Jahrzehnte nach dem Kosovokrieg taucht ein neues Massengrab auf – und mit ihm die Namen von 23 Menschen, die 1999 spurlos verschwanden.
Im Norden des Kosovo ist ein Massengrab entdeckt worden, in dem Opfer des Krieges in der einstigen südserbischen Provinz vermutet werden. Nach Angaben des kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti befindet sich die Fundstätte im Dorf Kalluder in der Gemeinde Zubin Potok – einer von drei nordkosovarischen Gemeinden mit serbischer Bevölkerungsmehrheit, die sich der Unabhängigkeit des Kosovo bis heute widersetzen, ebenso wie die Behörden in Belgrad.
Kurtis Vorwürfe
Kurti betonte, die kosovarischen Behörden seien weiterhin fest entschlossen, sämtliche im Krieg verschwundenen Personen ausfindig zu machen, alle verborgenen Gräber zu lokalisieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er sprach von 1.565 Entführten, darunter 100 Kindern.
Wie Kurti gestern mitteilte, könnte es sich bei den Überresten um die sterblichen Reste von 23 Intellektuellen, Ärztinnen und Ärzten, Professorinnen und Professoren sowie Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten handeln. Sie seien am 19. April 1999 aus Mitrovica entführt und anschließend getötet worden. Serbien warf er vor, die Aufklärung dieser Verbrechen aktiv zu behindern.