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Energiewende

Sahara-Strom für Europa: Brüssel plant Wüsten-Energie-Coup

Sahara-Strom für Europa: Brüssel plant Wüsten-Energie-Coup
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Sahara-Sonne für europäische Steckdosen – Brüssel wagt einen milliardenschweren Anlauf, der schon einmal spektakulär scheiterte.

Brüssel setzt auf die Kraft der Wüstensonne: Die Europäische Union will die Energieversorgung des Kontinents künftig zu einem wesentlichen Teil aus Nordafrika und dem Nahen Osten sichern. Das Konzept dahinter ist so schlicht wie ehrgeizig – Solarpaneele in der Sahara und Windturbinen entlang der südlichen und östlichen Mittelmeerküsten sollen Strom erzeugen, der über Hochspannungs-Unterwasserkabel direkt ins europäische Netz eingespeist wird. Fossile Brennstoffe sollen so schrittweise verdrängt, Klimaziele und Elektrifizierungspläne vorangetrieben werden.

Die EU-Kommission hat dafür konkrete Mittel in Aussicht gestellt: Fünf Milliarden Euro aus EU-Fonds sollen in Projekte für erneuerbare Energien in der Region fließen, die Strom zurück nach Europa liefern. Brüssel erhofft sich davon einen Hebeleffekt – das öffentliche Kapital soll private Investoren anlocken und bis 2035 ein Gesamtvolumen von bis zu 25 Milliarden Euro mobilisieren, das in Solar- und Windkraft, Wasserstoff, Stromnetze und weitere saubere Technologien fließen soll.

Klare Ansage

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen unterstrich bei der Präsentation der Initiative die Dringlichkeit des Vorhabens mit einer eindrücklichen Zahl: „Die Rechnung der Europäischen Union für den Import fossiler Brennstoffe ist in den vergangenen 100 Tagen um mehr als 47 Milliarden Euro gestiegen – ohne dass auch nur ein einziges zusätzliches Energiemolekül dafür geflossen wäre.“ Bis 2035 soll die Initiative mindestens 15 Gigawatt neue Kapazitäten an erneuerbaren Energien ermöglichen, mehr als 100.000 Arbeitsplätze schaffen und die Stromverbindungen im gesamten Mittelmeerraum ausbauen.

Der Startschuss für die Initiative, die unter dem Namen T-MED firmiert, fällt in einer Phase erneuter Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten – diesmal ausgelöst durch den Krieg im Iran. Jørgensen stellte einen direkten Zusammenhang her: Die jüngsten Ereignisse hätten einmal mehr vor Augen geführt, wie riskant die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sei. „Unsere Energiesicherheit muss auf elektrifizierten Systemen aufbauen, die auf sauberer Energie, modernen Netzen und stärkerer Vernetzung beruhen“, so der Kommissar.

Das Potenzial der Zielregion gilt als gewaltig: Nordafrika und der Nahe Osten könnten laut Brüsseler Schätzungen rund 2.300 Gigawatt aus erneuerbaren Quellen erzeugen – mehr als das Doppelte der derzeit in der EU installierten Gesamtkapazität. Hinzu kommt ein entscheidender Kostenvorteil: Solar- und Windenergie lassen sich dort 30 bis 40 Prozent günstiger produzieren als innerhalb Europas. EU-Kommissarin für den Mittelmeerraum Dubravka Suica brachte das Ziel der Initiative auf den Punkt: „Potenzial in Projekte verwandeln, Projekte in Investitionen und Investitionen in Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.“

Dennoch bleibt der Weg dorthin steinig. Die Kommission selbst beziffert den Investitionsbedarf der Region bis Ende des Jahrzehnts auf über 100 Milliarden Euro – das angestrebte Volumen von 25 Milliarden Euro ist damit bestenfalls ein erster Schritt. Die im September startende Investitionsplattform T-MED soll helfen, diese Lücke zu schließen, indem sie Regierungen, Entwicklungsbanken, Investoren und Projektträger an einen Tisch bringt. Parallel dazu will Brüssel die Partnerländer dazu bewegen, Genehmigungsverfahren zu straffen, den Netzzugang zu verbessern und regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Interesse privater Kapitalgeber wecken.

Gescheiterte Vorgänger

Die Initiative weckt unweigerlich Erinnerungen an ein Vorhaben, das Europa bereits vor mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt hat. Das Projekt Desertec verfolgte seinerzeit exakt dieselbe Grundidee – Solarenergie aus Nordafrika für den europäischen Markt. Trotz anfänglicher Euphorie scheiterte es an politischer Instabilität, Finanzierungsproblemen und den immensen Infrastrukturkosten.

Auch andernorts sind vergleichbare Großprojekte nicht über das Planungsstadium hinausgekommen: Das australische Vorhaben Sun Cable, das Singapur über das weltweit längste Unterwasser-Energiekabel mit Solarstrom versorgen sollte, endete ebenfalls als gescheitertes Milliardenprojekt.

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KO KOSMO-Redaktion
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