Hinter der Fassade falscher Liebesversprechen verbirgt sich ein brutales Geschäft. Eine internationale Polizeiaktion deckt nun ein weitreichendes Netzwerk des Menschenhandels auf.
Bei einer internationalen Polizeiaktion gegen Menschenhandel wurden 520 Personen festgenommen. Die unter dem Namen „Global Chain“ durchgeführte Operation fand vom 1. bis 6. Juni statt und stand unter der gemeinsamen Leitung Österreichs und Rumäniens. An der von Europol, Frontex und Interpol koordinierten Aktion beteiligten sich insgesamt 43 Länder mit rund 15.000 Einsatzkräften, wie das Bundeskriminalamt am Freitag mitteilte.
Die österreichischen Behörden übernahmen eine zentrale Koordinationsfunktion bei der Bekämpfung der Schlepperkriminalität. Neben dem Bundeskriminalamt waren sämtliche Landeskriminalämter in die Operation eingebunden. Insgesamt wurden 343 österreichische Polizeibeamte mobilisiert.
Landesweit richtete man 49 Kontrollpunkte ein, überwachte 88 Flugbewegungen und unterzog 5.157 Personen einer Überprüfung. Darüber hinaus kontrollierte die Exekutive 330 Fahrzeuge, prüfte 1.508 Ausweisdokumente und durchsuchte 258 Objekte, darunter Unternehmen, Anlagen und Wohnräume. Der Fokus der Kontrollen lag besonders auf Rotlicht-Etablissements und der Aufdeckung illegaler Prostitution.
Identifizierte Opfer
Die Einsatzkräfte konnten während der Operation 209 potenzielle Opfer identifizieren und entsprechende Unterstützungsmaßnahmen einleiten. Bei den Betroffenen handelte es sich überwiegend um volljährige Frauen, die sexuell ausgebeutet oder zum Sozialleistungsbetrug gezwungen wurden.
Viele der Frauen waren durch die sogenannte „Lover-Boy-Methode“ (Täter täuschen eine Liebesbeziehung vor, um Abhängigkeit zu erzeugen) in Abhängigkeitsverhältnisse geraten und anschließend in die Prostitution gedrängt worden. In einzelnen Fällen wurden sie genötigt, Kunden zu bestehlen oder diese unter Gewaltandrohung an abgelegene Orte zu locken, um sie dort auszurauben.
Ermittlungserfolge
Ein besonderer Ermittlungsfokus lag auf einer rumänischen kriminellen Gruppierung, die in mehreren EU-Mitgliedstaaten im Bereich der sexuellen Ausbeutung und erzwungenen Straftaten operierte. Nach Angaben von Europol wurden länderübergreifend 1.194 potenzielle Opfer identifiziert.
In Österreich nahmen die Behörden zehn mutmaßliche Menschenhändler fest, zudem einen serbischen Staatsbürger wegen Drogenhandels sowie zwei weitere rumänische Staatsangehörige wegen Betrugsdelikten im Umfeld der Prostitution. Laut Bundeskriminalamt wurden insgesamt 182 neue Ermittlungsverfahren eingeleitet, davon neun mit unmittelbarem Österreich-Bezug.
„Mit der Operation ‚Global Chain‘ wird erneut deutlich, dass Menschenhandel eine internationale Bedrohung darstellt und nur durch grenzüberschreitende Kooperation bekämpft werden kann.
Ich gratuliere allen Beteiligten für die ausgezeichnete Arbeit“, erklärte der stellvertretende Direktor des Bundeskriminalamtes Paul Marouschek.
Opferschutz im Fokus
Nach aktuellen Informationen des Bundeskriminalamts wurden bei der Operation insgesamt 1.374 potenzielle Opfer von Menschenhandel identifiziert, darunter 153 Kinder. In Österreich selbst machten die Einsatzkräfte 21 potenzielle Opfer aus mehreren Ländern ausfindig. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der frühzeitigen Identifizierung und dem Schutz der Betroffenen.
Die identifizierten Opfer wurden umgehend in Schutzprogramme aufgenommen. Die Behörden arbeiten dabei eng mit internationalen Partnern und spezialisierten Opferschutzeinrichtungen zusammen, um nachhaltige Erfolge im Kampf gegen Menschenhandel zu erzielen und die Betroffenen langfristig zu unterstützen.