Sonntags shoppen in Wien – für die ÖVP längst überfällig, für die SPÖ ein Tabu. Der Streit um Ladenöffnungszeiten eskaliert.
Die Wiener ÖVP macht Druck in der Frage der Ladenöffnungszeiten und verlangt eine grundlegende Anpassung der bestehenden Regelungen. Die Opposition spricht sich für weniger bürokratische Einschränkungen und mehr Spielraum für Konsumentinnen und Konsumenten aus, um auf veränderte Einkaufsgewohnheiten reagieren zu können.
Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach Sonntagsöffnungen in klar abgegrenzten Tourismuszonen – als Antwort auf die wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel. VP-Abgeordnete Kasia Greco bringt es auf den Punkt: „Unsere Einkaufsgewohnheiten haben sich verändert, aber die Regeln sind stehen geblieben.“
Reformdruck wächst
Seit Jahren drängt die ÖVP darauf, die Wiener Öffnungszeitenverordnung an internationale Standards anzupassen. Das Argument: Während der Onlinehandel rund um die Uhr verfügbar ist, bleiben Wiener Geschäfte sonntags geschlossen und sperren samstags vergleichsweise früh zu. Diese Schieflage, so die Volkspartei, schwäche den stationären Handel und mache eine Reform der bestehenden Regelungen unumgänglich.
SPÖ lehnt ab
Auf wenig Gegenliebe stößt der Vorstoß bei der SPÖ. Bürgermeister Michael Ludwig lehnte eine Änderung der Ladenöffnungszeiten zuletzt klar ab. Auch die Bezirks-SPÖ in Wien-Innere Stadt positioniert sich deutlich: Vize-Bezirksvorsteherin Lucia Grabetz betont die gesellschaftliche Dimension des Themas mit den Worten: „Der freie Sonntag ist eine wichtige Errungenschaft unserer Gesellschaft.“
Für die Sozialdemokraten geht es dabei um mehr als eine wirtschaftspolitische Frage – der Sonntag stehe für Raum, den Familie, Kultur und gemeinschaftliches Leben brauchen. Entsprechend besteht die SPÖ darauf, derartige Entscheidungen nur im Einvernehmen mit den Sozialpartnern zu treffen.