Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Sextortion

13.000 Kinderporno-Dateien: Grazer erpresste Mädchen jahrelang

13.000 Kinderporno-Dateien: Grazer erpresste Mädchen jahrelang
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Falsche Identitäten, Drohungen, tausende Dateien – ein 35-Jähriger aus Graz steht nun vor den Konsequenzen eines jahrelangen Doppellebens.

Ein 35-jähriger Mann aus Graz steht im Mittelpunkt eines Strafverfahrens, das die dunklen Seiten der digitalen Welt schonungslos beleuchtet. Über Jahre hinweg soll der beschäftigungslose Mann, der die Schule ohne Abschluss verlassen hatte, gezielt junge Frauen und zum Teil minderjährige Mädchen über das Internet kontaktiert haben, um sie zur Übermittlung von Nacktaufnahmen oder sexuell explizitem Videomaterial zu verleiten. Bei einer Durchsuchung seiner Grazer Wohnung im Jahr 2020 stießen die Ermittler auf rund 13.000 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt, die er teilweise auch an andere Nutzer weitergeleitet oder mit ihnen ausgetauscht hatte.

⇢ Fake-Ausweis, echte Konten – Polizei fahndet nach Identitätsdieb

Falsche Identitäten

Nach einem ausgedehnten Ermittlungsverfahren musste sich der Mann am Freitag vor dem Landesgericht Graz verantworten. Staatsanwalt Christian Kroschl legte dar, dass der Angeklagte auf verschiedenen Online-Plattformen unter falschen Identitäten aufgetreten sei – mal als 15- bis 20-jähriger Jugendlicher, mal als junges Mädchen – und seine Opfer in Chatverläufen gezielt dazu gebracht habe, ihm einschlägiges Bildmaterial zuzuschicken. Was danach folgte, beschreibt der Ankläger als eigentliches Martyrium der Betroffenen: Der Mann habe den Mädchen gedroht, die bereits erhaltenen Aufnahmen zu veröffentlichen oder an ihre Eltern weiterzugeben, sofern sie ihm nicht weiteres Videomaterial nach seinen Vorgaben übermittelten.

Der Verteidiger des Österreichers mit peruanischen Wurzeln verwies darauf, dass sein Mandant seit 2018 in psychiatrischer Behandlung sei. Diagnostiziert wurden bei ihm eine Angststörung sowie eine sexuelle Störung. Der 35-Jährige zeigte sich vor Gericht reumütig und schilderte, dass er sein Leben vollständig in die digitale Welt verlagert habe.

Nach dem Abbruch des Gymnasiums sei er – abgesehen von kurzfristigen Gelegenheitstätigkeiten – nie einer geregelten Beschäftigung nachgegangen und lebe bis heute bei seinen Eltern in Graz.

Richterin ungeduldig

Richterin Julia Noack zeigte sich zunehmend ungeduldig, als der Angeklagte sich im Verlauf der Verhandlung wiederholt auf seine psychische Erkrankung berief. Sie konfrontierte ihn mit der Frage, warum es ihm besser gehe, wenn es anderen schlecht gehe. Der Angeklagte bemühte sich um eine Erklärung und betonte seinen Willen, sein Leben grundlegend zu verändern.

Für Anfang März habe er bereits eine Zusage für ein Probearbeiten in einem Bereich erhalten, der Technologie, IT und Recht umfasse.

Das Grazer Landesgericht verurteilte den 35-Jährigen unter anderem wegen schwerer Nötigung, gefährlicher Drohung und schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Verurteilte nahm sich drei Tage Bedenkzeit; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen