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Grenzüberschreitung

Geladene Pistole am Kopf: Marina Abramovic war bereit für die Kunst zu sterben

Geladene Pistole am Kopf: Marina Abramovic war bereit für die Kunst zu sterben
Foto: epa/GEORGIOS KEFALAS
2 Min. Lesezeit |

Sechs Stunden lang überließ sie ihren Körper der Willkür des Publikums. Was als Kunstexperiment begann, endete mit Blut und einer geladenen Waffe am Kopf.

Mit ihrer Performance „Rhythm 0″ schrieb Marina Abramovic 1974 Kunstgeschichte. Die Künstlerin stellte sich einem radikalen Experiment: Sechs Stunden lang überließ sie ihren Körper vollständig der Willkür des Publikums. Ihr Ziel war es, die Grenzen menschlichen Verhaltens auszuloten – selbst unter Lebensgefahr.

Nach der Performance beschrieb Abramovic die erschreckende Dynamik: „Das Publikum ist durchgedreht.“ Besonders verstörend war für sie die Reaktion der Zuschauer im Anschluss. „Als ich auf sie zuging, rannten alle weg“, erinnert sich die Künstlerin. Die Besucher, die zuvor noch übergriffig wurden, entzogen sich jeder Konfrontation. Die Mehrheit der Anwesenden hatte sich aggressiv und gewalttätig verhalten, nur eine Minderheit zeigte Fürsorge und Hilfsbereitschaft.

Bleibende Erinnerungen

Auch heute noch, im Alter von 79 Jahren, reflektiert Abramovic über diese prägende Erfahrung, die sie trotz allem nie bedauert hat. In einem kürzlich veröffentlichten Podcast schilderte sie den Moment nach dem Ende der sechsstündigen Aktion: „Die Galerie erklärte, dass die Zeit abgelaufen sei. Ich näherte mich den Besuchern – nackt, blutüberströmt, in einem furchtbaren Zustand. Jemand hatte mir in den Hals geschnitten und mehr.“

Kritische Analyse

Kunstkritiker Thomas McEvilley analysierte die Gruppendynamik während der Performance: „Angesichts ihrer Willensaufgabe und des damit verbundenen Zusammenbruchs der menschlichen Psyche begann sich im Publikum eine Schutzgruppe zu bilden.“ Er beschrieb auch einen kritischen Moment: „Als Marina eine geladene Waffe an den Kopf gehalten wurde und ihr eigener Finger den Abzug betätigte, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Fraktionen im Publikum.“

Die Aktion „Rhythm 0″ wird inzwischen als Meilenstein der Performancekunst betrachtet.

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KO KOSMO-Redaktion
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