Noch vor vielen Jahren bedeutete die Diagnose Brustkrebs für viele Frauen beinahe ein Todesurteil. Zum Glück hat sich die Medizin enorm weiterentwickelt: Dank moderner Diagnoseverfahren und gezielter Behandlungsmöglichkeiten kann Brustkrebs erfolgreich bekämpft werden. Doch die ersten und wichtigsten Schritte liegen in den Händen der Frauen selbst.
Tumor, Karzinom oder Krebs – egal, wie wir die Erkrankung nennen: Sie löst bei vielen Menschen Angst aus. Da der Oktober weltweit im Zeichen der Brustkrebsaufklärung steht, möchten wir zeigen, wie diese Erkrankung früh erkannt und behandelt werden kann. Entscheidend ist, dass Frauen auf Prävention achten. Dazu gehört, die eigene Brust regelmäßig auf Veränderungen zu überprüfen und die empfohlenen Mammografie-Untersuchungen wahrzunehmen.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Wie wichtig Vorsorge tatsächlich ist, zeigen die Geschichten mutiger Frauen, die ihre persönlichen Erfahrungen im Kampf gegen Brustkrebs offen mit uns teilen.
Drei Frauen berichten

Jasna Vujošević (49), Schneiderin
Ende Oktober 2024 bemerkte erstmals eine Veränderung an ihrer rechten Brust, als sie sich nach dem Duschen eincremte. „Einige Tage zuvor hatte ich von der ÖGK eine Erinnerung erhalten, dass es Zeit für eine neue Mammografie sei. Deshalb rief ich sofort am nächsten Tag an und vereinbarte einen Termin. Ich ging etwas nervös zur Untersuchung. Nach der Mammografie folgte eine Ultraschalluntersuchung. Der Arzt sagte mir, dass ihm das Ergebnis nicht gefalle und dass er ohne eine Biopsie keine genaue Aussage treffen könne. Ich war verwirrt, hatte aber gleichzeitig den Gedanken, dass es vielleicht nicht das Schlimmste sein müsse“, erzählt Jasna über den Beginn ihres schweren Weges.
In der Ordination wurde mir vorsichtig mitgeteilt, dass es sich um einen sehr aggressiven, hormonabhängigen Brustkrebs handelt. Auf Empfehlung des Arztes vereinbarte ich einen Termin im Krankenhaus, führte Gespräche mit den Spezialisten und wartete einige Tage auf die Entscheidung des Tumorboards über den weiteren Behandlungsverlauf. Beim Gespräch über die Behandlung erklärte mir der Arzt, dass ich meine Brust nicht verlieren würde und dass wir zunächst mit einer Chemotherapie beginnen würden – acht Zyklen im Abstand von jeweils drei Wochen.
In der Zwischenzeit wurden zahlreiche Untersuchungen, bildgebende Verfahren und Analysen durchgeführt, um zu überprüfen, ob sich der Krebs bereits auf andere Organe ausgebreitet hatte. Zum Glück war alles in Ordnung. Am 3. Februar 2025 begann ich mit der Chemotherapie. Bereits wenige Tage später bemerkte ich, dass meine langen, schönen Haare ausfielen. Nach der zweiten Therapie hatte ich keine Wimpern und Augenbrauen mehr. Damals rief ich meine Cousine zu mir und bat sie, mir den Kopf zu rasieren. Ich machte daraus kein Drama. Ich sagte mir sogar, dass ich wie eine Kriegerin aussehe – und genau das war ich in diesem Moment auch. Zum Glück vertrug ich die Chemotherapie relativ gut. Bereits nach der vierten Chemotherapie zeigte sich, dass der Tumor kleiner geworden war. Nach der letzten Behandlung am 8. Juli 2025 war er schließlich nicht mehr nachweisbar.
Einen Monat später folgte die Operation. „Das Gewebe, in dem sich der Tumor befand, wurde entfernt. Außerdem wurde ein Lymphknoten entnommen. Die pathologische Untersuchung zeigte, dass keine Krebszellen mehr vorhanden waren. Doch damit war die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Danach begann ich mit Tabletten, die die Bildung von Östrogen in meinen Eierstöcken blockieren und mich vorzeitig in die Wechseljahre versetzten. Danach begannen alle meine Gelenke zu schmerzen, und diese Beschwerden begleiten mich bis heute. Heute gehe ich alle sechs Monate zu Kontrolluntersuchungen, ernähre mich gesund, treibe Sport und versuche, positiv zu bleiben. Während meiner gesamten Behandlung hatte ich enorme Unterstützung von meinem Partner und meiner Familie. Ich sage mir jeden Tag aufs Neue: Das Leben ist schön und wertvoll“, betont unsere Gesprächspartnerin.

Sanela Melius (46), Angestellte
Regelmäßig ging Sanela zu einer Kontrolle bei ihrer Frauenärztin. Da sie 40 Jahre alt war, empfahl ihr die Ärztin zusätzlich eine Mammografie. „Nach der Mammografie und der Ultraschalluntersuchung wurde eine kleine Veränderung festgestellt. Eine Ärztin maß sie aus und sagte mir, dass sie sechs Millimeter groß sei. Sie meinte, ich müsse mir keine Sorgen machen und solle in sechs Monaten zur Kontrolle wiederkommen.
