Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Schulreform

48.000 Kinder betroffen: Österreich krempelt Deutschförderung komplett um

48.000 Kinder betroffen: Österreich krempelt Deutschförderung komplett um
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Österreichs Schulsystem ändert die Regeln für tausende Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse – und das grundlegend.

In Österreich besuchen derzeit mehr als 48.000 Schülerinnen und Schüler den Unterricht mit außerordentlichem Status – sie verfügen noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um dem regulären Schulbetrieb vollständig folgen zu können. Seit dem Schuljahr 2018/19 bestimmt das Testverfahren MIKA-D (Messinstrument zur Kompetenzanalyse Deutsch), ob ein Kind in eine Deutschförderklasse oder einen Deutschförderkurs eingestuft wird. In diesen Förderklassen verbringen die Kinder einen Großteil ihrer Schulzeit in separaten Gruppen – ein Modell, das von Kritikerinnen und Kritikern als Hemmnis für den Spracherwerb und die soziale Eingliederung betrachtet wird.

Das Reformpaket wurde im April 2025 vom Ministerrat der Bundesregierung beschlossen und ist im Ministerratsvortrag 6a/1 dokumentiert. Für die verstärkte Deutschförderung stellt die Bundesregierung ab dem Schuljahr 2025/26 jährlich insgesamt rund 108 Millionen Euro zur Verfügung – davon zusätzlich rund 62 Millionen Euro gegenüber dem bisherigen Stand.

Lockerung der Regeln

Ab dem Schuljahr 2026/27 wird eine zentrale Regelung gelockert: Wer beim MIKA-D-Test ein „mangelhaftes“ Ergebnis erzielt, muss die Schulstufe künftig nicht mehr automatisch wiederholen. Ein Aufstieg in die nächste Klasse wird möglich, wenn die Leistungen in den übrigen Fächern positiv ausfallen und die Schulkonferenz dem zustimmt. Diese Neuregelung gilt auch beim Übergang von der Volksschule in die Mittelschule. Nur bei einem „ungenügenden“ Testergebnis bleibt die Wiederholung weiterhin verpflichtend.

Auch die organisatorische Gestaltung der Deutschförderung verändert sich grundlegend. Schulen sind nicht länger dazu verpflichtet, eigene Deutschförderklassen einzurichten – sie können stattdessen selbständig entscheiden, ob sie betroffene Kinder in den regulären Klassenverband aufnehmen. Bereits 52 Prozent der Schulen haben dafür ein eigenes Sprachförderkonzept entwickelt. Darüber hinaus wird die reguläre Benotung vereinfacht: Schülerinnen und Schüler in Deutschförderklassen erhalten künftig Zeugnisse für jene Fächer, an denen sie tatsächlich teilnehmen.

MIKA-D-Reform

Parallel dazu wird das MIKA-D-Testverfahren selbst reformiert. Bislang waren zwei verpflichtende Tests pro Schuljahr vorgesehen; künftig findet nur noch eine Testung am Ende des Sommersemesters statt. Wer deutliche Fortschritte zeigt, kann sich einer freiwilligen Überprüfung unterziehen – mit der Möglichkeit, früher in die Regelklasse zu wechseln.

Ein weiteres Element der neuen Strategie ist die verpflichtende Sommerschule: Ab dem Sommer 2026 müssen Schülerinnen und Schüler mit außerordentlichem Status an zusätzlichen Deutschkursen teilnehmen. Das Bildungsministerium erwartet sich von dem Reformpaket eine raschere Verbesserung der Sprachkenntnisse – ohne dass Kinder dafür ein vollständiges Schuljahr verlieren.

Die Wirksamkeit der Maßnahmen soll durch eine wissenschaftliche Begleitung überprüft werden.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen