Ein verlorener Bergschuh, unwegsames Gelände und eine Nachbarin, die zur Retterin wird – im Karwendel läuft ein Einsatz anders als erwartet.
Auf dem Höhenweg zwischen der Nördlinger Hütte und dem Solsteinhaus nahe der Kuhljochspitze im Karwendelgebirge in Tirol ereignete sich ein ungewöhnlicher Zwischenfall: Ein einheimischer Alpinist verlor während einer Rast einen Bergschuh, der in eine Rinne abrutschte und damit unerreichbar war. Ohne Schuh war ein Weiterkommen auf dem anspruchsvollen Gelände nicht möglich.
Kreative Lösung
Da der Alpinist die Strecke aus eigener Kraft nicht fortsetzen konnte, alarmierte er die Bergrettung Seefeld-Reith. Der Polizeihubschrauber „Libelle Tirol“ stand zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung, weshalb die Retter auf eine Bodenoperation umschwenkten. Ortsstellenleiter Andreas Wanner schilderte die Überlegungen der Einsatzkräfte: „Wir haben kurz überlegt und wollten den Polizeihubschrauber Libelle Tirol verständigen, um den Mann zu holen.“
Stattdessen wurde eine Nachbarin des Betroffenen kontaktiert, die ein Paar Ersatzschuhe zum Dorfplatz Reith brachte, von wo aus die Bergretter sie zum Alpinisten transportierten. Zwei Mitglieder der Bergrettung fuhren daraufhin mit der Materialseilbahn zur Nördlinger Hütte – der Hüttenwirt hatte die Anlage eigens für den Einsatz in Betrieb genommen – und liefen dem Alpinisten entgegen.
Dankbare Rückkehr
Dieser bewegte sich ihnen mit provisorisch umwickeltem Fuß langsam entgegen. Nachdem er die Ersatzschuhe erhalten hatte, kehrte die Gruppe gemeinsam zur Hütte zurück und trat von dort die Talfahrt an. Wanner beschrieb die Erleichterung des Mannes: „Der Mann war sehr dankbar, er hat einfach nicht gewusst, was er ohne Schuh tun sollte.“