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Unternehmensstruktur

Null Mitarbeiter, Millionenumsatz: Diese Firmen gibt es in Serbien wirklich

Null Mitarbeiter, Millionenumsatz: Diese Firmen gibt es in Serbien wirklich
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Millionenumsätze, Vermögen – und null Mitarbeiter: In Serbien ist das keine Ausnahme, sondern gelebte Unternehmensrealität.

Zehntausende Unternehmen in Serbien führen in ihren offiziellen Unterlagen keinen einzigen Beschäftigten – darunter auch Gesellschaften mit Millionenumsätzen und beträchtlichem Vermögen. Dass dahinter nicht zwingend etwas Anrüchiges steckt, zeigt ein genauerer Blick auf die Zahlen. Ein Unternehmen mit hohen Erlösen, umfangreichen Aktiva und null Mitarbeitern: Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, ist in Serbien weit verbreitet.

Laut der serbischen Unternehmensregisterbehörde APR (Agencija za privredne registre) wiesen im Jahr 2025 insgesamt 32.773 Gesellschaften offiziell keine Beschäftigten aus. Damit stellten Firmen ohne Belegschaft 29,3 Prozent aller im Jahresbericht erfassten Gesellschaften – also nahezu jede dritte. Besonders stark vertreten sind sie im Groß- und Einzelhandel, im Bereich technischer und beratender Dienstleistungen, in der verarbeitenden Industrie sowie im Bauwesen.

Der weit überwiegende Teil dieser Unternehmen ist sehr klein: 98,5 Prozent wurden von der APR als Kleinstunternehmen eingestuft. Gleichzeitig fanden sich unter den Firmen ohne Mitarbeiter auch 423 kleine, 48 mittelgroße und fünf formal als groß klassifizierte Gesellschaften.

Gesetzliche Sonderregelungen

Wie ein Unternehmen in Serbien offiziell eingestuft wird, hängt nicht allein von der Beschäftigtenzahl ab. Das Rechnungslegungsgesetz sieht vor, dass auch Einnahmen und der Gesamtwert des Unternehmensvermögens als Kriterien herangezogen werden. Erfüllt eine Gesellschaft zwei der drei gesetzlich definierten Merkmale, kann sie selbst ohne Belegschaft als Großunternehmen gelten.

Für bestimmte Finanzinstitute – darunter Banken, Versicherungen, Investmentfonds und Factoringgesellschaften – gelten darüber hinaus Sonderregelungen: Sie werden teils unabhängig von Mitarbeiterzahl und Umsatz automatisch als große juristische Personen behandelt.

Markante Einzelfälle

Zu den markantesten Einzelfällen zählt BW Galerija, die Betreibergesellschaft des gleichnamigen Einkaufszentrums im Rahmen des Projekts „Beograd na vodi“ in Belgrad. Das Unternehmen steht im Eigentum der in Abu Dhabi ansässigen Eagle Hills sowie des serbischen Staates. Seit seiner Gründung im Jahr 2017 ist BW Galerija im Bereich Vermietung und Verwaltung von Immobilien tätig.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Gesellschaft Einnahmen von rund 5,67 Milliarden Dinar – nach dem offiziellen Wechselkurs vom 13. Juli 2026 entspricht das etwa 48,3 Millionen Euro. Der Gesamtwert der Unternehmensaktiva belief sich auf 27,9 Milliarden Dinar, was rund 238 Millionen Euro entspricht. In den Finanzunterlagen war dennoch kein einziger Beschäftigter vermerkt.

Vergleichbar gelagert ist der Fall von Allied Beverages Adriatic. Das 2018 gegründete und der US-amerikanischen Gesellschaft Barlan Inc. gehörende Unternehmen ist in der Herstellung von Erfrischungsgetränken tätig und hält zudem die Marke beziehungsweise Gesellschaft Homoljske vode. Für das Jahr 2025 wies Allied Beverages Adriatic Einnahmen von 5,9 Milliarden Dinar aus – umgerechnet rund 50,3 Millionen Euro.

Das Unternehmensvermögen wurde mit 3,2 Milliarden Dinar beziehungsweise mehr als 27 Millionen Euro angegeben. Auch in diesem Fall blieb die Spalte für Beschäftigte leer.

Wie eine Analyse von Forbes Srbija zeigt, sind BW Galerija und Allied Beverages Adriatic die einzigen beiden Gesellschaften ohne Mitarbeiter, die anhand ihrer Umsatz- und Vermögenszahlen tatsächlich die regulären Kriterien eines Großunternehmens erfüllen. Andere Gesellschaften wie Capital Faktoring, Zvilo RS und Vantage Financial Consulting werden zwar ebenfalls als Großunternehmen geführt, unterliegen jedoch gesetzlichen Sonderregelungen.

Das erst 2025 ins Register eingetragene Unternehmen Zvilo RS legte beispielsweise einen leeren Finanzbericht vor und meldete weder Beschäftigte noch Einnahmen.

Aus der Zahl der gemeldeten Mitarbeiter allein lässt sich indes kaum ablesen, wie ein Unternehmen seine Arbeit tatsächlich organisiert. Gesellschaften können Aufgaben an externe Dienstleister vergeben, Personal über andere Konzerngesellschaften beschäftigen oder sich ausschließlich auf die Verwaltung von Vermögenswerten konzentrieren. Fehlende Beschäftigte in den Unterlagen bedeuten daher weder automatisch einen Gesetzesverstoß noch ein Indiz für Scheingeschäfte.

Die Zahlen verdeutlichen jedoch, wie begrenzt die Aussagekraft offizieller Unternehmensgrößenbezeichnungen sein kann, sobald gesetzliche Ausnahmeregelungen, ausgelagerte Leistungen und verschachtelte Eigentümerstrukturen ins Spiel kommen.

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KO KOSMO-Redaktion
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