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Umweltdesaster

Müll-Tsunami in der Drina: Drei Länder schieben Verantwortung ab (FOTOS)

Müll-Tsunami in der Drina: Drei Länder schieben Verantwortung ab (FOTOS)
(Foto: EPA/FEHIM DEMIR)
3 Min. Lesezeit |

Ein Meer aus Plastik, Holz und Tierkadavern erstickt die Drina. Während Baumaschinen in Ostbosnien verzweifelt gegen die Müllflut ankämpfen, wächst die Kritik an den untätigen Behörden.

In Ostbosnien arbeiten Baumaschinen rund um die Uhr, um massenhaft Abfall aus der Drina zu bergen. Der Fluss ist an vielen Stellen vollständig blockiert. Was sich dort zeigt, gleicht Szenen aus einem Endzeitfilm: Die normalerweise smaragdgrüne Wasseroberfläche verschwindet unter einer dichten Schicht aus Plastikflaschen, Holzresten, Möbelteilen, rostigen Fässern, Elektrogeräten und sogar Tierkadavern. Umweltaktivist Dejan Furtula warnt zudem vor medizinischen Abfällen im Wasser. „Das ist eine ökologische Katastrophe“, erklärt er. „Die Drina ist reich an Fischen, und man kann sich vorstellen, welche Giftstoffe hier freigesetzt werden. Es ist von allem etwas dabei, es ist eine große Katastrophe.“

Die Situation wiederholt sich seit Jahren. Mit den winterlichen Hochwassern schwellen die regionalen Flüsse an, reißen Müll mit sich und transportieren ihn flussabwärts. Letztendlich sammelt sich der Abfall an den Barrieren vor dem Wasserkraftwerk in Visegrad. Die Verschmutzung stammt von wilden Deponien entlang der Flussläufe in Bosnien sowie in den Nachbarländern Serbien und Montenegro. Zahlreiche kleinere Zuflüsse münden in die Drina und bringen jeweils ihren eigenen Anteil an Abfällen mit.

Während die Flüsse im Sommer Wildwassersportler und Naturfreunde anziehen, erreicht das Müllproblem in den Wintermonaten seinen Höhepunkt. Dann spülen die angeschwollenen Gewässer illegale Ablagerungen von den Ufern fort. Vertreter aller drei betroffenen Staaten haben Kooperationen zur Problemlösung zugesagt. Bereits 2019 trafen sich die Umweltminister Bosniens, Serbiens und Montenegros am Ort des Geschehens – doch Jahre später ist eine wirksame Lösung noch immer nicht in Sicht.

⇢ „Politisches Versagen auf allen Ebenen“: Drei-Länder-Müll verstopft Drina-Fluss

Politisches Versagen

„Hier zeigt sich deutlich der fehlende politische Wille und die Untätigkeit sämtlicher zuständiger Behörden“, kritisiert Furtula, der in Visegrad lebt und die Umweltorganisation Eko Centar führt. „Sie kommen Jahr für Jahr zusammen und geben Versprechen ab, aber wie wir sehen, wiederholen sich diese Szenen immer wieder.“ Die Situation verdeutlicht, dass die Region auch Jahrzehnte nach den verheerenden Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre wirtschaftlich und in Umweltfragen hinter dem übrigen Europa zurückbleibt.

Die Flussverschmutzung ist nur eines von mehreren gravierenden Umweltproblemen im westlichen Balkan. Besonders besorgniserregend ist die extreme Luftbelastung, unter der zahlreiche Städte der Region leiden. Bosnien, Serbien und Montenegro verfolgen allesamt das Ziel eines EU-Beitritts. Fortschritte im Umweltschutz gelten dabei als wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme in die Gemeinschaft der 27 Mitgliedstaaten.

Mögliche Lösungen

Für Furtula gibt es durchaus Ansätze zur Bewältigung des Müllproblems. Illegale Deponien könnten systematisch erfasst und kartiert werden, Gemeinden könnten Überwachungskameras und Sperren installieren – anstatt zuzulassen, dass der gesamte Abfall bis nach Visegrad treibt. Der aus dem Fluss geborgene Müll landet auf der örtlichen Deponie. Dort verrottet er langsam und setzt toxische Partikel in die Atmosphäre frei – ein „Teufelskreis“, wie Furtula beklagt, der seine Stadt weiter belastet.

„Er kommt aus drei Ländern – aus Montenegro, Serbien und Bosnien“, sagt er. „Aber niemand will zugeben, dass es der eigene Müll ist.“

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KO KOSMO-Redaktion
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