Die Sozialleistungen ziehen stärker als die Landschaft: Ein AMS-Bericht enthüllt, warum Flüchtlinge bevorzugt in Wien bleiben – trotz schönerer Alternativen.
Ein AMS-Bericht beleuchtet die Beweggründe von Flüchtlingen, ihren Lebensmittelpunkt in Wien zu etablieren. Die Untersuchung zeigt, dass neben anderen Faktoren auch die Sozialleistungen eine entscheidende Rolle spielen. Rückkehrabsichten in die Heimatländer sind laut dem Dokument „Neue Geflüchtete aus Syrien am österreichischen Arbeitsmarkt“ kaum vorhanden. Für zahlreiche Migranten steht fest: Österreich soll dauerhafter Wohnsitz werden. Auch die von der Bundesregierung eingeführte Rückkehrprämie in Höhe von 1000 Euro hat an dieser Grundhaltung erwartungsgemäß nichts geändert.
Die Studienergebnisse widersprechen der Position mancher Politiker, die eine gezielte Migration ins Sozialsystem verneinen. Der Wiener Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hatte noch im Vorjahr in einem Interview mit der „Krone“ erklärt: „Es gibt keine Zuwanderung ins Sozialsystem.“ Die Erkenntnisse des AMS-Berichts, insbesondere auf Seite 85, zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Dort finden sich aufschlussreiche Aussagen von Betroffenen: „Aufgrund meines subsidiären Status bin ich nach Wien gekommen. Wien bietet mir eine bessere finanzielle Unterstützung.“
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Finanzielle Anreize
Da die Bundeshauptstadt auch subsidiär Schutzberechtigten (Personen mit befristetem Schutzstatus) die volle Mindestsicherung gewährt – während sieben andere Bundesländer dieser Personengruppe lediglich die Grundversorgung zukommen lassen – berichtet ein syrischer Geflüchteter: „Services und finanzielle Unterstützungsleistungen sind in Wien besser als in anderen Bundesländern. Aber andere Bundesländer finde ich schöner als Wien.“ Familien, die aus Oberösterreich nach Wien ziehen, begründen diesen Schritt demnach mit der besseren finanziellen Unterstützung. Das bedeutet: Obwohl viele Syrer andere Regionen Österreichs ästhetisch ansprechender finden, bleiben sie aus finanziellen Erwägungen in Wien.
Diese systematische Wanderungsbewegung nach Wien wird durch die unterschiedlichen Leistungshöhen verstärkt: Während die Wiener Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte bei rund 1000 Euro monatlich liegt, erhalten diese in anderen Bundesländern meist nur die Grundversorgung von etwa 365 Euro pro Monat. Der finanzielle Unterschied erklärt, warum selbst integrierte Familien den Wohnortwechsel vollziehen.
Langfristige Perspektiven
Im Bericht kommt auch eine 39-jährige Syrerin zu Wort: „Nein, wir möchten in Österreich bleiben, damit meine Kinder Stabilität haben.“ Sie schildert ihre Erfahrungen als Obdachlose und ergänzt: „In unserer Nähe gibt es Syrer, die wie wir denken und nicht über eine Rückkehr nachdenken.“ Besonders jene Personen, die während der Flüchtlingsbewegung 2015 nach Österreich kamen, zeigen keine Bereitschaft, das Land wieder zu verlassen. Ein konkretes Beispiel aus dem Bericht verdeutlicht dies: „Eine ist seit zehn Jahren hier und ist integriert. Ihr kleines Kind spricht kein Arabisch, sondern Österreichisch. Sie hat drei Kinder.“
Die finanzielle Komponente wird in weiteren Zitaten syrischer Geflüchteter unterstrichen. „Aufgrund meines subsidiären Status bin ich nach Wien gekommen. Wien bietet mir eine bessere finanzielle Unterstützung“, erklärt ein Betroffener.
Ein anderer formuliert es so: „In Wien bekommt man auch finanzielle Unterstützung, wenn man subsidiären Schutz hat. In anderen Bundesländern bekommt man das nicht.“
Der AMS-Forschungsbericht bestätigt damit empirisch, was politisch umstritten diskutiert wird: Die unterschiedlichen Sozialleistungen zwischen den Bundesländern führen zu gezielten Wanderungsbewegungen innerhalb Österreichs, wobei Wien als bevorzugtes Ziel fungiert.