Sofronijević: „Meine erste Liebe war und ist die Harmonika“

INTERVIEW

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Sofronijević: „Meine erste Liebe war und ist die Harmonika“

FOTO: Dalibor Milosevic

MITTEN INS HERZ.Sieger des Wettbewerbs „Erste Harmonika“ des ehemaligen Jugoslawien, Leiter eines eigenen Orchesters bei „Grand Produkcija“ und erster Harmonikaspieler bei Konzerten der größten Namen unserer Musikszene.

Was er zwischen seiner Geburtsstadt Kraljevo und Belgrad und als Straßenmusikant in München alles erlebt hat und was ihn in all diesen Jahren angetrieben hat, verrät der talentierte Aleksandar Sofronijević gegenüber KOSMO.

KOSMO: Seit dem Moment, in dem Sie mit 9 Jahren Ihren ersten Preis gewonnen haben, bis zu Ihrer heutigen Position als Leiter eines eigenen Orchesters, des wichtigsten der „Grand Produkcija“, sind Sie heute da, wo Sie sein wollten?
Aleksandar Sofronijević:
Das Erste, das ich sagen muss, ist, dass ich schon, als ich noch klein war und mit sechs Jahren zu spielen begonnen habe, viel von einigen Dingen geträumt habe und mich an vielen Orten gesehen habe. So zum Beispiel bei einem Konzert von Tozovac. Und dann habe ich tatsächlich auch dort gespielt und konnte es nicht glauben. Eben, weil ich davon schon so viel geträumt hatte. Und zum Beispiel habe ich mir in meinem Kopf ständig Dinge vorgestellt, die ich jetzt schon erlebt habe oder die ich gerade mache. Ich glaube, wenn man irgendetwas wirklich will und liebt und wenn man dabei hartnäckig ist und ein klares Ziel vor Augen hat, dann kommt sicher auch der Erfolg. Ich habe diesen Preis gewonnen und es genossen. Und ich bin tatsächlich da, wohin ich kommen wollte, es fehlt nur weniges, was man natürlich immer noch verbessern muss, denn ich bin einfach so, dass ich immer denke, es geht noch mehr und noch besser. Und das hält mich irgendwie bei der Stange und ich hoffe, dass ich auch weiterhin so denken werde.

FOTO: Dalibor Milosevic

In Ihrer Biographie mit ihren vielen gewonnenen Wettbewerben, Preisen und Auftritten in aller Welt fällt auf, dass Sie, gelinde gesagt, fleißig und engagiert sind. Was gibt Ihnen diese Kraft?
Meine Antriebskraft war immer die Liebe zu dem Instrument, eine Liebe auf den ersten Blick, als ich mit meinen Eltern auf dem Land war, wo ich mit vier Jahren eine Harmonika gesehen habe und nicht ohne sie heimfahren wollte (lacht). Seitdem hatte ich die Harmonika immer irgendwie im Sinn und mit der Zeit haben mir meine Eltern mit ihrer Unterstützung geholfen, die Liebe zu dem Instrument weiterzuentwickeln. Mein Vater zum Beispiel hat mich die Verantwortung gelehrt, zu üben, zu arbeiten und mich in der richtigen, ehrlichen Weise mit mir selbst zu beschäftigen. Und mit der Zeit ist die Liebe zu diesem Instrument nur stärker geworden. In einem kleinen Teil meines Kopfes lebt auch die Tatsache, dass damals, 1991, in eine Rate meiner ersten Harmonika Mamas und Papas und auch die Hälfte von Omas Gehalt geflossen ist. So etwas vergisst man nie und hält es unendlich wert. Und alles das, was ich mache, war auch von dem Wunsch begleitet, dieses Vertrauen, dass mir meine Eltern mit ihren Investitionen erwiesen haben, zu rechtfertigen. Es erfüllt mein Herz mit Freude, dass sie noch heute mit Stolz das genießen, was ich mache.

Schon mit 24 Jahren haben Sie Ihr Orchester gegründet, das heute die wichtigste Begleitungformation einer der größten Produktionsgesellschaften des Balkan ist. War das ein Weg „ein dorniger Weg zu den Sternen“?
Natürlich war das ein dorniger Weg und ich kann sagen, dass er noch immer andauert, aber jetzt gibt es vielleicht schon weniger Dornen und wir kommen leichter voran (lacht). Der Weg ist so lang, wie man spielen und seine Energie an die Menschen weitergeben mag.

