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Kultvorwürfe

Kult-Vorwürfe um Hollywood-Star: Was geschah auf dieser kroatischen Insel?

Kult-Vorwürfe um Hollywood-Star: Was geschah auf dieser kroatischen Insel?
Foto: epa/ANDRE PAIN
5 Min. Lesezeit |

Eine kroatische Insel, ein Hollywood-Star und schwere Vorwürfe – Obonjan gerät durch Jared Letos Vergangenheit erneut ins internationale Rampenlicht.

Die kroatische Insel Obonjan taucht derzeit in internationalen Berichten über Hollywood-Schauspieler und Musiker Jared Leto auf. Hintergrund ist ein außergewöhnliches Fan-Treffen seiner Band „Thirty Seconds to Mars“, das 2019 auf der Insel im Archipel von Šibenik stattfand. Unter dem Namen „Mars Island“ kamen dort besonders treue Anhänger der Band zu einem mehrtägigen Retreat zusammen.

Fotos von der Veranstaltung, auf denen Leto unter anderem in weißer Kleidung vor einer Gruppe von Fans steht, werden seit Jahren im Zusammenhang mit der ungewöhnlich engen Bindung zwischen dem Musiker und seiner Anhängerschaft verbreitet. Neue Aufmerksamkeit erhält das Thema nun durch die BBC-Dokumentation „Jared Leto: Hollywood’s Dark Secret“. Darin kommen insgesamt zehn Frauen zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit dem Schauspieler berichten. Vier von ihnen erheben besonders schwere Vorwürfe wegen mutmaßlichen sexuellen Fehlverhaltens.

Die geschilderten Vorfälle sollen sich über mehrere Jahre erstreckt haben. Unter anderem berichten Frauen von mutmaßlichen sexuellen Übergriffen, sexuellen Kontakten im Teenageralter, Drohungen sowie unangemessenem beziehungsweise sexualisiertem Verhalten. Leto weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Er erklärte, niemals jemanden sexuell angegriffen zu haben, und bezeichnete entsprechende Vorwürfe als falsch.

Insel im Fokus

Im Zuge der neuen Berichterstattung geraten auch Letos außergewöhnliche Fan-Veranstaltungen wieder in den Blickpunkt – darunter das Treffen auf kroatischem Boden. Obonjan ist eine mit Pinien bewachsene Insel im Archipel von Šibenik, die heute als Veranstaltungs- und Urlaubsort betrieben wird. Angeboten werden unter anderem Glamping-Unterkünfte, Gastronomie, ein Pool sowie Wellness-, Sport- und Naturprogramme.

Die Insel ist über eine Jadrolinija-Verbindung mit Šibenik und weiteren Inseln des Archipels erreichbar. Ihre Geschichte als organisierter Ferienort reicht mehrere Jahrzehnte zurück: In den 1970er-Jahren bauten Pfadfinder die damals weitgehend unerschlossene Insel zu einem Jugendlager aus und errichteten dafür wesentliche Teile der Infrastruktur.

Heute wird Obonjan unter anderem für Festivals, Konferenzen, Retreats, Teambuildings und private Veranstaltungen genutzt. Yoga, Meditation und Wellness gehören ebenso zum Angebot wie die Möglichkeit, größere Gruppen für mehrere Tage unterzubringen. Genau diese Kombination aus Abgeschiedenheit, Natur und vorhandener Infrastruktur machte die Insel auch für „Thirty Seconds to Mars“ attraktiv.

Die Geschichte der aufwendig inszenierten Fan-Treffen begann bereits 2015 mit „Camp Mars“ in Kalifornien. Das Konzept erinnerte an ein Sommercamp für Erwachsene und kombinierte gemeinsame Aktivitäten wie Wanderungen, Yoga und Lagerfeuer mit Auftritten der Band. Zu den Veranstaltungen gehörten auch Konzerte unter der Bezeichnung „Church of Mars“.

2019 wurde das Konzept nach Kroatien gebracht. Auf Obonjan entstand „Mars Island“, ein dreitägiges Treffen, bei dem Musik, gemeinsame Aktivitäten, Entspannung und Wellness miteinander verbunden wurden. Für das Event waren laut damaligen Berichten Alkohol und Drogen nicht vorgesehen beziehungsweise verboten.

Auch das Magazin „Air Mail“, das bereits 2025 Aussagen von neun Frauen über mutmaßlich unangemessenes Verhalten Letos veröffentlicht hatte, beschäftigte sich ausführlich mit den Treffen. Beschrieben wurden Teilnehmerinnen, die gemeinsam meditierten und sangen sowie barfuß und in leichter Kleidung beziehungsweise Kaftanen Zeit mit Leto verbrachten.

„Kult“ als Teil der Inszenierung

Besonders die Bilder von „Mars Island“ trugen dazu bei, dass in sozialen Netzwerken und Medien immer wieder von einem angeblichen „Kult“ rund um Jared Leto und „Thirty Seconds to Mars“ gesprochen wurde. Auf einem der bekanntesten Fotos steht Leto auf einer Anhöhe beziehungsweise Klippe mit weit ausgestreckten Armen, während zahlreiche Fans unter ihm eine ähnliche Pose einnehmen.

Andere Aufnahmen zeigen Gruppen weiß gekleideter Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf dem Boden sitzen, während Leto von einer erhöhten Position zu ihnen spricht. Die Inszenierung erinnerte viele Beobachter eher an ein spirituelles Retreat als an ein gewöhnliches Treffen einer Rockband.

Die Band selbst spielte bewusst mit dieser Wahrnehmung. 2019 veröffentlichte „Thirty Seconds to Mars“ ein Bild von „Mars Island“ mit dem Satz „Yes, this is a cult“ und dem Hashtag #MarsIsland. Auch Merchandise mit entsprechenden Anspielungen auf den Begriff „Cult“ wurde verwendet.

Allerdings hatte Leto bereits Jahre zuvor erklärt, dass der Begriff ursprünglich augenzwinkernd aufgegriffen worden sei, nachdem Journalisten die besonders treue Fangemeinde der Band als „cult following“ bezeichnet hatten. Die Band machte daraus mit der Zeit einen Teil ihrer Ästhetik und Vermarktung – wodurch die Grenze zwischen Selbstironie, Marketing und Außenwahrnehmung zunehmend verschwamm.

Was Obonjan selbst betrifft, gibt es keine Belege dafür, dass auf der kroatischen Insel tatsächlich ein Kult oder eine sektenartige Organisation betrieben wurde. Die Insel war der Veranstaltungsort eines organisierten Fan-Treffens von „Thirty Seconds to Mars“.

Auch eine dauerhafte besondere Verbindung zwischen Obonjan und Jared Leto besteht nicht. Die Insel wurde bereits Jahrzehnte vor „Mars Island“ für organisierte Sommeraufenthalte genutzt und dient heute wieder vor allem als Schauplatz für Urlaube, Festivals, Konferenzen, Gruppenveranstaltungen und private Events. Durch die aktuellen Vorwürfe gegen den Hollywood-Star geraten die spektakulären Bilder des Treffens von 2019 nun jedoch erneut in den Fokus.

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KO KOSMO-Redaktion
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