Ein achtjähriger Junge, eine Trennung per Chatnachricht – und ein Verbrechen, das ein ganzes Land erschüttert hat.
Am Landgericht Rostock hat heute der Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow begonnen – ein Verfahren, das Antworten auf eines der erschütterndsten Verbrechen der jüngsten Zeit liefern soll. Der Junge war im Oktober 2025 spurlos verschwunden und vier Tage später tot an einem abgelegenen Tümpel gefunden worden – erstochen und anschließend in Brand gesetzt. Als Tatverdächtige sitzt Gina H. (30) auf der Anklagebank, die Ex-Freundin von Fabians Vater Matthias R.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft tötete sie das Kind kaltblütig in der Hoffnung, damit die zerbrochene Beziehung zu kitten. Das Verhältnis zwischen Gina H. und Matthias R. war den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge von wiederkehrenden Konflikten geprägt – auch und gerade wegen Fabian. Nachdem der Achtjährige Zeuge einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und der Angeklagten geworden war, brach der Kontakt zwischen Vater und Sohn zeitweise ab.
Tatplan im Detail
Später normalisierte sich die Situation, Fabian verbrachte wieder regelmäßig Zeit mit seinem Vater und Gina H. Um einen erneuten Kontaktabbruch zu verhindern, beendete Matthias R. die Beziehung – am 9. Oktober 2025, per Chatnachricht. Bereits am darauffolgenden Tag soll Gina H. den Entschluss gefasst haben, Fabian zu töten.
Laut Staatsanwaltschaft wollte sie damit „den Streitpunkt mit Fabians Vater begraben“. Mit ihrem orangen Ford Ranger fuhr sie zur Wohnanschrift des Jungen, der an diesem Tag – wegen Nasenblutens – nicht zur Schule gegangen und „wie vermutet oder im Vorfeld in Erfahrung gebracht“ allein zu Hause war. Vor der Hausnummer 38/39 parkte sie ihr Fahrzeug und nahm Fabian mit.
Ihr Weg führte zu einer Schweinesuhle bei Klein Upahl. Dort zog Gina H. plötzlich ein zehn Zentimeter langes Messer. „Sie handelte mit dem Entschluss, Fabian töten zu wollen“, so die Staatsanwaltschaft. Um 12.43 Uhr schaltete sie ihr Smartphone wieder ein und verabredete sich mit einem Bekannten.
Danach soll sie noch einmal an den Tatort zurückgekehrt sein, um die Leiche mit Grillanzünder in Brand zu setzen. Zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr starb Fabian an mindestens sechs Messerstichen in den Brustbereich, von denen zwei sein Herz trafen.
Schweigen vor Gericht
Während der Vorsitzende Richter die Anklageschrift verlas, schluckte Dorina L., Fabians Mutter, mehrmals. Ansonsten wirkte sie gefasst. Die Angeklagte hatte mit Fabians Vater fast vier Jahre lang eine Beziehung geführt, von der sie auch finanziell profitiert hatte.
Vor Gericht schwieg Gina H. „Wir werden keine Angaben zur Sache machen“, erklärte ihr Anwalt Thomas Löcker. Die Angeklagte ist selbst Mutter eines Kindes. „Sie leidet sehr darunter, dass sie ihr Kind nicht sieht. Es ist sieben Jahre alt und aktuell in einer Pflegefamilie“, erklärte Löcker.
Mit diesem ersten Verhandlungstag endete die Sitzung. Insgesamt sind 17 Prozesstage bis zum 2. Juli angesetzt, mehr als 60 Zeugen sollen gehört werden.