900 Bewerber, 200 Plätze – und trotzdem bleibt die Wiener Polizei unterbesetzt. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Der Andrang auf die Wiener Polizei ist beträchtlich – doch zwischen Interesse und tatsächlicher Eignung klafft eine erhebliche Lücke. Für die 200 Ausbildungsplätze zum Aufnahmetermin im September wurden rund 900 Bewerbungen eingereicht. Dennoch bleiben Plätze an den Polizeischulen unbesetzt, wie der ORF berichtet.
Das Innenministerium führt dies auf die mangelnde Qualifikation eines Teils der Bewerber zurück und spricht von einer personellen „Herausforderung“. Bundespolizeidirektor Michael Takacs mahnt zu „konstruktivem Handeln“ und richtet klare Worte an Gewerkschaft und Wiener Bezirksvorsteher: „Weder Unterschriftenlisten, noch Pappmodelle werden mehr Polizisten für Wien bringen.“ Sein Appell lautet: „Motivieren Sie Menschen, die Sie für geeignet für den Beruf des Polizisten halten.“
Verstärkung aus Bundesländern
Das Innenministerium verweist derweil auf eine positive Entwicklung bei den Bewerberzahlen. Für das Jahr 2026 sind österreichweit insgesamt 1.400 Aufnahmen an den Polizeischulen geplant. Für Wien selbst sind dabei 400 Personen in 16 Klassen vorgesehen. Dass Beamte vorübergehend zwischen den Bundesländern zugeteilt werden, sei dabei keine Ausnahmeerscheinung, betont Takacs: „Flexibilität und Beweglichkeit sind heute wesentliche Grundsätze moderner Polizeiarbeit.“
Wien leiste in diesem System auch selbst Unterstützung – Wiener Einheiten waren etwa beim Nova Rock in Nickelsdorf im Burgenland, bei Bundesligaspielen in der Steiermark sowie bei der Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm im Einsatz. Ab September erhalten die Hauptstadt insgesamt 48 Polizistinnen und Polizisten aus sechs Bundesländern für drei Monate, mit einem klaren Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Jugendkriminalität. Im Fokus stehen dabei insbesondere Parks in Wien-Favoriten, die verstärkt kontrolliert werden sollen.
Das Innenministerium begründet die Maßnahme laut einer der APA vorliegenden Anordnung unter anderem mit „geballtem Auftreten von migrantischen Jugendgruppierungen“ sowie „gesteigerter Gewalt-, Raub- bzw. Eigentums- und Suchtmittelkriminalität“. Die entsandten Beamten unterstützen die Wiener Bereitschaftseinheit und werden für die Dauer ihres Einsatzes in einem Hotel untergebracht. Bereits seit Anfang August sind zudem Polizisten aus den Bundesländern bei der Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität in Wien tätig.
Ruf nach Reformen
Aus Wien-Favoriten selbst kommt der Ruf nach einer dauerhaften Perspektive. „Wir freuen uns natürlich über Unterstützung, aber wir würden uns eine nachhaltige Lösung wünschen“, erklärt ein Sprecher von Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ). Auch Polizeigewerkschafter Gerhard Zauner (FCG) sieht strukturellen Handlungsbedarf: „Wenn man zu wenig qualifizierte Bewerber findet, muss man halt auch etwas an den Rahmenbedingungen ändern.“
Laut Zauner liegt die Abbruchquote während der zweijährigen Wiener Grundausbildung bei 50 Prozent. Mit Stand Juli seien rund 650 Planstellen unbesetzt. Kritik an der Lösung über Bundesländer-Unterstützung kommt von der FPÖ: Der steirische Nationalratsabgeordnete und AUF-Personalvertreter Reinhold Maier bezeichnet die Lage als „einen dauerhaften Notbetrieb“. Gegenseitige Unterstützung bei Großveranstaltungen sei unter Kolleginnen und Kollegen zwar gängige Praxis, die längerfristigen Abkommandierungen sieht Maier jedoch kritisch: „Kein einziger Kollege will freiwillig für Monate nach Wien abkommandiert werden.“