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Nachdem Jelena Davidović (23) vor vier Jahren die Aufnahmeprüfung für das Wiener Konservatorium bestanden hatte, entschloss sie sich, aus Niš (Südserbien) nach Wien zu übersiedeln. Heute ist sie bereits im Masterstudium und hinter ihr liegt eine Vielzahl von Wettbewerben, Preisen und Auszeichnungen. Ihre Liebe zum Musikinstrument Harmonika ist ungebrochen und für die mutige Frau ist kein Ziel zu hoch.

 

Oft verzeiht man jungen Menschen so einen leichten Erfolg nicht. Gab es Situationen, in denen Sie das gespürt haben?
2004 habe ich nach dem Vorbild des RTS-Orchesters von Ljubiša Pavković die Sendung „Sa novih izvora“ – im TV Kraljevo gegründet. Alles, was ich damals mit privaten Auftritten verdient habe, habe ich in diese Sendung investiert. Und die Sendung fand ein großes Echo. So sehr die Menschen sie genossen haben, so sehr rief sie auch eine andere, unangenehmere Aufmerksamkeit hervor, oder, um es so zu sagen, dass es nicht hässlich klingt, so sehr wurde sie bei meinen älteren Kollegen und Vorbildern zum Thema. Und als ich mit der Zeit an die Orte kam, wo sie auch spielten, spürte ich, dass ich sie einfach störte. So habe ich begriffen, dass nichts so ganz leicht sein würde, und ich stieß auf viele Barrikaden vonseiten meiner älteren Kollegen… Es wäre nicht angebracht, diese Leute mit Namen zu nennen, aber tatsächlich wird einem Erfolg nicht verziehen.

Was glauben Sie, warum ist das so?
Ich weiß nicht, wie ich das erklären kann, denn ich bin nicht so und unterstütze immer gerne junge Leute und helfe ihnen weiter. Mein Standpunkt ist, dass jeder so gut spielt, wie er kann, und dass sich alle bemühen, aber natürlich kann ich nicht irgendjemanden ein Orchester leiten lassen. Aber sie dachten, dass ich das wollte, was absurd ist. Der Weg ist wirklich nicht leicht, da gibt es Tausende schlaflose Tage und Nächte, viele Überlegungen, Analysen, Abwägungen, Grübeleien, Anträge… Ich hatte viele Entbehrungen und habe sie noch heute, vor allem, was mein Privatleben betrifft, aber ich bereue nichts, denn ich liebe es wirklich. Nichts im Leben ist leicht. Und es ist normal, dass ein Weg dornig ist. Für all das gibt es auch wieder Entschädigungen, man darf nicht aufgeben. Ich habe alles mit Hartnäckigkeit geschafft und heute, wo wir bei Grand sind, haben wir uns das alles mit unserer Arbeit, unserer Qualität und der Art verdient, in der wir die Musik begreifen und sie mit dem Publikum teilen. So bringen wir alle bösen Stimmen zum Schweigen (lacht).

FOTO: privat

Eine Zeitlang haben Sie in München gelebt, wo Sie mit ihren damaligen Freunden ein Jazz-Ensemble hatten und auf der Straße gespielt haben, vor allem aus Spaß. Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt?
Das war wirklich eine unwahrscheinliche Erfahrung! Ich habe mit der Gruppe Konnexion Balkon gespielt, zu der mich mein Freund Vladan Mijatović Cipi geholt hatte, der heute einer der größten Jazzpianisten in New York ist. Wir haben damals die größten Hits der Klassik in Jazz-Bearbeitungen gespielt, und das war unbeschreiblich interessant. Warum? Weil du zum ersten Mal in ein fremdes Land gehst und Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen triffst und begreifst – was? Dass die Musik keine Grenzen kennt, egal, wer dich wo hört… So habe ich begriffen, dass die Musik eine Energie ist, die nur übertragen wird, wenn du genügend Liebe in dir hast, um das zu zeigen.

