60 Todesopfer täglich, kaum Vertrauen in die Polizei – Südafrikas Gewaltkrise trifft alle Schichten der Gesellschaft mit voller Wucht.
Südafrika zählt zu den Ländern mit der höchsten Mordrate weltweit – und aktuelle Vorfälle machen deutlich, dass die Gewaltkrise im Land keineswegs nachlässt. Ende September wurde ein Laden in Dunoon, einem Stadtteil Kapstadts, zum Tatort eines tödlichen Überfalls, bei dem die Inhaber des Geschäfts erschossen wurden. In Wedela, einem Vorort von Johannesburg, eröffneten Bewaffnete in einer Taverne das Feuer und töteten 18 Menschen.
Diese Ereignisse stehen exemplarisch für eine Realität, die sich in Zahlen kaum fassen lässt: Statistisch kommen auf 100.000 Einwohner rund 40 Todesopfer durch Gewalt, im Tagesdurchschnitt sterben etwa 60 Menschen gewaltsam. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei liegt laut Human Sciences Research Council bei erschreckend niedrigen 22 Prozent.
Soziale Wurzeln
Die Wurzeln dieser Gewaltspirale reichen tief. Historisch gewachsene Ungleichheit, weit verbreitete Armut und eine Jugendarbeitslosigkeit von nahezu 50 Prozent bilden den sozialen Nährboden, auf dem Kriminalität und Gewalt gedeihen. Hinzu kommt eine Strafverfolgung, die ihrer Aufgabe kaum gerecht wird.
Lizette Lancaster vom Institute for Security Studies beschreibt, dass das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden und in die Polizei stark gesunken sei. Besonders gravierend ist die Lage für Frauen: Im ersten Quartal 2026 registrierte die Polizei 50.511 Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt. Die Mordrate an Frauen liegt bei neun pro 100.000 – das ist etwa fünfmal so hoch wie der weltweite Durchschnitt.
Ausländerfeindliche Gewalt
Ein weiterer Faktor, der die Gewaltdynamik in Südafrika prägt, ist die ausländerfeindliche Stimmung im Land. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden mindestens 350 ausländische Staatsangehörige durch xenophob motivierte Gewalt getötet. Der Politikwissenschaftler Thapelo Tselapedi betont, dass Schießereien im Kontext mit ausländerfeindlichen Ausschreitungen gesehen werden müssen.
Bewegungen wie „Operation Dudula“ oder „March and March“ schüren diese Stimmung, indem sie Migranten pauschal für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich machen.