Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Umweltschutz

782 Kilo Müll pro Kopf: Jetzt soll Pfand für Getränkekartons kommen

782 Kilo Müll pro Kopf: Jetzt soll Pfand für Getränkekartons kommen
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Österreich führt die EU-Abfallstatistik an, und der Müllberg wächst weiter. Nun fordern Umweltschützer eine radikale Ausweitung des Pfandsystems als Gegenmittel.

Naturschützer fordern Ausweitung des Pfandsystems auf weitere Verpackungen. Die Umweltorganisation Global 2000 plädiert dafür, künftig auch Getränkekartons, Einwegglas und Milchverpackungen in das bestehende Rückgabesystem zu integrieren. Diese Maßnahme würde nach Ansicht der Umweltschützer die erheblichen Abfallmengen in Österreich deutlich verringern.

Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt die neue EU-Verpackungsverordnung: Diese verpflichtet alle Mitgliedstaaten, den Verpackungsabfall bis 2030 um mindestens fünf Prozent gegenüber 2018 zu reduzieren. Für Österreich bedeutet das eine verbindliche Zielvorgabe, die durch nationale Maßnahmen wie die Ausweitung des Pfandsystems unterstützt werden soll. Bei Nichterreichen dieser Ziele droht ein Vertragsverletzungsverfahren mit empfindlichen Strafen durch den Europäischen Gerichtshof.

Erfolgreiche Pfandsysteme

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Pfandsystem sind vielversprechend. Das seit 1. Jänner 2025 für Kunststoffflaschen und Metalldosen geltende österreichische Einwegpfandsystem zeigt erste Erfolge: Aktuell werden bereits rund 70 Prozent der PET-Flaschen gesammelt, das Pfand beträgt 25 Cent pro Verpackung. Bis 2027 soll eine Rückgabequote von 90 Prozent erreicht werden.

Die zurückgegebenen Materialien können für die Herstellung neuer PET-Flaschen oder Aluminium-Dosen verwendet werden. Die Umweltorganisation betont jedoch, dass Recycling allein nicht ausreicht. „Wir müssen den Ressourcenverbrauch reduzieren, dann packen wir das Problem an den Wurzeln. Ein Ausbau von Mehrweglösungen ist notwendig“, erklärte Global-2000-Expertin Anna Leitner während der Online-Pressekonferenz in Wien.

Die Organisation fordert zudem die Abschaffung der derzeit geltenden Ausnahmen für Milchprodukte im Pfandsystem.

Österreichs Abfallproblem

Im europäischen Vergleich nimmt Österreich eine unrühmliche Spitzenposition ein: Mit 782 Kilogramm Siedlungsabfällen pro Person und Jahr führt die Alpenrepublik die EU-Statistik an – ein Anstieg um 79 Prozent binnen drei Jahrzehnten. Die hohen Recyclingquoten können das Wachstum der Abfallmenge offenbar nicht bremsen.

In der Hierarchie der Kreislaufwirtschaft belegt Recycling in Österreich lediglich den neunten Platz. Auch andere Einwegprodukte geraten zunehmend in die Kritik, darunter besonders Wegwerf-E-Zigaretten. Diese „Vapes“ enthalten Lithium-Akkus und werden laut Global 2000 häufig im Restmüll entsorgt, was nicht nur Ressourcen verschwendet, sondern auch die Brandgefahr im Abfall erhöht.

Die Umweltorganisation kritisiert ebenso den Trend zu kurzlebiger Billigmode. „Fast Fashion“ belastet Umwelt und Klima erheblich. Eine Studie der Arbeiterkammer belegt, dass viele Österreicherinnen und Österreicher etwa ein Viertel ihrer Kleidung kaum oder gar nicht tragen – mit der Folge unnötiger Abfallproduktion und Ressourcenverschwendung.

Internationale Billiganbieter wie Shein oder Temu lassen täglich 108 Jumbo-Frachtflugzeuge voller günstiger Waren starten, wie die Studie aufzeigt.

„Wir stecken mitten in einer Wegwerfspirale: Von Fast Fashion bis zu Einweg-E-Zigaretten wächst der Müllberg rasant“, warnt Leitner. Der Pro-Kopf-Abfall ist in 30 Jahren von 437 auf 782 Kilogramm angestiegen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen