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Friedensgebet

Kardinal liest 12.000 toter Kindernamen in Nazi-Ruine vor

Kardinal liest 12.000 toter Kindernamen in Nazi-Ruine vor
(Screenshot/Matteo Zuppi)
4 Min. Lesezeit |

In einer symbolträchtigen Ruine, wo einst Nazi-Truppen wüteten, entfaltet sich ein ungewöhnlicher Akt des Gedenkens: Stundenlang werden Namen von Kindern verlesen, die im Nahost-Konflikt starben.

Kardinal Zuppi gedachte

In einer bewegenden Zeremonie am Vorabend von Mariä Himmelfahrt hat Kardinal Matteo Zuppi, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, eine außergewöhnliche Gebetswache abgehalten. Im symbolträchtigen Park Monte Sole di Marzabotto nahe Bologna wurden die Namen aller Kinder verlesen, die seit Ausbruch des Konflikts zwischen Israel und der Hamas vor zwei Jahren ihr Leben verloren haben.

📍 Ort des Geschehens

Der Ort der Veranstaltung – die Ruinen der von Nationalsozialisten niedergebrannten Kirche von Casaglia – verstärkte die Symbolkraft des Gedenkens. Hier hatten deutsche Truppen zwischen dem 29. September und 5. Oktober 1944 ein Massaker verübt, bei dem rund 770 bis 800 Menschen, darunter über 200 Kinder, getötet wurden. Das Ereignis gilt als das größte Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht in Italien und ist durch zahlreiche Gedenkstätten und dokumentierte Opferlisten belegt.

In einem fast siebenstündigen Akt des Gedenkens lasen Kardinal Zuppi und Dutzende Mitglieder seiner Diözese abwechselnd die Namen und das Alter der Opfer vor: 16 israelische Kinder, die beim Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 getötet wurden, sowie 12.211 palästinensische Kinder, die nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza bis zum 25. Juli bei israelischen Militäraktionen im Gazastreifen ums Leben kamen. Die 469 Seiten umfassende Namensliste basierte auf Daten der israelischen Regierung und der Gesundheitsbehörden in Gaza. Die Vereinten Nationen stufen die Zahlen als plausibel ein, wenngleich sie aufgrund der schwierigen Lage vor Ort nicht unabhängig überprüft werden können.

„Wir sprechen ihre Namen einen nach dem anderen aus“, erklärte Zuppi zu Beginn der Vigil (Gebetswache). „Sie alle bitten uns, uns mit mehr Intelligenz und Leidenschaft für einen Weg des Friedens einzusetzen, beginnend mit einem Waffenstillstand und den notwendigen Bedingungen dafür – von der Freilassung der Geiseln bis dahin, dass nicht ein ganzes Volk als Geisel gehalten wird.“ Der Kardinal betonte: „Dies dient dem Gedenken, der Aufmerksamkeit, von diesem Ort aus, der ein Ort des Leidens ist und der immer ein Ort des Gedenkens an alle Opfer war.“

Organisiert wurde die Initiative von der Mönchsgemeinschaft Kleine Familie der Verkündigung, die sich der Bewahrung der Erinnerung an das Nazi-Massaker widmet, in Zusammenarbeit mit der Friedensschule von Monte Sole.

Dramatische Lage

Angesichts steigender Opferzahlen und der drohenden Hungersnot im Gazastreifen haben katholische Würdenträger in den vergangenen Wochen ihre Friedensappelle verstärkt. Pater Gabriel Romanelli, Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrei in Gaza, schilderte in einer Videobotschaft vom 14. August die dramatische Lage: „Die Situation bleibt sehr ernst: Überall gibt es Bombardierungen sowie Tod und Zerstörung. Die Gefahr für die gesamte Bevölkerung verursacht große Angst unter den Zivilisten.“

Seine Kirche der Heiligen Familie wurde am 13. Juli bombardiert, wobei zwei Frauen getötet wurden, die dort Schutz gesucht hatten.

Kirchliche Friedensappelle

Der Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, erklärte während einer Messe am 15. August: „Das Blut der Unschuldigen in Gaza und in der Welt ist nicht vergessen.“ Auch Papst Franziskus forderte einen Waffenstillstand und ein Ende der Gewalt. „Nach all dieser Zeit, was ist der Zweck des Krieges? Wir müssen immer den Dialog suchen, diplomatische Bemühungen, nicht Gewalt, nicht Waffen“, sagte er am 13. August vor Journalisten.

Kardinal Zuppi, den Papst Franziskus zum Friedensgesandten für die Ukraine ernannt hatte, ist für seine Vermittlung beim Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine bekannt. Beim Konklave (Papstwahl), das zur Wahl von Papst Franziskus führte, galt Zuppi laut dem Portal Index als einer der aussichtsreichen Kandidaten für das Papstamt.

Die Internationale Union der Generaloberinnen organisierte am 4. August einen Tag des Fastens und Gebets und rief „zu Gerechtigkeit und Versöhnung“ auf.

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KO KOSMO-Redaktion
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