Insgesamt nur neun Studioalben
Dass Bijelo Dugme keine oberflächliche Band war, zeigt sich auch daran, dass das Oeuvre der Band eigentlich nicht sonderlich umfangreich ist.
Zwischen 1974 und 1989 brachte es die Formation auf neun Studio- und drei Livealben.
Das lag sicher auch daran, dass es ab Anfang der 80-er mit den Leadsängern nicht so recht klappen wollte.
Brega und Željko überwarfen sich über der Frage, wie die Einnahmen aufzuteilen seien. Tifa hatte einen erfolgreichen Einstieg – musste aber wegen eigener Probleme nach eineinhalb Jahren die Band verlassen.
Erst mit Alen fand man einen stabilen Leadsänger.
Drei Jahre nach seinem Einstieg freilich löste sich die Band vor dem Hintergrund der wachsenden Spannungen in Jugoslawien auf.
Ausstrahlung über Jugoslawien hinaus
Auch wenn Bijelo Dugme aus sprachlichen Gründen vor allem in Jugoslawien erfolgreich war, strahlte die Band in andere europäische Länder aus.
Der vor zwei Jahren verstorbene österreichische Sänger und Aktivist Willi Resetarits etwa nannte in Interviews die Band als eine wichtige Inspirationsquelle für ihn als jungen Musiker in den 70-ern. Resetarits alias Ostbahn-Kurti stammt aus einer österreich-kroatischen Familie in Stinats im Burgenland.
Für Josefina war Bijelo Dugme in ihren ersten Jahren in Deutschland eine wichtige Stütze. Die antifaschistische Aktivistin hat auch jugoslawische Wurzeln. „Bijelo Dugme hat mich als jung Teenagerin in der Diaspora stets getröstet“, schreibt sie auf Facebook. „Stundenlang saß ich, manchmal weinend, manchmal lachend vor dem Kassettenrekorder und habe immer gerne mitgesungen. Ihre Musik war meine Verbindung zu dem Teil meiner Identität, die ich anders zu dieser Zeit nicht ausleben konnte. Mit der Musik verbindet mich ein Teil meines Seins.“
Der von Kritikern oft geschmähte kommerzielle Erfolg der Band ist ein Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Bijelo Dugme.
Bijelo Dugme war die jugoslawische Band schlechthin
Mehr als jede andere Band Jugoslawiens brachte die Formation aus Sarajevo Menschen aus allen Republiken und aller politischer und religiöser Überzeugungen zusammen.
So tief auch die Wurzeln der Band in der lebhaften Musikszene Sarajevos gewesen sein mögen, Bijelo Dugme wurde spätestens ab 1976 zu einer Band, die alle örtlichen Zuordnungen sprengte. Bijelo Dugme war eine jugoslawischen Band. Bijelo Dugme war DIE jugoslawische Band.
Wie gerade Bijelo Dugme und Jugoslawien als Land kommunizierten, spiegelte sich auf tragische Weise auch in ihren letzten Jahren wieder. Die beiden letzten Alben, Pljuni i zapjevaj moja Jugoslavijo und Ćiribiribela, finalisierten die Bandmitglieder nicht beim Stammlabel Jugoton sondern bei Diskoton, einem Studio in Sarajevo.
Zur Erholung kehrten sie oft ins Restaurant Bujrum in der heutigen Ulica Pehlivanuša ein, erinnert sich Adi, der Sohn der damaligen Eigentümer. Er betreibt heute am Standort eine Pension. „Wir hatten die ganze Nacht offen, und da waren oft Brega, Alen und die anderen, und haben etwas gegessen und getrunken.“
Das Studio gibt es heute nicht mehr. Während der Belagerung von Sarajevo ging Jugoton 1992 in Flammen auf. Sämtliche Master-Aufnahmen verbrannten.
Mitverantwortlich war jemand, der ebenfalls jahrelang im Bujrum Stammgast gewesen war – nur kurz, bevor Bijelo Dugme das Restaurant regelmäßig besuchte: „Vojislav Šešelj hatte bei uns seinen Stammplatz“, erinnert sich Adi. Das war, bevor er wegen nationalistischer Aktivitäten aufgefallen und zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.
„Wir sind mit Bijelo Dugme aufgewachsen“, schreibt ein weiblicher Fan auf einem Facebook-Thread, den ich zur Recherche für diese Geschichte angelegt habe. „Immer vor Silvester kamen neuen Alben, und Dugme ist für mich auch, Winter, Schnee, volle Kafići… erste Liebe. Dugme war eine Institution, unsere erste Ethno-Rock Band, die Verbindung von Balkanklängen und moderner, europäischer Musik. Wir hatten etwas eigenes, aber trotzdem europäisches. Die Texte waren uns nah, jeder hat sich damals in diesen Texten selber gefunden.“
„Dugme ist Jugoslawien, und der Soundtrack von Jugoslawien ist Bijelo Dugme“, schreibt Dijana aus Sarajevo am gleichen Thread. „Ich weiß, das ergibt keinen Sinn, aber so ist es, und ich schreib die Regeln nicht.“
Warum sollte es keinen Sinn ergeben?
Allenfalls Lepa Brena hatte eine ähnliche populärkulturelle Bedeutung in Jugoslawien wie Bijelo Dugme.
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