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Treibstoffkrise

Perfekter Sturm trifft Luftfahrt: „Weiß nicht, ob wir vier Wochen schaffen

Perfekter Sturm trifft Luftfahrt: „Weiß nicht, ob wir vier Wochen schaffen
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5 Min. Lesezeit |

Kerosin knapp, Preise explodiert, Flugzeuge am Boden: Die globale Luftfahrt steuert auf eine Krise zu, die alles bisher Dagewesene übertrifft.

Die Luftfahrtbranche steht unter einem Druck, den sie in dieser Form noch nicht erlebt hat. Steigende Betriebskosten fressen die Margen auf, Fluggesellschaften verzeichnen massive finanzielle Einbußen – und die Rentabilität des gesamten Sektors gerät ins Wanken. Analysten warnen bereits offen vor einer Industriekrise; sollte es keine Entlastung geben, könnten Tausende Flugzeuge schlicht am Boden bleiben.

Im Zentrum des Problems: die Straße von Hormus. Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran ist die Meerenge gesperrt – und mit ihr ist die globale Ölversorgung auf die Hälfte eingebrochen. Was einst eine strategisch bedeutsame Wasserstraße war, ist zum Epizentrum einer weltweiten Energiekrise geworden.

Explodierende Kerosinpreise

Die Zahlen sprechen für sich: Im Februar lag der Kerosinpreis noch bei rund 96 Dollar pro Barrel. Bis zum 20. März hatte er sich auf 197 Dollar mehr als verdoppelt – in weniger als einem Monat. Für Fluggesellschaften bedeutet das konkret: Das Betanken einer Boeing 737-800 kostete am 27. Februar noch etwa 17.000 Dollar; eine Woche später waren es bereits über 27.000 Dollar. Laut Business Insider haben die zwanzig größten Airlines seit Kriegsbeginn zusammen rund 53 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

Dabei hatte die Branche für das laufende Jahr noch Rekordgewinne von 41 Milliarden Dollar erwartet. Der Krieg hat diese Prognosen obsolet gemacht. United-Airlines-Chef Scott Kirby reagierte bereits mit der Ankündigung, rund fünf Prozent der geplanten Flüge zu streichen. In einem Schreiben an seine Belegschaft formulierte er es so: „Die Realität ist, dass sich die Kerosinpreise in den letzten drei Wochen mehr als verdoppelt haben – und wir wissen nicht, wohin die Reise geht.“

Rigas Doganis, Präsident der Airline Management Group, teilt diese Sorge – und geht noch weiter. Er befürchtet, dass viele Unternehmen die Krise schlicht nicht überleben werden. „Fluggesellschaften stehen vor einer existenziellen Herausforderung“, sagt er. „Sie müssen die Preise senken, um die schwächelnde Nachfrage zu stützen – und gleichzeitig zwingt sie der Treibstoffpreis in die entgegengesetzte Richtung. Ein perfektes Dilemma.“ Analysten der Deutschen Bank formulieren das Worst-Case-Szenario noch drastischer: Ohne Entlastungsmaßnahmen könnten Airlines Tausende Maschinen stilllegen – mit gravierenden Folgen für den globalen Luftverkehr.

Das Problem ist dabei nicht allein der Preis, sondern auch die physische Verfügbarkeit des Treibstoffs. Patrick Pouyanné von TotalEnergies warnte, dass sich Versorgungsengpässe bereits nach Europa ausbreiten. Kenton Jarvis, Chef von easyJet, brachte die Lage auf den Punkt: „Ich bin sicher, dass wir noch ein, zwei Wochen fliegen. Wahrscheinlich auch drei. Aber vier? Niemand kann mir sagen, womit ich rechnen kann – und der Sommer steht vor der Tür.“

Steigende Ticketpreise

Auch bei den Ticketpreisen zeigt sich der Trend bereits deutlich. Laut dem Analyseunternehmen OAG lagen die globalen Flugpreise in den ersten beiden Monaten 2025 bereits 24 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auf touristisch stark frequentierten Routen müssen Reisende – vor allem bei kurzfristigen Buchungen – mit Aufschlägen von zehn bis zwanzig Prozent rechnen. US-Präsident Donald Trump soll seinen Verbündeten unterdessen signalisiert haben, dass sie in der aktuellen Lage nicht mit einer gesicherten Treibstoffversorgung rechnen können – ein weiterer Faktor, der den Druck auf die Branche erhöht.

Die europäischen Reaktionen fallen bislang uneinheitlich aus. Einzelne Staaten versuchen, die Auswirkungen durch Subventionen und steuerliche Maßnahmen abzufedern, während die EU-Kommission derzeit umfassendere Schritte zur Energiekrisenbewältigung prüft – allerdings ohne spezifischen Fokus auf die Luftfahrt. Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, sich auf langfristige Störungen einzustellen und gegebenenfalls auf Krisenmaßnahmen zurückzugreifen, wie sie zuletzt 2022 zum Einsatz kamen. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen brachte zudem ins Spiel, dass Europäerinnen und Europäer ihren Reiseumfang reduzieren sollten – ein Vorschlag, der prompt eine Debatte über mögliche Reisebeschränkungen auslöste.

Die Luftfahrt hat in ihrer Geschichte schon einiges überstanden: die Ölkrisen der 1970er-Jahre, den Schock des 11. September, die Pandemie. Doch die aktuelle Situation ist anders gelagert. Routen, Energieversorgung und Nachfrage sind gleichzeitig unter Druck – ein Zusammentreffen, das Experten als strukturelle Krise einordnen und das einen globalen Transportschock auslösen könnte, wie ihn die Branche bisher nicht kannte.

Auch auf die Reisepläne serbischer Passagiere wirken sich die Kriegsereignisse und die globale wirtschaftliche Unsicherheit spürbar aus. Laut aktuellen Daten des serbischen Reiseverbands Juta ist das allgemeine Reiseinteresse derzeit rund ein Drittel geringer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Während der Verkauf von Auslandsreisen stagniert, laufen die Buchungen für inländische Destinationen deutlich besser: Die Kapazitäten in den größten Touristenzentren Serbiens sind für die bevorstehenden Feiertage nahezu ausgebucht.

Und auch die Frage, was ein Flugticket in den kommenden Wochen und Monaten kosten wird, treibt viele Reisewillige um.

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KO KOSMO-Redaktion
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