Start Gesundheit 3 Gründe: Deshalb braucht es einen neuen Lockdown vor Ostern
EXPERTE ERKLÄRT

3 Gründe: Deshalb braucht es einen neuen Lockdown vor Ostern

(FOTOS: CSH Faculty, iStockphoto)

Der Komplexitätsforscher Peter Klimek erklärte im „Ö1 Morgenjournal“ drei Gründe, warum die Corona-Zahlen jetzt wieder in die Höhe schnellen und was das für weitere Lockerungen bedeutet.

Während unser Nachbarland Deutschland weiterhin in einem harten Lockdown verharrt, wurden hierzulande von der Regierung bereits vor zwei Wochen Öffnungsschritte gesetzt. Weiter Öffnungen, wie die Gastronomie oder Hotellerie wurden ebenfalls schon für März angedeutet. Dies sei viel zu optimistisch gewesen, denn das Ends des harten Lockdowns mit 8. Februar hat nun bereits erste Auswirkungen gezeigt: Die Fallzahlen gingen ab Mitte der Woche wieder in die Höhe.

Prognosen „zu optimistisch“
Die 7-Tages-Inzidenz zeigt den Sprung deutlich: Während Österreich vor einer Woche noch bei 104 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohnern lag, sind es jetzt 132 positiv Getestete. Diese Erhöhung sei zwar auch durch die insgesamte Zunahme durchgeführter Corona-Tests zu erklären, jedoch nur zum Teil, wie das „Ö1 Morgenjournal“ ausführt. Zum anderen Teil sei nämlich vor allem die rasche Ausbreitung der ansteckenderen Virus-Mutationen verantwortlich, was den Experten Sorgen mache.

„Wir haben Ende letzter Woche gesehen, dass wir da mit der Prognose von Anfang der Woche zu optimistisch waren“, erklärt Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna (CSH). Er und seine Kollegen vom Covid-Prognose-Konsortium hatten ihre eher harmlos wirkende kurzfristige Prognose aufgrund des sehr schnellen Anstiegs der Fallzahlen wenig später revidieren müssen.

Britische Mutation gewinnt Oberhand
Was genau und in welchem Ausmaß dahintersteckt, wissen selbst die Experten noch nicht. Sie haben bisher drei Gründe für den jüngsten Anstieg identifiziert: Lockerungen, hohe Testzahlen und die Mutationen. Besonders die britische Variante B.117 mache sich in Österreich bemerkbar.

„Da haben wir in den letzten Wochen gesehen, dass die Pandemie nicht unter Kontrolle ist mit dieser Variante. Diese Fälle verdoppeln sich alle zwei bis vier Wochen“, so Klimek weiter. Im Burgenland sei die britische Virus-Variante bereits bei 75 Prozent aller Neuinfektionen entdeckt worden, in Wien und Niederösterreich sollen es bereits mehr als die Hälfte sein.

„Wir haben in den letzten Wochen gesehen, dass die Pandemie nicht unter Kontrolle ist mit dieser Variante“

Komplexitätsforscher Peter Klimek

„Bis Ostern durchwurschteln“
Doch selbst der Experte kann das Wachstum nicht konkret einschätzen: „Wir können nur Bandbreiten angeben. Wenn wir da am unteren Rand der Wachstumsrate liegen, dann schaffen wir es vielleicht uns bis Ostern durchzuwurschteln. Wenn wir am oberen Rand liegen, dann geht sich das nicht mehr aus“, so Klimek.

Momentan liege die Chance für das eine oder das andere Szenario etwa bei 50:50. Im schlechteren Fall werde es schon vor Ostern notwendig sein, mit schärferen Maßnahmen gegenzusteuern.

Weitere Öffnungen „nicht zielführend“
Der Komplexitätsforscher hält es derzeit für „nicht zielführend“, weitere Öffnungsschritte durchzuboxen. Wegen der Mutanten müsse man mit noch geringeren Fallzahlen in den Sommer gehen. Außerdem seien immer noch rund 250 Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Behandlung: „Das heißt: Sollte eine dritte Welle kommen, dann würden wir keine so große Welle wie im Herbst aufhalten, ohne dass es an die Kapazitätsgrenzen geht.“

Im Grunde würden alle wissen, was zu tun sei, so der Forscher im „Ö1 Morgenjournal“ weiter. Gleichzeitig brauche es aber vielleicht einen „Weckruf in Form einer neuen Welle“, um die Bereitschaft der Bürger, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten, wieder zu steigern.

Quellen und Links: