Milliarden Pakete, Milliarden Probleme – die EU zieht jetzt die Reißleine beim Billigimport aus Fernost.
Ab dem 1. November 2026 erhebt die Europäische Union eine neue Bearbeitungsgebühr auf Warensendungen aus Drittstaaten. Die sogenannte „Union Handling Fee“ beläuft sich auf 2 Euro pro Produktgruppe und richtet sich vor allem gegen die massenhaften Billigimporte asiatischer Online-Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress.
Neue EU-Abgaben
Die Gebühr tritt nicht isoliert in Kraft, sondern ergänzt den bereits seit Juli 2026 geltenden Pauschalzoll von 3 Euro, der auf Kleinsendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro anfällt. Maßgeblich für die Berechnung der neuen Abgabe ist die Zolltarifnummer der jeweiligen Artikel.
Enthält ein Paket mehrere Produkte derselben Kategorie, fällt die Gebühr nur einmal an. Bei unterschiedlichen Produktgruppen hingegen wird sie für jede Kategorie gesondert berechnet. Konkret bedeutet das: Wer vier Handyhüllen bestellt, zahlt insgesamt 5 Euro an EU-Abgaben – 3 Euro Pauschalzoll und 2 Euro Bearbeitungsgebühr. Eine gemischte Bestellung aus einem T-Shirt, einem Ladekabel und einer Sonnenbrille schlägt dagegen mit 9 Euro zu Buche.
Alarmierende Importzahlen
Den Hintergrund der Regelung bilden alarmierende Importzahlen: Allein im Jahr 2025 gelangten rund 5,9 Milliarden zollfreie Kleinpakete in den EU-Raum. Schätzungen der EU-Kommission zufolge waren 65 Prozent der Sendungen falsch deklariert, 60 Prozent entsprachen nicht den geltenden Sicherheitsstandards.
Dirk Gotink, Chefverhandler des EU-Parlaments, macht die politische Stoßrichtung der Maßnahme unmissverständlich deutlich: „Wir beenden das hochgradig schädliche Geschäftsmodell billiger, rechtswidriger und gefährlicher Importe aus China zugunsten eines Handels, der auf unseren Standards und fairem Wettbewerb beruht.“ Formal richten sich die Gebühren zwar nicht an die Endverbraucher, doch Experten gehen davon aus, dass Händler die zusätzlichen Kosten in ihre Verkaufspreise einrechnen werden.