Noch heute treten Sie in der ganzen Welt, wo Sie spielen, mit Ihrem Orchester zu verschiedenen Gelegenheiten auf: Von den Klängen der Šumadija bis zu populären internationalen Hits. Würden Sie irgendwann aus Serbien wegziehen?
Ich würde niemals aus Serbien wegziehen, egal wie lange diese Geschichte, die ich heute mache, weitergeht. Natürlich freue ich mich, wenn ich immer irgendwo hinreisen und irgendein Konzert hören kann, aber auch, dass ich zu Auftritten fahre, dort spiele und dass die Menschen unsere Musik und unsere Art der Interpretation hören mögen. Wir waren auf vielen ernsthaften Veranstaltungen in Madrid, Belgien, wo wir für Menschen aus der Welt des Fußballs gespielt haben, vor Ausländern und vor Landsleuten. Es freut mich, dass wir zu einem Team gehören, das erfolgreiche Programme mit den besten Ratings macht. Ich bin aber niemals weggegangen, denn irgendwie habe ich immer hierhin gehört. Hier habe ich meine Geschichte entwickelt, Menschen zusammengebracht, und ich hatte keinen Grund, irgendwo ins Ausland zu gehen, wenn ich hier das geschaffen habe, von dem am Ende all unsere Landsleute in aller Welt gehört haben, aber auch alle anderen (lacht). Sicher kann man dort viel lernen, aber mir tut es nicht leid und ich habe mit meinem erworbenen Wissen sicher nichts verpasst. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass man selbst sein bester Lehrer ist, d.h. jemand kann dir etwas zeigen, aber selber lernst du am besten, wenn es dich nur genügend interessiert.

Man sieht, dass die Musik Ihr Leben ist. Ist Ihnen bei der Wahl Ihrer Partnerin auch ihr Gehör für Musik ein Kriterium?
Natürlich ist das Gehör bei der Partnerwahl nicht wichtig, wichtig ist, dass die Partnerin zuhören kann (lacht) und das respektiert, was ich mache. Sie darf nicht eifersüchtig sein und muss mir vertrauen, das ist sehr wichtig. Und außerdem ist mir wichtig, dass es jemand ist, mit dem ich gerne zusammen bin und reden kann. Alles andere kommt nur, wenn beide daran arbeiten.

FOTO: privat

Bei all dem Erfolg und einem Alter von fast 34 Jahren: Wovon träumt Aleksandar Sofronijević (beruflich und privat)?
Beruflich habe ich nie aufgehört zu träumen. Du stellst dir das alles einfach vor und machst es wahr, du phantasierst weiter, er kommen neue Ideen etc. Mein erster Wunsch ist, mein Team zusammenzuhalten, denn das ist heute in unserem Geschäft überhaupt nicht leicht. Und dann, dass dieses Team anfängt, auch Musik zu schreiben und Bearbeitungen zu machen, so wie wir einige Nummern begreifen, und dass das den Leuten gefällt und dass sie zu unseren Konzerten kommen, wo wir unsere ganze Energie auf unsere Weise mit ihnen teilen. Ich will nicht aufhören zu spielen und die Menschen zu unterhalten, denn das ist meine Arbeit und dafür bin ich geboren, aber ich hätte gerne, dass wir etwas Authentisches schaffen. Privat ist mir am wichtigsten, dass ich gesund bin und dass sich auch meine Familie und Freunde guter Gesundheit erfreuen. Und wie man so sagt: Ich möchte mich auch als Vater verwirklichen und eine tolle, große Familie haben.

Steckbrief
Vorname und Name: Aleksandar Aca Sofronijević
Geboren: 19. November 1983 in Kraljevo (Serbien)
Ausbildung: FILUM (Philosophisch-künstlerische) Fakultät in Kragujevac
Beruf: Harmonikasolist und Leiter des Orchesters Aleksandar Sofronijević, das vor allem aus den Sendungen der „Grand Produkcija“ und durch Konzerte mit unseren größten Bühnenstars bekannt ist.
Wichtigste Unterstützer: Familie und Freunde
Motto: Es geht immer noch besser und noch mehr!

FOTO: Dalibor Milosevic

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