Zwischen Bunkeralarm und Diplomatie: Israels Bevölkerung rüstet sich für mögliche iranische Angriffe, während hinter den Kulissen das Schicksal der Region in Washingtons Händen liegt.
In Israel bleiben die Luftschutzbunker seit dem letzten iranischen Raketenangriff in Alarmbereitschaft. Während vor dem Konflikt viele dieser Schutzräume noch als Abstellkammern dienten, werden sie nun konsequent einsatzbereit gehalten. Die Bevölkerung stockt Trinkwasservorräte und Konserven auf – allerdings ohne in panische Hamsterkäufe zu verfallen. Die öffentlichen Schutzeinrichtungen unterliegen ohnehin regelmäßigen Kontrollen. Besonders gegen die ballistischen Raketen vom Typ Emad und Gadar, die der Iran im vergangenen Juni einsetzte, boten diese Bunker vergleichsweise guten Schutz.
Trotz der von Admiral Cooper gelobten Einsatzbereitschaft der israelischen Luftabwehr bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken. Bei der iranischen Attacke im Juni wurden 574 ballistische Mittelstreckenraketen auf Israel abgefeuert. Davon konnten 201 abgefangen werden, 316 schlugen in unbewohntem Gebiet ein, während 57 Wohngebiete trafen. Die Bilanz: 28 Todesopfer und 3.238 Verletzte. Israel musste seither seine Bestände an Abwehrraketen aufstocken – ein kostspieliger und zeitaufwändiger Prozess.
Die israelische Zivilbevölkerung hat zudem die schmerzhafte Erfahrung gemacht, wie präzise die iranischen Waffensysteme mittlerweile operieren. Zwar dürften auch die iranischen Arsenale durch den Angriff dezimiert worden sein, doch Experten gehen weiterhin von beträchtlichen Raketenbeständen im Iran aus.
Trumps Entscheidungsmacht
Die Frage, wann die Alarmsirenen erneut ertönen könnten, liegt diesmal nicht in israelischer Hand. Wie bereits an den Konfliktherden Gaza und an der libanesischen Nordgrenze ist es US-Präsident Donald Trump, der auch in der angespannten Konfrontation mit dem Iran die Richtung vorgibt. Am 8. Jänner standen amerikanische Bomber bereits für einen Angriff gegen das iranische Regime bereit, das gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen war. Trump zog in letzter Minute die Notbremse und akzeptierte die Zusicherung der Mullahs, dass „keine weiteren Exekutionen geplant“ seien.
Diese Entscheidung löste sowohl in Israel als auch in den umliegenden Staaten Erleichterung aus. Die Argumente, mit denen Israel und die arabischen Golfstaaten vor einem US-Angriff warnten, haben nach wie vor Bestand. Im Jänner hieß es, der Zeitpunkt sei verfrüht, da die amerikanischen Streitkräfte in der Region noch nicht ausreichend aufgestellt seien. Inzwischen ist zwar eine „starke Armada“ auf dem Weg in den Persischen Golf, doch das Überraschungsmoment sei verstrichen.
⇢ Angriff steht unmittelbar bevor“ – US-Truppen verlassen Stützpunkte
In der vergangenen Woche stattete US-Admiral Brad Cooper, Befehlshaber des für den Nahen Osten und Zentralasien zuständigen US-Regionalkommandos CENTCOM, Israel einen Besuch ab. Er betonte die intensive Zusammenarbeit zwischen den USA, Israel und den verbündeten Golfstaaten, vermied jedoch jegliche aggressive Rhetorik. Militärexperten schätzen, dass die US-Streitkräfte noch mindestens zwei Wochen benötigen, um wirkungsvolle Operationen durchführen zu können.
Diplomatische Kanäle
Ob solche Angriffe tatsächlich zum Sturz des Mullah-Regimes führen könnten, wird von israelischen wie arabischen Fachleuten gleichermaßen bezweifelt. Solche militärischen Aktionen könnten jedoch auch auf Einschüchterung abzielen, um die iranische Führung zu substanziellen Zugeständnissen in der Nuklearfrage zu bewegen. So scharf Trump in seinen Äußerungen bislang auch aufgetreten sein mag – er hielt neben militärischen Optionen stets auch diplomatische Kanäle offen. Noch am Mittwoch bekräftigte er: „Der Iran will reden, so werden wir reden!“
Angesichts ihrer prekären innenpolitischen Lage könnten die Mullahs bereit sein, in der Atomfrage bisher verweigerte Kompromisse einzugehen, um ihre Herrschaft zu sichern. Trump steht gerade bei seinen treuesten Anhängern im Wort, die USA aus internationalen Konflikten herauszuhalten. Bei einer militärischen Eskalation mit dem Iran stünden neben Israel vor allem die US-Stützpunkte im Irak und am Golf im Fadenkreuz iranischer Vergeltungsschläge.
Gefallene US-Soldaten, die in Särgen in die Heimat zurückkehren, passen keineswegs in Trumps politisches Konzept. Premierminister Benjamin Netanjahu hat in diesem Konflikt jedoch keinen Gestaltungsspielraum. Seine jüngsten Entscheidungen – wie die umstrittene Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Gaza und Ägypten auf amerikanischen Druck – traf er ohne Konsultation seines umfangreichen Kabinetts.
Auch in der Iran-Frage gibt es für ihn nur eine Handlungsoption: bedingungslose Zustimmung zu allem, was der Mann mit der roten MAGA-Kappe in Washington für richtig hält.