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Abschied

Assistierter Suizid: Niki Glattauer ist gestorben

Assistierter Suizid: Niki Glattauer ist gestorben
FOTO: Wikimedia Commons/Manfred Weis
3 Min. Lesezeit |

Vom Journalisten zum Pädagogen, vom Bildungsexperten zum Tabubrecher – Nikolaus Glattauer hinterlässt ein vielschichtiges Erbe und ging seinen letzten Weg selbstbestimmt.

Der österreichische Publizist und frühere Pädagoge Nikolaus Glattauer ist verstorben. Der an einem unheilbaren Gallenkarzinom (Gallenblasenkrebs) erkrankte 66-Jährige entschied sich für den Weg des assistierten Suizids. Sein Bruder, der Schriftsteller Daniel Glattauer, bestätigte der APA, dass Nikolaus – von Freunden „Niki“ genannt – am Donnerstag aus dem Leben schied. Seine vorab kommunizierte Entscheidung hatte bereits öffentliche Debatten ausgelöst.

Glattauer erfüllte alle gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen für den assistierten Suizid in Österreich, der seit 2022 für unheilbar kranke Menschen erlaubt ist. Dazu gehören medizinische und notarielle Begutachtungen. In seinen letzten Interviews betonte er, dass er nicht um jeden Preis leben wolle und die Entscheidung nach reiflicher Überlegung im Kreis seiner Familie getroffen habe.

In den vergangenen Jahrzehnten erlangte Glattauer vor allem durch Publikationen wie „Die Pisa-Lüge. Wie unsere Schule wirklich besser wird“ Bekanntheit. Geboren wurde er am Neujahrstag 1959 als Sohn des Journalisten Herbert O. Glattauer in Zürich, wuchs jedoch in Wien auf. Seine berufliche Laufbahn begann er bei renommierten Medien wie „Die Presse“, der „Kronen Zeitung“ und dem „Kurier“, bevor er beim Wochenmagazin „News“ die Position des stellvertretenden Chefredakteurs übernahm.

Mit etwa 40 Jahren vollzog er einen Berufswechsel und wurde Lehrer. 2017 übernahm er die Leitung der Allgemeinen Sonderschule in Wien-Meidling. Während der Bildungsreformdebatte unter der damaligen Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) sorgte er mit seiner Forderung „Festplatte löschen und neu starten“ für Aufsehen und setzte sich unter anderem für den Ausbau von Ganztagsschulen ein.

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Literarisches Schaffen

Sein literarisches Schaffen umfasst rund zwölf Bücher, darunter zwei Romane („Jakobus, Stiefsohn Gottes“, 2002, und „Im Vogelblick“, 2005) sowie drei Kinderbücher, wie etwa „Schlaf gut, Susi!“ aus dem Jahr 2010. Sein Kinderbuch „Flucht“ wurde 2017 in einer Bühnenfassung beim Theaterfestival Schäxpir am Landestheater Linz uraufgeführt. In seinen populären Sachbüchern beleuchtete er aus persönlicher Perspektive die Themenbereiche Bildung und Schule.

In seinem Werk „Der engagierte Lehrer und seine Feinde“ schilderte er nicht nur seinen pädagogischen Alltag, sondern formulierte auch „20 und 1“ Forderungen an Politik und Gesellschaft. Mit „Mitteilungsheft: Leider hat Lukas…“ (2013) veröffentlichte er einen auf der schriftlichen Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule basierenden Roman. Beide Werke eroberten rasch Spitzenplätze auf den österreichischen Bestsellerlisten.

Bis 2018 verfasste Glattauer für den „Kurier“ die wöchentliche Kolumne „Schule und der Rest des Lebens“, anschließend bis Juli dieses Jahres die „Heute“-Kolumne „Glattauer gibt Noten“. Zudem engagierte er sich in verschiedenen Jurys, etwa für den Literaturpreis „Ohrenschmaus“ und den Prix Ars Electronica. Von 2016 bis 2022 gehörte er dem Präsidium des Instituts für Jugendliteratur an.

Friedvoller Abschied

„Ich möchte all jenen, die am Schicksal meines Bruders Niki Anteil genommen haben, danken und mitteilen: Wir haben im Kreis der Familie einen schönen letzten Abend miteinander verbracht. Wir haben Karten gespielt, gegessen, getrunken, gelacht und geweint“, erklärte Daniel Glattauer gegenüber der APA. „Am Donnerstagvormittag ist er daheim friedlich, entspannt, ohne Ängste und ohne Schmerzen vor unseren Augen eingeschlafen. Seine letzten Worte waren: ‚Schön. Wow!'“

Kurz vor seinem Ableben sprach Glattauer in einem gemeinsamen Interview mit „Newsflix.at“ und dem „Falter“ über seine Krebserkrankung und seinen geplanten assistierten Suizid.

Dabei verfolgte er ein wichtiges Anliegen: „Ich möchte die Menschen darüber informieren, dass man auch in Österreich selbstbestimmt sterben kann, wenn man unheilbar krank ist.“