Zwei Schiffe, eine sinkende Hoffnung: Im Schwarzen Meer spitzt sich die Lage dramatisch zu – mit Folgen weit über die Region hinaus.
In der Nacht auf Dienstag wurden im Schwarzen Meer erneut zwei Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste durch Drohnenangriffe getroffen. Die „Chelsea 3″ unter maltesischer Flagge wurde rund 33 Kilometer östlich von Byala attackiert, das unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrende Schiff „HS Dignity“ sank infolge des Angriffs. Von der 15-köpfigen Besatzung der „Chelsea 3″ – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – konnten alle gerettet werden.
Von den 16 Besatzungsmitgliedern der „HS Dignity“ wurden sechs Personen geborgen, der Verbleib der übrigen ist weiterhin ungeklärt. Es ist dies bereits der zweite derartige Vorfall innerhalb einer Woche in der Region: Bei einem ähnlichen Angriff vor sieben Tagen kamen zehn Seeleute in Bulgariens ausschließlicher Wirtschaftszone ums Leben.
Internationale Reaktionen
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew bestellte die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanowa ein und machte deutlich, dass seiner Einschätzung nach „die Logik nahe, dass die Vorfälle Russland zugutekämen.“ Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha richtete den Vorwurf direkt an Moskau und erklärte: „Russland greift es an, um Hunger als Waffe einzusetzen und die Welt als Geisel zu halten.“ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Angriffe in scharfen Worten und betonte: „Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“
NATO-Generalsekretär Mark Rutte kündigte an, die Sicherheitslage im Schwarzen Meer engmaschig zu beobachten und die Verteidigungsmaßnahmen des Bündnisses gegebenenfalls anzupassen. Die Angriffe verschärfen die ohnehin angespannte Lage zwischen den NATO-Staaten und Russland spürbar und verstärken den Ruf nach einer intensiveren Überwachung der Seeverbindungen in der Region. Die ukrainische Seite warnt unterdessen, Russland nutze das Schwarze Meer gezielt als geopolitisches Druckmittel.
Geplante Maßnahmen
Radew plant in den kommenden Tagen Gespräche mit den Nachbarstaaten Rumänien und der Türkei, um gemeinsame Maßnahmen zur Sicherung der Schifffahrtsrouten zu erörtern. Auch beim bevorstehenden EU-Gipfel soll die Lage im Schwarzen Meer auf der Agenda stehen. Das Ziel ist, langfristige Lösungsansätze zu entwickeln, die Handelsschiffe künftig besser vor derartigen Angriffen schützen sollen.