Ein US-General warnt vor Dominoeffekten: Der Ukraine-Krieg könnte nicht nur Europa destabilisieren, sondern auch amerikanischen Wohlstand gefährden und globale Machtverhältnisse verschieben.
Der pensionierte US-Generalleutnant Ben Hodges sieht einen Sieg der Ukraine als entscheidend für amerikanischen Wohlstand und globale Stabilität. In einem Gespräch mit Euronews betonte er die wirtschaftliche Verflechtung zwischen den USA und Europa: Der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten sei Europa, dessen Wohlstand wiederum von Sicherheit und Stabilität auf dem Kontinent abhänge – die nun durch den russischen Angriffskrieg gefährdet sei.
Hodges warnte eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns in der Ukraine. Sollte Russland dort nicht gestoppt werden und der Konflikt auf NATO-Territorium übergreifen, könnten die USA in eine direkte militärische Auseinandersetzung mit Russland geraten. Zudem beobachte China genau, ob die Vereinigten Staaten in Fragen der Souveränität und des Völkerrechts standhaft blieben und sich als verlässlicher Partner erwiesen. Ein weiterer Aspekt: Da Russland sowohl den Iran als auch Nordkorea unterstützt, würde ein Sieg über Moskau diese Länder weiter isolieren und möglicherweise ihre Fähigkeit einschränken, Israel oder Südkorea zu schaden.
⇢ US-General warnt: Ukraine-Niederlage könnte Amerika ins Chaos stürzen
Europäische Bedenken
Der kürzlich vorgelegte 28-Punkte-Friedensplan, den Russland und die USA ohne Einbeziehung der Europäer erarbeitet haben und der ein Ende der russischen Invasion vorsieht, hat besonders in Europa für Verunsicherung gesorgt. Eine zentrale Frage ist nun, ob sich der Kontinent weiterhin auf das regelbasierte System verlassen kann, das jahrzehntelang seine Sicherheit gewährleistete – mit den USA als Schutzmacht – oder ob dies weiteren russischen Destabilisierungsversuchen in der Nachbarschaft und auf dem gesamten Kontinent Tür und Tor öffnet.
Auf die Frage nach der Verlässlichkeit der USA als NATO-Partner antwortete Hodges: „Ich würde sagen ja. Aber es ist bedauerlich, dass diese Frage überhaupt gestellt werden muss“, weil die Trump-Administration Zweifel daran geweckt hat, ob die USA reagieren würden. Darin liegt die Gefahr. Die Russen könnten eine fatale Fehleinschätzung treffen, wenn sie glauben, die USA würden sich auf bloße Erklärungen beschränken. Diese Wahrnehmung erhöht das Risiko russischer Einmischung.“ Der General fügte hinzu, dass die westliche Hemisphäre – Nord- und Südamerika – für die aktuelle US-Administration höchste Priorität habe, gefolgt vom indopazifischen Raum, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Europa rangiere vermutlich erst an vierter Stelle, was eine Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz wahrscheinlich mache – wie bereits bei der kürzlich angekündigten Verringerung der US-Truppenstärke in Rumänien.
Truppenreduzierung erwartet
Auf die Frage nach einer möglichen Truppenreduzierung in Deutschland antwortete Hodges, dies sei nahezu unvermeidlich. „Schon während Trumps erster Amtszeit wurde viel darüber gesprochen, doch ironischerweise stieg die Zahl der dauerhaft in Deutschland stationierten US-Soldaten in dieser Zeit sogar an. Jetzt scheint man entschlossener, tatsächlich Kürzungen vorzunehmen. Unsere Präsenz in Europa ist ohnehin nicht sehr umfangreich, besonders was die US-Armee betrifft. Die dort stationierten Einheiten werden im Pazifik nicht benötigt, könnten aber reduziert werden, um Mittel und Ressourcen freizusetzen.
Ich rechne generell mit einer Verkleinerung der US-Armee, und ein Teil dieser Reduzierung wird Europa betreffen“, erklärte der amerikanische General.