Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Marktentspannung

Nach Nahost-Schock: Gaspreise stürzen über Nacht ab

Nach Nahost-Schock: Gaspreise stürzen über Nacht ab
FOTO: iStock/filmfoto
2 Min. Lesezeit |

Entspannungssignale im Nahen Osten lassen den europäischen Erdgaspreis deutlich fallen. Nach Tagen der Unsicherheit kehrt der Markt zum Niveau vor dem Konflikt zurück.

Der europäische Erdgaspreis verzeichnete heute einen deutlichen Rückgang, angetrieben durch Hoffnungen auf eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten. Der Terminkontrakt wurde zuletzt mit 35,40 Euro pro Megawattstunde gehandelt – ein erheblicher Abfall gegenüber dem Vortageswert von etwa 41 Euro. In den ersten Handelsminuten sackte der TTF-Terminkontrakt (Title Transfer Facility, wichtigster Handelsplatz für Erdgas in Europa) für europäisches Erdgas mit einmonatiger Lieferfrist um mehr als zwölf Prozent ab.

Mit diesem Kursrutsch pendelte sich der Gaspreis wieder auf einem Niveau ein, das dem Beginn des israelisch-iranischen Konflikts am 13. Juni entspricht. In den vergangenen Tagen hatte besonders die Befürchtung einer Konflikteskalation mit möglicher Blockade der Meerenge von Hormus – einer zentralen Transportroute für Flüssiggas – die Notierungen nach oben getrieben.

Globale Marktauswirkungen

Obwohl hauptsächlich Gas für den asiatischen Markt durch die Meerenge von Hormus transportiert wird, würden Lieferengpässe und Preisanstiege in Asien auch den europäischen Gasmarkt beeinflussen. Der Grund: Beide Regionen konkurrieren um einen begrenzten Anteil der weltweiten Flüssiggasversorgung.

Experten gehen davon aus, dass Händler angesichts wachsender Entspannungssignale im Nahen Osten nun wieder verstärkt darauf setzen, die europäischen Gasreserven durch zunehmende Lieferungen aus den USA aufzufüllen.

Mittelfristige Perspektiven

Trotz der aktuellen Entspannung bleiben die europäischen Gaspreise weiterhin volatil. Marktbeobachter verweisen auf anhaltende Unsicherheiten durch mögliche Lieferausfälle aus Norwegen und Australien sowie laufende Wartungsarbeiten in norwegischen Gasfeldern. Diese Faktoren könnten die Preise kurzfristig wieder in Bewegung bringen.

Für Verbraucher gibt es dennoch positive Signale: Die Neukundentarife für Gas haben mittlerweile wieder das Niveau vor der Energiekrise erreicht. Die europäischen Bemühungen zur Diversifizierung der Energieversorgung zeigen zudem erste Erfolge – die Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas wurde deutlich reduziert, während Flüssigerdgas-Importe insbesondere aus den USA und Katar kontinuierlich steigen.

„Die europäischen Gasspeicher sind derzeit gut gefüllt, was die aktuelle Preisberuhigung unterstützt“, betonen Marktanalysten. Für die kommenden Monate erwarten Experten dennoch weiterhin erhöhte Preisschwankungen am Gasmarkt, bis sich die geopolitische Lage nachhaltig stabilisiert hat.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen