Ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Bosnien und Herzegowina könnte eines der acht Innsbrucker Seniorenwohnheime laut Betreiber nicht weitergeführt werden. Was 2019 als Kooperation begann, ist heute ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Pflegemangel.
Mittlerweile arbeiten 85 Menschen aus Bosnien und Herzegowina bei den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD). Für den städtischen Heimträger haben sie inzwischen große Bedeutung: Ohne sie könnte laut ISD eines der insgesamt acht Seniorenwohnheime nicht weiterbetrieben werden. Die gezielte Gewinnung von Fachkräften aus Bosnien ist damit zu einem wichtigen Bestandteil der Personalstrategie geworden.
Die Initiative begann 2019 mit einer Kooperation mit einer Krankenpflegeschule in Sarajevo. Gemeinsam mit dem Land Tirol und dem Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe (AZW) erhielten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Tiroler Gesundheitseinrichtungen kennenzulernen. 2022 kehrten vier ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten nach Innsbruck zurück, um dort zu arbeiten. Für die ISD wurde damit deutlich, welches Potenzial in der Zusammenarbeit steckt.
Pedrag Tufegdzić, stellvertretender Pflegedienstleiter im Wohnheim Tivoli, erklärte gegenüber dem ORF, dass viele der gut ausgebildeten Fachkräfte in Bosnien Schwierigkeiten hätten, in ihrem erlernten Beruf Arbeit zu finden.
Die Suche nach weiteren Fachkräften läuft inzwischen gezielt weiter. Die ISD betreiben eine eigene bosnischsprachige Recruiting-Seite, über die sich ausgebildete Pflegekräfte direkt für Stellen in Innsbruck bewerben können. Angesprochen werden dabei unterschiedliche Ausbildungsrichtungen – von allgemeiner Pflege über Psychogeriatrie und Pädiatrie bis hin zu Geburtshilfe und Gynäkologie.
Bürokratische Hürden
Der Weg in den österreichischen Pflegeberuf ist für Fachkräfte aus Bosnien und Herzegowina allerdings mit mehreren Schritten verbunden. Das in Bosnien erworbene Pflegediplom muss in Tirol anerkannt werden, wobei je nach Ausbildung zusätzliche Prüfungen und Auflagen notwendig sein können. Hinzu kommt das Verfahren für die Arbeitsgenehmigung über das Arbeitsmarktservice.
Die ISD begleiten ihre neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Nostrifikationsprozess und stellen gemeinsam mit der Stadt kostenlose Deutschkurse zur Verfügung. Pflegerin Tea Popović weiß aus eigener Erfahrung, wie anspruchsvoll dieser Weg ist: Innerhalb eines halben Jahres legte sie nach eigenen Angaben fünf Prüfungen für die Anerkennung ihrer Ausbildung ab – auf Deutsch.
Umfassende Unterstützung
Die Unterstützung endet nicht mit der beruflichen Anerkennung. Gemeinsam mit der Stadt helfen die ISD neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter anderem bei der Wohnungssuche, beim Einrichten eines Gehaltskontos und bei der Beantragung der Rot-Weiß-Rot-Karte. Damit sollen gerade in der ersten Zeit möglichst viele organisatorische Hürden beseitigt werden.
Die ISD beschäftigen insgesamt rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa 750 davon arbeiten im Pflegebereich. Die Belegschaft stammt aus mehr als 60 Nationen. Ljubomir Mrkonja, Pflegedienstleiter im Wohnheim Reichenau und Initiator des Bosnien-Projekts, sieht die gezielte Anwerbung dennoch nur als einen Teil der Lösung für den Personalbedarf in der Pflege.
„Ich sehe dieses Projekt eigentlich als sehr gut aufgestellt, auch für die Zukunft, aber das ist nicht alles“, so Mrkonja.