Nach der Corona-Kontroverse folgt die nächste Debatte: Das Wurmmittel Ivermectin wird nun vom US-Krebsinstitut erforscht – sehr zum Unmut vieler Wissenschaftler.
Das umstrittene Wurmmittel Ivermectin rückt erneut ins Rampenlicht – diesmal im Bereich der Krebsforschung. Während der Corona-Pandemie erlangte das Medikament zweifelhafte Berühmtheit, als es von alternativen Gesundheitskreisen trotz fehlender wissenschaftlicher Belege als Covid-19-Therapie propagiert wurde. Klinische Untersuchungen am Menschen konnten jedoch keine Wirksamkeit gegen das Virus nachweisen. Sowohl die amerikanische FDA als auch die europäische EMA sprachen deutliche Warnungen aus und verwiesen auf mögliche lebensgefährliche Folgen bei Überdosierung.
Dennoch entwickelte sich das Präparat in konservativen US-Kreisen und unter Anhängern der MAHA-Initiative („Make America Healthy Again“) zum Symbolträger gegen etablierte medizinische Praktiken. Der US-Informationsdienst STAT berichtet: „Gleichgesinnte Kommentatoren sowie Influencer aus dem Wellness- und anderen Online-Bereich haben Ivermectin – ohne wissenschaftliche Beweise – als Wundermittel gegen eine Vielzahl von Krankheiten, darunter Krebs, angepriesen.“ Trumps Mitarbeiter haben die Forschung zu Ivermectin als Beispiel für die Offenheit der Regierung gegenüber Ideen angeführt, die von der Wissenschaft abgelehnt wurden.
Neue Krebsforschung
Jetzt plant das Nationale US-Krebsinstitut (NCI) eine Untersuchung der potenziellen Wirkung des Stoffes auf Krebszellen. NCI-Direktor Anthony Letai begründet das Vorhaben: „Es gibt genügend Interesse dafür. So haben wir uns in einer besseren präklinischen Studie engagiert, um die Eigenschaften von Ivermectin und sein Potenzial, Krebszellen abzutöten, zu untersuchen.“ Die Ergebnisse werden wir wahrscheinlich in ein paar Monaten haben. Deshalb nehmen wir die Sache ernst.
Auch Jay Bhattacharya, Leiter der Nationalen US-Gesundheitsinstitute, verteidigt das Forschungsvorhaben: „Wenn viele Menschen daran glauben und es Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat, sind wir als NIH erneut verpflichtet, es ernst zu nehmen.“ Innerhalb der Forschungsgemeinschaft stößt das Projekt jedoch auf heftige Kritik. Ein NCI-Wissenschaftler bezeichnete die Initiative als „absurd“ und zeigte sich „schockiert“ und „entsetzt“, da man Finanzmittel von „so vielen vielversprechenden Forschungsprojekten“ abziehe.
Medizinische Ursprünge
Ursprünglich wurde Ivermectin zur Bekämpfung von Wurminfektionen in tropischen Regionen entwickelt und findet auch in der Tiermedizin Anwendung. Für diese Entdeckung erhielten William C. Campbell und Satoshi Omura 2015 den Medizin-Nobelpreis.