Vom Kunden zum Stalker: Ein Niederösterreicher versteckte einen GPS-Sender im Geschenkkissen seiner Escort-Dame und versuchte sogar, ihre Wohnung aufbrechen zu lassen.
Ein 43-jähriger Niederösterreicher musste sich am Dienstag vor einem Wiener Gericht verantworten, nachdem er eine Escort-Dame massiv belästigt hatte. Unter anderem versteckte er einen GPS-Sender in einem Polster, um ihren neuen Wohnort ausfindig zu machen. Das Gericht verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von drei Monaten, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist.
Die Bekanntschaft zwischen dem Mann und der 29-jährigen Rumänin begann 2019, als er ihre Dienste über eine Agentur buchte. Nach dreijährigem Kontakt entwickelte er Gefühle für die Frau, während sie zeitweise in ihr Heimatland zurückkehrte. Laut seinen Aussagen vertiefte sich die Beziehung 2025. Im März desselben Jahres schickte er der Frau und ihrer Agentur bedrohliche Nachrichten, in denen er sich als Psychopath bezeichnete und ankündigte, Amok zu laufen, die 29-Jährige zu töten und ihr Herz zu verzehren.
Die Rumänin fühlte sich durch sein Verhalten zunehmend bedrängt. Der Mann versuchte hartnäckig, über verschiedene Kanäle wie die Agentur, WhatsApp, E-Mail und soziale Netzwerke mit ihr in Kontakt zu treten. Dafür nutzte er ständig wechselnde Telefonnummern von Prepaid-Handys. „Ich habe ihm mehrfach gesagt, ich bin nicht verliebt, er sei nur Kunde“, erklärte die 29-Jährige, wie die APA berichtet.
Zu diesem Zeitpunkt erstattete die Frau noch keine Anzeige. Der 43-Jährige behauptete, dass es danach wieder zu regelmäßigen Treffen in Hotels gekommen sei. Die Escort-Dame hingegen gab an, seit den Drohungen keinen Kontakt mehr gewollt zu haben, obwohl sie damals noch keine Angst verspürte. „Ich habe nicht geglaubt, dass er was macht.“
GPS-Überwachung
Als die Rumänin im Oktober in eine neue Wohnung zog und ihm die Adresse verweigerte, griff der Mann zu einer List: Er versteckte einen GPS-Sender in einem Kissen, das er ihr als Geschenk überreichte. Nachdem die 29-Jährige den Peilsender entdeckt hatte, ließ der Niederösterreicher ihre Adresse beim Zentralen Melderegister ermitteln. „Ich habe das als Spiel gesehen“, verharmloste der Angeklagte sein Vorgehen, ebenso wie die Tatsache, dass er mehrfach an ihrer Wohnungstür klingelte.
Am 14. Oktober eskalierte die Situation, als der Mann versuchte, mit Hilfe eines Schlüsseldienstes ihre Wohnung öffnen zu lassen, während sie sich darin aufhielt. Als Vorwand gab er an, etwas in der Wohnung vergessen zu haben, obwohl er nie dort gewesen war. Nur die lauten Hilferufe der Frau bewogen die Mitarbeiter des Schlüsseldienstes, von der Türöffnung abzusehen.
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Gerichtliches Nachspiel
Die Rumänin erwirkte schließlich am 28. Oktober eine Einstweilige Verfügung, um den Belästigungen ein Ende zu setzen. „Ich werde hier zerlegt, es war alles ganz anders“, beteuerte der 43-Jährige vor Gericht seine Zuneigung zu der Frau. „Frauen zu verstehen, ist kompliziert“, fügte er hinzu. Die Richterin stellte fest, dass der Mann kaum Einsicht zeigte. „Ich würde alles wieder so machen“, wiederholte der Angeklagte mehrfach. Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Drohung und versuchten Hausfriedensbruchs.
Vom Vorwurf des Stalkings wurde der 43-Jährige freigesprochen, da die Escort-Dame nicht mehr genau angeben konnte, wann und wie häufig er sie kontaktiert hatte. „Sie haben sie wahrscheinlich ordentlich genervt, aber ich konnte das nicht verifizieren“, erklärte die Richterin. „Wenn es Ihnen leid tut, hätte man auch über eine Diversion reden können. Entweder Sie kapieren es jetzt oder Sie kapieren es nicht“, mahnte die Vorsitzende.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben sich eine dreitägige Bedenkzeit erbeten.