Ein Geständnis, das selbst erfahrene Richter sprachlos macht – vor dem Landgericht Erfurt steht ein Fall von beispiellosem Ausmaß.
Vor dem Landgericht Erfurt hat ein 46-jähriger Mann aus Ilmenau ein Geständnis abgelegt, das das Gericht nach eigenen Angaben in seiner bisherigen Geschichte noch nicht erlebt hat. In mehr als 900 Fällen soll er seine Stieftochter sexuell missbraucht haben. Darüber hinaus soll er ihren Halbbruder dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen an dem Mädchen vorzunehmen.
Die Übergriffe hielt er überwiegend mit einer Kamera fest. Zu Beginn der Verhandlung verweigerte er jede Aussage. Der Vorsitzende der Jugendschutzkammer, Richter Holger Pröbstel, machte dem Angeklagten jedoch unmissverständlich klar, dass die Beweislage „erdrückend“ sei – hunderte Videos lägen vor.
Nur ein Geständnis könne sich strafmildernd auswirken. „Dieses Verfahren sprengt alles, was die Kammer je erlebt hat“, sagte Pröbstel. Mit Blick auf die betroffenen Kinder richtete er einen eindringlichen Appell an den Angeklagten: „Wenn Sie den Kindern noch irgendeinen Gefallen tun wollen, dann ersparen Sie denen ihre Vernehmung.“
Erdrückende Beweislage
Nach einer Unterbrechung der Verhandlung gab die Verteidigerin bekannt, dass ihr Mandant die Vorwürfe einräume. Als Nebenkläger waren sowohl die Stieftochter als auch der Stiefsohn gemeinsam mit ihrer Mutter im Gerichtssaal anwesend. Die Verlesung der Anklageschrift war für sie sichtlich belastend.
Staatsanwältin Anne Hartmann schilderte dabei das erschreckende Ausmaß der Taten: Von Ende 2017 bis 2024 soll der Angeklagte das damals bei ihm lebende Mädchen hunderte Male missbraucht, gefilmt und fotografiert haben. Auch Gegenstände und Werkzeuge soll er dabei eingesetzt haben. Zudem soll er sich an der 2007 geborenen Jugendlichen in einer Schule in Ilmenau vergangen haben, wo er als Putzkraft arbeitete.
Auf die Spur des Mannes kamen die Ermittler durch einen Hinweis aus den USA, wo Daten einer einschlägigen Online-Plattform ausgewertet worden waren. Im Dezember 2024 durchsuchten Beamte daraufhin das Familiendomizil und stießen auf Belege für den Missbrauch der Stiefkinder. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der 46-Jährige auch den zwei Jahre jüngeren Bruder des Mädchens unter Zwang zu sexuellen Handlungen an seiner Halbschwester veranlasst haben.
Tausende Aufnahmen
Um sein Vorgehen zu verschleiern, gab er vor, die Aufnahmen im Darknet zu verkaufen und damit die finanzielle Lage der Familie zu verbessern. Zusätzlich wird ihm zur Last gelegt, einer Freundin seiner Stieftochter über ein gefälschtes Instagram-Profil Nachrichten geschickt zu haben. Dabei gab er sich als 21-Jähriger aus und bot ihr Geld im Tausch gegen Nacktaufnahmen an.
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Ilmenau beschlagnahmten die Ermittler Festplatten und weitere Speichermedien, auf denen sich Tausende kinder- und jugendpornografische Aufnahmen befanden. Das sichergestellte Videomaterial kinderpornografischen Inhalts umfasst allein mehr als 160 Stunden. Während die Vorwürfe verlesen wurden, saß der Angeklagte regungslos da und stützte den Mund in die Hand.
Die Verhandlung soll am 14. April fortgesetzt werden.