Russland plant eine Frühjahrsoffensive – doch Militärexperten zweifeln, ob der Kreml seine ehrgeizigen Ziele wirklich erreichen kann.
Der Vizechef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Vadym Skibitskyi, hat gegenüber der britischen Zeitung „Times“ erklärt, dass eine russische Frühjahrsoffensive unmittelbar bevorstehe. Demnach plant der Kreml, 20.000 zusätzliche Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Sobald der aufgeweichte Boden entsprechende Operationen wieder zulässt, sollen diese Kräfte verstärkt mit Panzern und Motorrädern vorrücken, berichtet der „Spiegel“.
Neues Kriegsziel
Bislang galt die Einnahme der Oblaste Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson als zentrales Kriegsziel des Kremls. Diese Einschätzung scheint sich nun zu verschieben. Laut „Spiegel“ und Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow müsse Russland noch „17 bis 18 Prozent der Oblast Donezk“ unter seine Kontrolle bringen, bevor die Kampfhandlungen eingestellt werden könnten.
Im Fokus stehen dabei die Städte Kramatorsk und Slowjansk, die beide aus südlicher Richtung angegriffen werden sollen – so die Einschätzung des Militärexperten Franz-Stefan Gady gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin.
Begrenzte Erfolgsaussichten
Dem „Spiegel“ zufolge sind die Erfolgsaussichten dieser Taktik jedoch begrenzt. Russland verfüge weder über ausreichend Panzer noch über die nötige Infanteriestärke für eine solche Operation. Hinzu kommt, dass die Ukraine ihre Kapazitäten in der Drohnenkriegsführung deutlich ausgebaut hat und eine mögliche Sperrung von Starlink und Telegram die Kommunikation der russischen Streitkräfte erheblich beeinträchtigen könnte.
Skibitskyi zufolge strebt Russland eine vollständige Einnahme des Donbass bis September an – ein Ziel, das Militärexperte Gady frühestens im Spätsommer, realistischerweise aber erst im kommenden Jahr für erreichbar hält.
Nicht auszuschließen ist laut seiner Einschätzung auch, dass die russischen Streitkräfte bei diesem Vorhaben insgesamt scheitern.