Tausende stürmen das Parlament in Kathmandu, die Polizei reagiert mit Gewalt. Hinter den blutigen Unruhen in Nepal steckt mehr als nur die Sperrung sozialer Medien.
Nepalesische Polizei ging mit Tränengas und Gummikugeln gegen Demonstranten vor, die versuchten, in das Parlamentsgebäude in Kathmandu einzudringen. Die Proteste richten sich gegen die kürzlich verhängte Blockade sozialer Netzwerke sowie gegen mutmaßlich weitreichende Korruption in der Regierung. Nachdem mehrere tausend Menschen Absperrungen durchbrochen hatten, verhängten die Behörden eine Ausgangssperre in der Hauptstadt. „Die Proteste wurden zu gewalttätig und wir mussten reagieren“, erklärte Muktiram Rijal, Sprecher des Hauptstadtdistrikts.
Das staatliche Fernsehen meldete mindestens 14 Todesopfer und Dutzende Verletzte bei den Auseinandersetzungen. Diese Zahlen wurden von den Behörden bislang nicht offiziell bestätigt und konnten laut Reuters nicht unabhängig verifiziert werden. Parlamentssprecher Ekram Giri bestätigte, dass Demonstranten zwar in Teile des Komplexes eindringen konnten, jedoch nicht in den Hauptsaal gelangten und kurz darauf von Sicherheitskräften zurückgedrängt wurden.
Generation-Z-Aufstand
Die Organisatoren bezeichnen die Unruhen als „Proteste der Generation Z“ und betonen, dass sie die wachsende Unzufriedenheit junger Nepalesen mit der Regierungspolitik widerspiegeln. „Dies ist ein Aufstand der neuen Generation in Nepal“, erklärte ein Teilnehmer der Proteste. Die Demonstrationen haben sich mittlerweile auf weitere Städte des Himalaya-Staates ausgeweitet, den in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen verlassen haben, um im Ausland Arbeit zu finden.
Am 27. August 2025 hatte Nepal den Zugang zu zahlreichen sozialen Netzwerken gesperrt, darunter Facebook, Instagram, X, Reddit, LinkedIn und YouTube, nachdem diese eine siebentägige Frist zur Registrierung verstreichen ließen. Kommunikationsminister Prithvi Suba Gurung erklärte, die Unternehmen seien mehrfach aufgefordert worden, ihr Geschäft offiziell im Land anzumelden. Von insgesamt 26 blockierten Plattformen erfüllten nur TikTok, Viber, WeTalk, Nimbuzz und Popo Live die Auflagen und dürfen weiter betrieben werden.
Netzwerksperre kritisiert
Die Regierung begründet die Blockade mit der massenhaften Verbreitung von Hassrede, Falschinformationen und Betrugsversuchen über soziale Netzwerke. Rechtliche Grundlage bildet die „Directive on Regulating the Use of Social Media, 2023“, die eine Registrierung, Lizenzierung und die Benennung eines lokalen Vertreters vorschreibt. Die Maßnahme erfolgte nach einer entsprechenden Anordnung des Obersten Gerichtshofs.
In Nepal nutzen etwa 90 Prozent der rund 30 Millionen Einwohner das Internet, was die Empörung nach der Netzwerksperre zusätzlich verstärkt hat. Neben der Aufhebung des Verbots fordern die Demonstranten auch ein Ende der nach ihren Angaben „außer Kontrolle geratenen Korruption“ in der Regierung von Premierminister Sherman Oli.
Nepal reiht sich damit in eine wachsende Zahl von Staaten ein – darunter die USA, Australien, EU-Länder, Indien, Brasilien und China –, die in jüngster Zeit versuchen, die Macht der Technologiekonzerne einzuschränken.
Als Begründung werden dabei nationale Sicherheitsinteressen, der Kampf gegen Desinformation, Datenschutzbedenken sowie die zunehmende Online-Gewalt, besonders gegen Minderjährige, angeführt.