Ein neuer Flughafen, große Pläne – und dann die Vollbremsung kurz vor dem Start der Sommersaison.
Skandinavische Urlauber hatten sich auf eine neue Direktverbindung an die albanische Küste gefreut. Der Reiseveranstalter Ving hatte geplant, Passagiere von Oslo direkt in die Hafenstadt Vlora zu fliegen – bedient von einem neu errichteten Flughafen, der dem Tourismus in der Region Auftrieb geben sollte.
Gescheitertes Zertifizierungsverfahren
Dass aus diesem Vorhaben vorerst nichts wird, liegt an den strengen Anforderungen des internationalen Luftfahrtrechts. Bevor ein neuer Flughafen für den Linienverkehr mit ausländischen Airlines geöffnet werden kann, muss er ein aufwendiges Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Maßgeblich dafür sind die Vorgaben der International Civil Aviation Organization (ICAO, UN-Luftfahrtbehörde).
Im Rahmen des sogenannten „Aerodrome Certification Program“ werden sämtliche Systeme eines Flughafens einer gründlichen Prüfung unterzogen – darunter Navigationshilfen wie die Befeuerung der Start- und Landebahn, das Sicherheitsmanagementsystem (SMS) sowie die Leistungsfähigkeit der Flughafenfeuerwehr einschließlich der Reaktionszeiten im Notfall. Die Betriebserlaubnis für internationale Flüge wird von den zuständigen Behörden erst dann erteilt, wenn alle vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt sind und die entsprechenden Tests über einen längeren Zeitraum stabil verlaufen.
Dem Flughafen Vlora ist offenbar genau das zum Verhängnis geworden: Die technischen und bürokratischen Voraussetzungen konnten nicht rechtzeitig vor Beginn der Urlaubssaison abgeschlossen werden. Wie das dänische Nachrichtenportal „BT“ berichtet, hat Ving daraufhin alle für den Sommer geplanten Reisen nach Vlora storniert. Ausschlaggebend dafür ist, dass der Flughafen die erforderlichen Zulassungen für den internationalen Flugbetrieb nicht fristgerecht erhalten hat.
Auch die Schweizer Fluggesellschaft Chair Airlines hat ihre für den Sommer 2026 geplanten Linienflüge von Zürich nach Vlora gestrichen. Der Grund ist derselbe: Der Airport hat die erforderlichen Zulassungen für den internationalen Flugbetrieb nicht rechtzeitig erhalten, eine Eröffnung im Sommer wird nicht mehr erwartet.
Vings Reaktion
„Wir verschieben die Investition, bis wir wissen, dass der Flughafen in Vlora vollständig betriebsbereit ist“, erklärte Ländermanagerin Marie-Anne Zachrisson. Sie spricht von einer schweren Entscheidung, weil die Nachfrage groß gewesen sei und Ving bereits viel Vorbereitung in die neue Destination gesteckt hätte.
Für zahlreiche Kundinnen und Kunden bedeutet das: Die geplante Albanienreise fällt aus, noch ehe sie begonnen hat. Wie viele Reisende konkret betroffen sind, lässt Ving offen. Finanziell hält sich der Schaden für bereits gebuchte Gäste jedoch in Grenzen – der Reisepreis wird vollständig zurückerstattet, und Ving stellt darüber hinaus kostenlose Unterstützung bei der Suche nach alternativen Reisezielen oder Terminen in Aussicht.
Die kurzfristige Absage trifft ein Land, das sich seit Jahren als aufstrebendes Urlaubsziel etabliert. Laut den offiziellen Zahlen der albanischen Statistikbehörde INSTAT sind die Einreisen aus dem Ausland allein im Jahr 2024 um rund 15 Prozent gestiegen. In den nachfragestarken Monaten verzeichnet der Balkanstaat inzwischen deutlich mehr als fünf Millionen Einreisen – ein Beleg für den anhaltenden Reiseboom.
Viele Urlauber schätzen Albanien als vergleichsweise günstiges Ziel mit Stränden an der Adria und am Ionischen Meer.