Ich hatte jedoch ein sehr ungutes Gefühl. Genau zu dieser Zeit begann die Pandemie und der Lockdown. Im März sprach ich mit meiner Ärztin, erzählte ihr alles und bat sie um eine Überweisung für eine Magnetresonanztomografie. Kurz danach rief mich der Radiologe an und empfahl mir dringend, mich so schnell wie möglich an ein Brustgesundheitszentrum zu wenden, da die Aufnahmen nicht gut aussehen würden.
Bereits am nächsten Tag bekam ich einen Termin im AKH, wo eine Biopsie durchgeführt wurde. Fünf Tage später ging ich gemeinsam mit meinem Ehemann zum Gespräch. Ich war überzeugt, dass man mich operieren und damit das Problem lösen würde. Doch dann begann der Arzt über Chemotherapien zu sprechen. Ich stand unter Schock, zitterte vor Kälte, weinte und hatte große Angst vor der Diagnose Krebs“, beschreibt Sanela die ersten Schritte bis zur Gewissheit.
Die Ärzte verordneten Frau Melius acht Chemotherapien, mit denen sofort begonnen wurde. Viel belastender waren die Übelkeit und die starke Muskelschwäche, die dazu führte, dass sie sich nur schwer bewegen konnte. „Als die achte Chemotherapie bevorstand, sagte ich meinem Arzt, dass ich nicht mehr könne. Er antwortete mir, dass ich sie unbedingt noch machen müsse, damit wir es später nicht bereuen würden. Ende Jänner, kurz vor der Operation, wollte ich, dass mir die gesamte Brust entfernt wird. Doch die Ärzte entfernten nur das Gewebe, in dem sich der Tumor befand, sowie zwei Lymphknoten. Alles war vollkommen frei von Krebszellen. Danach folgten 19 Bestrahlungen und anschließend eine antihormonelle Therapie, die ich bis heute einnehme.
Ich gehe alle sechs Monate zu den Kontrollen. Regelmäßig werden Mammografien und Magnetresonanztomografien durchgeführt, und bisher waren alle Ergebnisse unauffällig. Leider gehöre ich zu den ein Prozent der Frauen, bei denen nach der Chemotherapie weder gesundes Haar noch Augenbrauen vollständig zurückgekehrt sind. Die Therapie bringt leider Nebenwirkungen mit sich – Migräne, Schmerzen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche und depressive Verstimmungen. Das sind typische Beschwerden der Wechseljahre“, erzählt Sanela weiter.
Wenn Sanela heute über ihre Erkrankung spricht, empfindet sie vor allem Trauer darüber, was ihre Kinder und ihr Ehemann durchmachen mussten. „Es hat mir sehr wehgetan, dass meine Familie so etwas erleben musste. Mein Mann war meine größte Kraft. Sie alle waren meine wichtigste Unterstützung und mein größter Segen. Mit der Zeit habe ich gelernt, weniger über die Krankheit nachzudenken. Ich versuche, gesund zu leben und mein Leben gemeinsam mit meiner Familie erfüllt und glücklich zu genießen.“

Tanja Foro (44), selbstständige Friseurin
Mit ihren Fingern ertastete sie eine kleine Verhärtung im oberen Bereich ihrer linken Brust. Sofort war sie überzeugt, dass es sich um Brustkrebs handeln könnte. „Ich meldete mich sofort bei meiner Hausärztin. Sie überwies mich zu einer Ultraschalluntersuchung, kurz danach folgte auch eine Magnetresonanztomografie. Mir wurde gesagt, dass es sich um einen gutartigen Tumor handle und ich nach sechs Monaten wieder zur Kontrolle kommen solle. Doch bereits eine Woche später wurde aus der kleinen Kugel in meiner Brust plötzlich eine große Veränderung. Gleichzeitig kämpfte meine Mutter in Serbien gegen Darmkrebs. Kurz davor hatte ich mich scheiden lassen und war mit meinen drei Kindern im Alter von 12, 14 und 16 Jahren alleine“, erzählt Tanja nur einen Teil ihrer schweren Geschichte.
Die anschließende Ultraschalluntersuchung zeigte, dass der Tumor in ihrer Brust nur zwölf Tage nach der Magnetresonanztomografie bereits um einen Zentimeter größer geworden war. „Der Arzt schlug sofort eine Biopsie vor. Dabei wurde festgestellt, dass ich an einem dreifach negativen Brustkrebs erkrankt war, dessen Aggressivität bei 90 Prozent lag. Es handelt sich um eine besondere, seltene und sehr unberechenbare Form des Brustkrebses.
