Die türkischen Behörden haben gegen die populäre Girlband „Manifest“ ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Grund dafür ist ein Konzertauftritt in Istanbul, bei dem den sechs jungen Sängerinnen „schamloses Verhalten“ vorgeworfen wird.
Während ihrer Show vor tausenden Zuschauern trugen die Anfang-20-Jährigen dessousähnliche Outfits und präsentierten Tanzeinlagen, die beim Publikum für Begeisterung sorgten. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Tatsache, dass die Gruppe in einem ihrer Lieder den bekannten Oppositionsslogan „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit!“ vertont hat.
Die Staatsanwaltschaft Istanbul wirft den Musikerinnen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu „Exhibitionismus“ vor und hat eine Ausreisesperre verhängt. In der offiziellen Erklärung heißt es, das Auftreten der Bandmitglieder und ihrer Tänzer habe das „gemeingesellschaftliche Anstandsgefühl verletzt und beleidigt“ und stelle einen Angriff auf die „Sauberkeit von Sitte und Moral“ dar. Videoaufnahmen des Konzerts wurden auf der Plattform X mit Verweis auf nationale Sicherheitsbedenken blockiert, wie die Webseite Engelli Web dokumentiert.
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Politische Provokation
Der von „Manifest“ verwendete Slogan „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit!“ hat eine besondere politische Brisanz: Er stammt aus der türkischen Oppositionsbewegung und wurde insbesondere bei Protesten gegen die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters İmamoğlu zum Symbol für den Widerstand gegen die Regierung Erdoğan. Dass eine Popband diesen Ruf in ihre Konzerte integriert und das Publikum zum Mitsingen animiert, wird von Regierungskreisen als direkte politische Provokation gewertet.
Erfolgreiche Newcomer
„Manifest“ wurde im Frühjahr 2025 durch die TV-Talentshow „Big5 Türkiye“ ins Leben gerufen und verzeichnete seither einen bemerkenswerten Erfolgsweg. Mit ihrem Debütalbum „Manifestival“ und mehreren ausverkauften Konzerten erlangten die sechs Künstlerinnen innerhalb weniger Monate landesweite Bekanntheit. Mittlerweile gilt die Formation als erfolgreichste Popgruppe der Türkei, deren Songs Millionen Streams auf digitalen Plattformen verzeichnen. Ein charakteristisches Merkmal ihrer Auftritte: Während eines bestimmten Songs stimmen die Fans routinemäßig den Wahlspruch der türkischen Opposition an: „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit!“.
Reaktion der Band
Zu den Anschuldigungen nahmen die Künstlerinnen via Instagram Stellung. Sie betonten, dass ihre Absicht nicht gewesen sei, jemanden zu verärgern oder gesellschaftliche Empfindlichkeiten zu missachten. Die Gruppe zeigte sich betroffen von der Entwicklung und erklärte, ihr Anliegen sei es, durch Musik und Tanz Menschen verschiedenster Altersgruppen und Weltanschauungen zusammenzubringen.
Das renommierte Musikmagazin „Rolling Stone“ würdigte die Band im Mai mit den Worten: „Manifest“ verkörpere eine Gruppe mit „fließender Choreographie, Femininität und kompromissloser Art, die auf eine Weise zusammenhält, wie man es in diesem Land seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat.“