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Umweltskandal

Politisches Versagen auf allen Ebenen“: Drei-Länder-Müll verstopft Drina-See

Politisches Versagen auf allen Ebenen“: Drei-Länder-Müll verstopft Drina-See
FOTO: EPA/FEHIM DEMIR
3 Min. Lesezeit |

Die Drina versinkt im Müll – und niemand übernimmt Verantwortung. Der Drina-Fluss gleicht derzeit einer schwimmenden Mülldeponie. Die enormen Abfallmengen, die sich in den vergangenen Tagen dort angesammelt haben, sind ein erschreckendes Zeugnis politischer Untätigkeit.

Seit Jahren prangert Dejan Furtula, Aktivist aus Visegrad (Bosnien-Herzegowina) und Mitglied des örtlichen Öko-Zentrums, diesen Missstand an. Trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse und gelegentlicher Notfalleinsätze hat sich an der grundlegenden Situation nichts geändert.

„Das wiederkehrende Problem des Schwemmguts zeigt den kompletten Mangel an politischem Willen und Verantwortungsbewusstsein auf allen Regierungsebenen – sowohl in der Republika Srpska als auch in ganz Bosnien-Herzegowina“, erklärt Furtula. Die aktuelle Müllflut in Visegrad beweise einmal mehr, dass die zuständigen Behörden keinerlei ernsthafte Maßnahmen zur dauerhaften Problemlösung ergriffen haben. Nur 2022 sei die Situation noch dramatischer gewesen, während sich das Problem in den übrigen Jahren in etwas geringerem, aber dennoch alarmierendem Ausmaß wiederhole.

Gescheiterte Lösungsansätze

Besonders bitter stößt dem Umweltaktivisten auf, dass sein Öko-Zentrum vor zwei Jahren an dem internationalen Großprojekt „Aquatic Plastic“ beteiligt war. Dieses zielte auf nachhaltige Lösungen zur Schwemmgutbeseitigung ab und umfasste Satellitenüberwachung, Müllsortierung, die Beseitigung kleinerer wilder Deponien sowie die Installation von zwei Sperrketten für den Fluss Lim. Doch wegen fehlender Kofinanzierung von lediglich 20 Prozent wurde die Organisation schließlich vom Projekt ausgeschlossen.

„Wir haben sämtliche zuständigen Institutionen in der Republika Srpska kontaktiert und sie gebeten, dieses Projekt von öffentlichem Interesse zu unterstützen. Keine einzige zeigte Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – obwohl das Problem direkte Auswirkungen auf Umwelt, Tourismus, Gesundheit und das internationale Ansehen des Landes hat“, berichtet Furtula. Der Preis dieser behördlichen Gleichgültigkeit sei heute überdeutlich: Der Müll türmt sich weiter, der Fluss bleibt Geisel der Untätigkeit, und die Bevölkerung von Visegrad steht erneut allein da.

Grenzüberschreitende Problematik

Die Komplexität des Problems wird durch seine grenzüberschreitende Dimension noch verstärkt. Die gewaltigen Müllmengen stammen nicht nur aus den umliegenden Ortschaften, sondern gelangen über den Fluss Lim aus Serbien in die Drina, während über die Drina selbst Abfälle aus Montenegro angeschwemmt werden. Dennoch fehlt es an ernsthafter regionaler Kooperation und Abstimmung – ohne die eine dauerhafte Lösung unmöglich bleibt.

„Der Schwemmgut in Visegrad ist längst nicht mehr nur ein Umweltproblem, sondern vor allem eine politische Frage. Solange die Verantwortlichen ihre Pflichten ignorieren und die Schuld zwischen den Regierungsebenen hin- und herschieben, wird sich dieses Szenario Jahr für Jahr wiederholen“, betont Furtula.

Während die Behörden schweigen oder erst reagieren, wenn Bilder der Müllberge die Öffentlichkeit schockieren, wird die Drina zunehmend zum Symbol eines systemischen Versagens – zu einem Fluss, der statt Leben nur noch Abfall transportiert und anstelle von Lösungen lediglich unbeantwortete Fragen anhäuft.