Ein kroatischer Arzt, tausende Erwähnungen in Ermittlungsakten und fragwürdige Angebote – die neuen Epstein-Dokumente werfen ein Schlaglicht auf Bill Gates‘ früheren Berater.
Das US-Justizministerium hat neue Dokumente aus den Epstein-Ermittlungen veröffentlicht, in denen der Name Boris Nikolić auffällig häufig vorkommt. Der Arzt kroatischer Herkunft, der als ehemaliger wissenschaftlicher Berater von Bill Gates bekannt wurde, wird in den Akten mehr als 14.000 Mal erwähnt.
Nikolić, derzeit Geschäftsführer des Unternehmens Biomatics, kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Nach seiner Promotion an der Universität Zagreb und einer Postdoc-Ausbildung in Harvard leitete er ab 2002 das Labor für fortgeschrittene Immunologie am Massachusetts General Hospital. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst über 70 Publikationen und Patentanmeldungen in den Bereichen Immungenetik, Autoimmunität und Stammzellenforschung.
Die ersten dokumentierten Kontakte zwischen Nikolić und Epstein stammen aus dem Jänner 2010 – nur ein halbes Jahr nach Epsteins Haftentlassung, wo dieser eine Strafe wegen Förderung der Prostitution einer Minderjährigen verbüßt hatte. Nach Epsteins Tod 2019 wurde Nikolić überraschend als Ersatztestamentsvollstrecker benannt, eine Aufgabe, die er nach eigenen Angaben nicht annehmen wollte. Wichtig bleibt jedoch festzuhalten: Die bloße Erwähnung in den Ermittlungsakten bedeutet keine Unterstellung rechtswidriger Handlungen.
Kroatische Models
Wie das Portal Index berichtet, zeigen tausende E-Mails, dass Nikolić Epstein offenbar kroatische Models angeboten hat. In einer Korrespondenz vom Jänner 2014 sendete er mehrere Links zu kroatischen Models und Modelagenturen. In einer Nachricht mit dem Betreff „Die Freundin meines Bruders“ verwies er auf ein Model namens Mia Kovačić aus Zagreb.
Am selben Tag schickte er einen Link zu einer Übersicht „erfolgreichster kroatischer Models“ mit dem Kommentar: „Alle sehen sehr kroatisch aus. Jan Luc eröffnet jetzt eine Agentur in Kroatien.“ Einen Tag später folgten Links zu zwei Zagreber Modelagenturen mit dem Hinweis: „Das sind die Agenturen, deren Leute ich in Zagreb kenne. Bitte lass mich wissen, wenn du ein Talent siehst.“ Ob Epstein auf diese Angebote reagierte, geht aus den veröffentlichten Dokumenten nicht hervor.
Dubioses Schiffsgeschäft
Neben der Vermittlung von Models versuchte Nikolić offenbar auch, bei einem Schiffsverkauf zu vermitteln. Mitte Oktober 2013 stellte er Epstein seinen „besten Freund aus Zagreb“, Zoran Kovač, vor. Dieser bot Epstein als Direktor des Unternehmens Sigma Stan ein Schiff an, das er als „extrem schnell mit geringer Radarsichtbarkeit – ideal zum Beispiel für Schmuggelaktivitäten“ beschrieb.
Als Epstein detaillierte Informationen zu Transport- und Umbaukosten verlangte, wurde Kovač ungeduldig. Um das Geschäft diskret abzuwickeln, schlug er den Kauf über eine Schweizer Firma vor.
Nach fast dreiwöchiger Korrespondenz zog Epstein sich jedoch aus den Verhandlungen zurück.