Geteiltes Urteil im Fall des gefallenen Rap-Moguls: Sean „Diddy“ Combs entgeht der lebenslangen Haft, muss sich aber für Prostitutionsdelikte verantworten.
Im Prozess gegen Sean „Diddy“ Combs haben die Geschworenen in New York ein geteiltes Urteil gefällt. Der frühere Rap-Superstar wurde in den Anklagepunkten zur Prostitution für schuldig befunden, während er vom schwerwiegendsten Vorwurf – der Bildung einer kriminellen Vereinigung – freigesprochen wurde. Auch in zwei Fällen des Sexhandels erfolgte ein Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte Combs beschuldigt, Frauen und Männer sexuell missbraucht und sie mit Drohungen und Gewalt zu Drogen- und Sex-Partys gezwungen zu haben. Im Verfahren räumte der Musiker häusliche Gewalttaten ein, wies jedoch die Anklagepunkte zurück.
Der Vorwurf der organisierten Kriminalität, ursprünglich für Fälle wie Mafia-Aktivitäten konzipiert, konnte vor Gericht nicht standhalten. Die Staatsanwaltschaft vermochte die Jury nicht davon zu überzeugen, dass Combs seine Handlungen systematisch mit einem Netzwerk von Mitwissenden durchgeführt hatte. Für eine Verurteilung wäre der Nachweis erforderlich gewesen, dass alle Beteiligten das Bewusstsein für die Strafbarkeit ihres Handelns besaßen. Diese Anklage war bereits im Fall des Sängers R. Kelly erfolgreich angewandt worden, um systematischen sexuellen Missbrauch aufzudecken.
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Zahlreiche Zivilklagen
Neben dem Strafverfahren in New York sieht sich Combs mit zahlreichen zivilrechtlichen Klagen konfrontiert. Eine Anwaltskanzlei aus Houston vertritt nach eigenen Angaben etwa 120 Personen mit Anschuldigungen gegen den Rapper. Der 1969 in Harlem geborene Künstler zählte mit Hits wie „I’ll Be Missing You“ und „Bad Boy For Life“ zu den erfolgreichsten Rappern weltweit. Neben seiner Musikkarriere gründete er ein eigenes Label und etablierte eine erfolgreiche Modemarke.
Die strafrechtliche Verurteilung dürfte erhebliche Auswirkungen auf diese zivilrechtlichen Verfahren haben. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass der Schuldspruch wegen Prostitutionsdelikten die Position der Kläger in den anhängigen Prozessen deutlich stärkt. Ein Urteil im Strafverfahren gilt oftmals als belastendes Indiz für zivilrechtliche Ansprüche – insbesondere wenn ähnliche Vorwürfe Gegenstand der Klagen sind. Dies könnte die Chancen auf finanzielle Entschädigungen für die Betroffenen erhöhen.
Während des Prozesses erhielt er Unterstützung von Familienmitgliedern und Kollegen wie Kanye West, die im Gerichtssaal anwesend waren. Dem Musiker, der im Laufe seiner Karriere verschiedene Künstlernamen wie „Puff Daddy“, „P. Diddy“ und „Diddy“ verwendete, droht nun eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren. Eine lebenslange Freiheitsstrafe, die bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten möglich gewesen wäre, ist nun ausgeschlossen.
Reaktion im Gerichtssaal
Das genaue Strafmaß für den seit September in Untersuchungshaft befindlichen Combs wird zu einem späteren Zeitpunkt von Richter Arun Subramanian festgelegt. Noch am Tag der Urteilsverkündung sollte entschieden werden, ob Combs bis zur Strafmaßverkündung auf freien Fuß kommt.
Combs‘ Verteidiger haben bereits einen Antrag auf Freilassung bis zur endgültigen Urteilsverkündung gestellt. Die Staatsanwaltschaft lehnt dies jedoch mit Verweis auf die Schwere der Taten und ein mögliches Fluchtrisiko ab. Eine fortgesetzte Inhaftierung könnte auch den Druck auf den Rapper in den laufenden Vergleichsverhandlungen zu den Zivilklagen erhöhen.
Bei der Urteilsverkündung war Combs in Begleitung seiner Mutter und Schwester. Medienberichten zufolge reagierte er mit einer Mischung aus Erleichterung und Dankbarkeit – er schlug zunächst die Hände zusammen, bedeckte kurz sein Gesicht und atmete aus. Anschließend lächelte er, schüttelte seinem Anwalt die Hand und bedankte sich mit einer leisen Geste bei den Geschworenen.
Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte dem Rapper vorgeworfen, über Jahre hinweg Frauen missbraucht, bedroht und zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Der Vorwurf lautete, er habe mit Helfern ein „kriminelles Unternehmen“ betrieben. Im mehrwöchigen Prozess berichteten mehrere Frauen von jahrelangen schweren sexuellen und körperlichen Misshandlungen. Combs hatte sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen und auf „nicht schuldig“ plädiert.
Der Prozess entwickelte sich aufgrund seiner intimen Details zu einem Medienereignis, das weltweit Millionen Menschen verfolgten. Die teils verstörenden Einzelheiten des Falls wurden zum Gesprächsthema in der Öffentlichkeit.
Das Verfahren weckte Erinnerungen an ähnliche Prozesse gegen prominente Persönlichkeiten der Unterhaltungsbranche – darunter R. Kelly, Bill Cosby und Harvey Weinstein.
📍 Ort des Geschehens