Ich geriet in Panik, weil ich alleinerziehende Mutter war. Als ich mich etwas gefangen hatte, erzählte ich meinen Kindern davon. Ich stellte es ihnen als eine Art Militärdienst dar: etwas Schwieriges, das man durchstehen muss, aber das irgendwann vorbei ist. Insgesamt waren es 18 Behandlungen. Ich vertrug sie sehr schlecht, da ich ungewöhnliche allergische Reaktionen und weitere unangenehme Beschwerden hatte. Mein Immunsystem wurde geschwächt, ich bekam eine Lungenentzündung und anschließend auch eine Staphylokokkeninfektion.
Als nach der 17. Chemotherapie eine Magnetresonanztomografie durchgeführt wurde, war der Tumor nicht mehr nachweisbar“, beschreibt Tanja Foro diesen wichtigen Moment. Unsere Gesprächspartnerin war zunächst davon überzeugt, dass keine Operation notwendig sein würde. Doch ihr Arzt erklärte ihr, dass dieser Schritt unverzichtbar sei. Neben dem Gewebe, in dem sich der Tumor befunden hatte, wurde lediglich ein Lymphknoten entfernt. Die histopathologische Untersuchung zeigte anschließend ein negatives Ergebnis – es konnten keine Krebszellen mehr festgestellt werden. „Direkt nach der Operation wurde mir gesagt, dass ich 25 Bestrahlungen bekommen würde. Letztlich wurde die Zahl auf 15 reduziert, und ich habe diese Behandlung gut vertragen.
Am Anfang ging ich alle drei Monate zu den Kontrollen, inzwischen sind es sechs Monate. Eine Mammografie bekomme ich alle zwei Jahre. Obwohl alles in Ordnung ist, ist die Angst geblieben. Sobald ich irgendwo Schmerzen verspüre, melde ich mich beim Arzt. Wenn ich zurückblicke, war es am schwierigsten, vor meinen Kindern Stärke zu zeigen. Gleichzeitig hatte ich große Angst wegen der Krankheit, der finanziellen Belastung und der Unsicherheit. Mein Sohn war 15 Jahre alt, als er mir sagte, dass er die Schule abbrechen und arbeiten gehen wolle, damit wir überleben können. Zum Glück liegt diese Zeit hinter uns. Es hätte schlimm enden können, wenn ich nicht auf meine Intuition gehört hätte. Mein Arzt sagte mir, dass mein Tumor Metastasen gebildet hätte, wenn ich tatsächlich sechs Monate bis zur nächsten Kontrolle nach der ersten Magnetresonanztomografie gewartet hätte“, beendet Tanja ihre bewegende Geschichte.
Die Meinung des Arztes

Allgemeinmediziner
Als Allgemeinmediziner sehe ich meine Aufgabe darin, meine Patientinnen regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern und sie dazu zu ermutigen, sich bei Veränderungen oder Beschwerden frühzeitig an einen Arzt zu wenden. Frauen, bei denen der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung besteht, sollten so schnell wie möglich an spezialisierte Brustgesundheitszentren überwiesen werden. In Österreich können Frauen ab dem 40. Lebensjahr im Rahmen des Früherkennungsprogramms für Brustkrebs nach Anmeldung bei der Krankenversicherung regelmäßig Mammografien durchführen lassen. Frauen zwischen 45 und 74 Jahren erhalten Einladungen zu den entsprechenden Untersuchungen.
Bei auffälligen Veränderungen oder bestimmten Beschwerden sollte man nicht auf den nächsten Kontrolltermin warten, sondern sofort einen Arzt aufsuchen. Eine neu aufgetretene Verhärtung, eine Veränderung der Form oder Haut der Brust, eine eingezogene Brustwarze oder ungewöhnlicher Ausfluss aus der Brustwarze sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Dabei ist wichtig zu betonen: Nicht jede Veränderung bedeutet automatisch, dass es sich um Krebs handelt. Viele Beschwerden können auch hormonelle Ursachen haben. Trotzdem sollte jede Auffälligkeit ernst genommen werden. Es gibt Risikofaktoren, auf die wir keinen Einfluss haben – etwa das Alter, genetische Faktoren oder die familiäre Krankheitsgeschichte. Daneben gibt es jedoch auch Faktoren, auf die Ärzte aufmerksam machen können. Dazu zählen beispielsweise Übergewicht, Rauchen, mangelnde körperliche Aktivität, die Ernährung, eine Hormontherapie in den Wechseljahren sowie das Ausbleiben einer Schwangerschaft.
Deshalb betone ich: Prävention bedeutet nicht nur, regelmäßig zu Untersuchungen zu gehen. Es geht auch um einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit und darum, langfristig gesündere Gewohnheiten zu entwickeln. Zum Abschluss möchte ich etwas besonders Wichtiges hervorheben: Eine Brustkrebsdiagnose bedeutet heute nicht automatisch eine schlechte Prognose. Es gibt zahlreiche moderne Behandlungsmöglichkeiten, die individuell auf jede Patientin abgestimmt werden können, darunter auch antihormonelle Therapien.
Entscheidend ist, Veränderungen nicht zu ignorieren, empfohlene Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen und rechtzeitig mit dem Arzt darüber zu sprechen. Früherkennung eröffnet mehr Behandlungsmöglichkeiten und genau das kann bei Brustkrebs entscheidend sein.