Mit einer Milliardeninvestition in 65 Hochgeschwindigkeitszüge läutet FlixTrain eine neue Ära des Bahnreisens ein und könnte bald auch den österreichischen Markt ins Visier nehmen.
Der Bahnsektor in Europa erlebt einen anhaltenden Aufschwung, bei dem zunehmend auch private Anbieter Marktanteile erobern. Die Westbahn, die bereits 2011 in Österreich ihren Betrieb aufnahm, hat ihr Streckennetz mittlerweile bis nach Stuttgart sowie an den Bodensee ausgeweitet und plant mit der Fertigstellung des Koralmtunnels eine weitere Expansion auf der Südstrecke. Parallel dazu haben sich die Österreichischen Bundesbahnen europaweit einen Ruf als Pionier im Nachtzuggeschäft erarbeitet.
Wie am Dienstag bekannt wurde, hat FlixTrain eine Großbestellung von 65 Hochgeschwindigkeitszüge beim spanischen Hersteller Talgo aufgegeben, während die Lokomotiven von Siemens geliefert werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 2,4 Milliarden Euro. Diese Maßnahme zielt darauf ab, der steigenden Nachfrage nach effizienten und kostengünstigen Bahnverbindungen gerecht zu werden.
„Wir verfolgen mit FlixTrain eine langfristige Strategie und werden unser Angebot in den kommenden Jahren deutlich vergrößern“, sagt André Schwämmlein, CEO und Mitgründer von Flix. „Mit dem starken Ausbau unserer Zugflotte starten wir eine neue Ära des Zugreisens in Deutschland und Europa.“ Das übergeordnete Ziel von FlixTrain sei es, mehr Menschen für nachhaltiges Reisen mit dem Zug zu gewinnen.
Marktführerschaft angestrebt
In Österreich genießen Bahnverbindungen einen ausgezeichneten Ruf für ihre Pünktlichkeit, besonders auf den Hauptverkehrsachsen sind Verzögerungen selten. Ein deutlicher Kontrast zeigt sich beim nördlichen Nachbarn, wo die Deutsche Bahn trotz – oder paradoxerweise wegen – ihrer Privatisierung im Jahr 1994 mit erheblichen betrieblichen Schwierigkeiten kämpft. In diesem Umfeld hat sich mit Flixtrain, dem Bahnableger des Fernbusunternehmens Flixbus, ein weiterer Marktteilnehmer etabliert, der nun nach der Marktführerschaft strebt.
Die politischen Voraussetzungen unter der aktuellen deutschen Regierung scheinen günstig, nachdem bereits wichtige Reformen umgesetzt wurden. Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr, erklärt dazu: „Wir begrüßen die Investition von FlixTrain ausdrücklich. Dass ein deutsches Tech-Unternehmen in dieser Größenordnung investiert, ist ein starkes Signal für den Schienenmarkt.“
Europäische Expansion
Die Ambitionen von Flix reichen jedoch über den deutschen Markt hinaus. Österreich, das die längste gemeinsame Grenze mit Deutschland teilt, erscheint als naheliegendes Expansionsziel. „Wir sehen FlixTrain als ein europäisches Produkt. Ausgehend von unserem Heimatmarkt wollen wir das Angebot auch in anderen Ländern verfügbar machen“, erläutert Schwämmlein.
Die neu bestellten Züge wurden bewusst so konzipiert, dass sie länderübergreifend eingesetzt werden können. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h bieten diese europäischen Hochgeschwindigkeitszüge zahlreiche innovative Merkmale: barrierefreie Einstiege, die derzeit in keinem deutschen Fernverkehrszug vorhanden sind, moderne Fahrgastinformationssysteme, zeitgemäße WLAN-Lösungen sowie weitere Ausstattungsmerkmale zur deutlichen Steigerung des Reisekomforts.