkte Zugverbindung zwischen Zagreb und Sarajevo gestrichen. Seither ist Bosnien und Herzegowina de facto vom internationalen Schienennetz abgehängt. Die einzige noch bestehende Verbindung führt von Sarajevo über Mostar an die kroatische Adriaküste nach Ploče – allerdings nur an einzelnen Wochentagen und ohne Weiterfahrmöglichkeit in den Rest Europas. In nördlicher Richtung enden die bosnischen Züge in Dobrljin an der kroatischen Grenze; erst wenige Kilometer weiter, ab dem kroatischen Volinja, besteht wieder eine Verbindung nach Zagreb.
Wende in Sicht
Nun zeichnet sich eine Wende ab: Die Bahngesellschaften beider Länder haben Verhandlungen aufgenommen, um die bedeutende Strecke zu reaktivieren. Wie das Portal Paliparan berichtet, liegt bereits eine Studie zur Wiederaufnahme des Betriebs vor. Alle beteiligten Seiten signalisieren grundsätzliche Bereitschaft zur Umsetzung. Ein gemeinsames Gremium aus Bahnunternehmen und zuständigen Behörden soll die konkreten Maßnahmen nun koordinieren und ausarbeiten.
Von besonderer Bedeutung ist dabei die Einbindung der Republika Srpska, da die Strecke durch deren Hauptstadt Banja Luka verläuft. Von dort kommen klare Befürwortungen: Man spreche sich ausdrücklich für eine Stärkung der regionalen und internationalen Personenverkehrsverbindungen aus – verbunden mit dem Hinweis, dass die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen müssen. Auch aus Kroatien kommen positive Rückmeldungen. Angestrebt wird eine Wiedereinführung der Verbindung mit dem Fahrplan 2026/2027.
Budapest–Belgrad verzögert
Die Reaktivierung der Linie Zagreb–Sarajevo hätte weitreichende Folgen: Reisende könnten von dort aus wieder direkt in Richtung Ljubljana, Wien oder Zürich weiterreisen. In diesem Zusammenhang ist auch ein anderes Projekt relevant, das auf sich warten lässt: Der seit Langem angekündigte Direktzug zwischen Budapest und Belgrad hätte ursprünglich am 15. März den Betrieb aufnehmen sollen.
Die Strecke ist zwar fertiggestellt, und gegenüber „Heute“ haben die ÖBB bestätigt, dass noch im ersten Halbjahr ein Direktzug von Wien nach Belgrad verkehren soll. Doch auf ungarischer Seite bereitet das Zugsicherungssystem weiterhin Schwierigkeiten, wie einer Pressemitteilung der MÁV vom Mittwoch zu entnehmen ist. Die Eröffnung für den Personenverkehr wurde auf unbestimmte Zeit verschoben – so lange, bis sämtliche Tests erfolgreich abgeschlossen und das European Train Control System (ETCS) vollständig implementiert sind.