Ein Riss wächst, die Sensoren schlagen aus – am Hochvogel tickt eine geologische Zeitbombe.
Am Hochvogel, einem 2.592 Meter hohen Gipfel in den Allgäuer Alpen, wächst ein Riss – und mit ihm die Sorge der Experten. Forscher gehen davon aus, dass bis zu 400.000 Kubikmeter Gestein den Hang hinunterdonnern könnten, sollte der instabile Bereich nachgeben.
Wachsender Riss
Der Spalt am Gipfel ist keine neue Erscheinung: Bereits im 19. Jahrhundert wurde er erstmals dokumentiert. Dass er sich in den vergangenen Jahren jedoch auf mehrere Meter ausgeweitet hat, versetzt die Wissenschaft in Alarmbereitschaft. Seit zwölf Jahren steht der Hochvogel unter intensiver Beobachtung, seit 2018 liefern mehr als 30 Sensoren und Messgeräte lückenlose Daten über jede noch so kleine Veränderung im Gestein.
Im Frühjahr wurden Bewegungen von bis zu fünf Millimetern pro Woche gemessen – ein Wert, der die Forscher nicht unbesorgt lässt.
Klimawandel als Faktor
Verschärft wird die Lage durch extreme Wetterereignisse, die im Zuge des Klimawandels häufiger und heftiger werden. „Am Hochvogel ist der deutliche Einfluss starker Niederschläge, also heftiger Regenfälle, Gewitterstürme und Schneeschmelze, erkennbar“, sagt Johannes Leinauer vom Forschungsteam der Technischen Universität München.
Starke Regenfälle und rasche Schneeschmelze können das ohnehin fragile Gleichgewicht im Fels zusätzlich destabilisieren und einen Abgang beschleunigen.
Der Aufstieg auf den Hochvogel von österreichischer Seite ist bereits gesperrt. Von bayerischer Seite bleibt der Zugang vorerst offen – die Behörden und Forscher behalten die Lage jedoch weiterhin genau im Blick.