KI verdrängt nicht nur Jobs – sie drückt auch die Gehälter. Junge Tech-Absolventen spüren das bereits beim Berufseinstieg.
Absolventen technischer Studienfächer geraten in den USA zunehmend unter wirtschaftlichen Druck – und der Auslöser ist klar benennbar: der Aufstieg generativer Künstlicher Intelligenz. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 verzeichnen junge Akademiker aus Bereichen wie Informatik, Mathematik und Statistik spürbare Einbußen bei Einstiegsgehältern und Beschäftigungsquoten. Grundlage dieser Einschätzung ist eine Auswertung des US Census Bureau, die Daten von 6,7 Millionen Bachelor-Absolventen umfasst.
Das Ergebnis ist eindeutig: Berufseinsteiger in KI-nahen Fächern verdienen im Schnitt rund 13 Prozent weniger als Absolventenjahrgänge vor ihnen.
Verschlechterte Startbedingungen
Neben dem gesunkenen Lohnniveau hat sich auch die Beschäftigungssituation verschlechtert. Die Erwerbsquote dieser Absolventengruppe ist um etwa fünf Prozentpunkte zurückgegangen. Viele finden sich in Branchen wieder, die weit unterhalb ihrer Qualifikation angesiedelt sind – etwa im Einzelhandel oder in der Gastronomie.
Fachleute ordnen diese Entwicklung als gravierend ein: Die verschlechterten Startbedingungen seien, so die Einschätzung der Statistiker, mit jenen während einer schweren Wirtschaftskrise vergleichbar.
Mittelfristige Erholung
Dennoch zeichnet sich mittelfristig eine gewisse Erholung ab. Wer nach einigen Jahren den Arbeitgeber wechselt, kann den Gehaltsrückstand gegenüber früheren Absolventengenerationen auf rund fünf Prozent reduzieren.
Allerdings ist der Untersuchungszeitraum von acht Jahren möglicherweise zu knapp bemessen, um belastbare Langzeitaussagen treffen zu können.
Für Angehörige der südosteuropäischen Diaspora, deren Familien häufig Verbindungen in Länder mit ähnlichen Bildungs- und Arbeitsmarktstrukturen pflegen, könnten die US-amerikanischen Entwicklungen durchaus als Frühindikator für Tendenzen auf dem heimischen Markt gelesen werden.