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Arbeitskräftemangel

„Keine Leute mehr, die arbeiten wollen“: Serbiens Bauern verzweifeln vor der Ernte

„Keine Leute mehr, die arbeiten wollen“: Serbiens Bauern verzweifeln vor der Ernte
FOTO: iStock/Andrei Naumenka
3 Min. Lesezeit |

Rekordernte, gute Bezahlung, freie Kost und Logis – und trotzdem bleiben die Felder leer. Serbiens Himbeerbauern stehen vor einem Paradox.

In Serbien zeichnet sich in diesem Sommer eine ungewöhnliche Situation ab: Die Himbeerernte verspricht besonders ergiebig zu werden – doch wer die Früchte tatsächlich pflücken soll, ist vielerorts noch unklar. Besonders in Westserbien, wo die Saison rund um den 20. Juni beginnt, suchen zahlreiche Betriebe händeringend nach Saisonkräften. Geboten werden Tageslöhne von bis zu 51 Euro, Unterkunft sowie drei Mahlzeiten täglich. Manche Höfe zahlen darüber hinaus einen Euro pro geerntetem Kilogramm.

Dennoch gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal für viele Erzeuger zunehmend schwierig. „Selbst ein durchschnittlicher Pflücker könnte 25 Kisten am Tag sammeln, was nicht sehr schwer ist. Aber es gibt einfach keine Leute mehr, die arbeiten wollen“, klagt Landwirtin Ivana Petrovic gegenüber der rumänischen Tageszeitung „Libertatea“. Sie geht davon aus, dass trotzdem bis zu 1.000 Kilogramm Himbeeren ungepflückt am Strauch verbleiben könnten – schlicht weil die nötigen Arbeitskräfte fehlen.

Mangel an Erfahrung

Wie Petrovic und andere Betriebe berichten, richtet sich das Interesse vieler Bewerber vorrangig auf den Tageslohn, weniger auf die eigentliche Tätigkeit. Hinzu kommt, dass die Zahl erfahrener Pflücker spürbar zurückgegangen ist. „Von denen, die anrufen, sind 10 bis 20 Prozent erfahrene Pflücker, die anderen wissen nicht, wie sie ihre Arbeit nennen sollen“, erklärte Himbeerzüchter Mico Lukovic gegenüber „Libertatea“. Er zahlt nach eigenen Angaben zwischen 43 und 51 Euro pro Tag – ein Anstieg von rund 8,50 Euro gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Nettolohn in Serbien liegt derzeit bei etwa 990 Euro im Monat.

Manche Produzenten sorgen sich zudem darum, ob sich genügend Fahrer finden werden, um die empfindlichen Beeren rechtzeitig zum Weiterverkauf zu transportieren. Dabei könnte die laufende Saison außergewöhnlich gut ausfallen. Lukovic erwartet bei stabiler Witterung steigende Erntemengen und eine überdurchschnittliche Qualität. Er geht davon aus, dass die Himbeeren groß werden und sich ähnlich leicht pflücken lassen wie Äpfel, was die Arbeit für geübte Kräfte finanziell attraktiv machen könnte. Wer Interesse hat, findet entsprechende Angebote von privaten Höfen auf der Plattform KupujemProdajem im Bereich Poljoprivreda (Landwirtschaft) sowie auf Jooble Serbien, wo landwirtschaftliche Betriebe ihre Stellenanzeigen bündeln.

Rechtliches für EU-Bürger

EU-Bürger, die länger als 90 Tage in Serbien einer Beschäftigung nachgehen möchten, benötigen laut Auswärtigem Amt ein nationales Visum der Kategorie D, einen gültigen Reisepass sowie eine kombinierte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Der entsprechende Antrag kann persönlich oder per Post beim zuständigen Arbeitsmarktbüro in Belgrad eingereicht werden.

Die Bearbeitungszeit beträgt im Durchschnitt zwei Tage.

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KO KOSMO-Redaktion
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