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Balkan Stories: Wo die Sprache Montenegrinisch heißt

Balkan Stories: Wo die Sprache Montenegrinisch heißt
(FOTO: Balkan Stories)
8 Min. Lesezeit |

Für albanische Verhältnisse bemerkenswert wenig Nationalismus

Vereinzelte Cafes und Restaurants haben albanische Fahnen draußen hängen.

Unter anderem ein gut beleumundetes und hochpreisiges Lokal am Weg zum Kleinen Strand.

Ich beschließe, das Lokal nicht aufzusuchen. Ich muss nicht jede nationalistische Anwandlung unterstützen.

Es ist dennoch weitaus weniger albanischer Nationalismus als ich erwartet hätte.

Gut, meine Referenzpunkte sind Albanien selbst und der Kosovo. Dort ist man halt in erster Linie sehr albanisch und in zweiter Linie häufig großalbanisch.

Ulcinj gehört nach Meinung der Großalbaner selbstverständlich zu Albanien, wie ein guter Teil Montenegros bis Rožaje.

(FOTO: Balkan Stories)

Dass letzteres gar keine albanische Mehrheitsgemeinde ist, ist ein kleiner Schönheitsfehler. Einen echten Großalbaner stört so etwas nicht.

Genausowenig wie ihn stört, dass gelegentlich auch Podgorica zu Großalbanien gehören soll. Dort ist ungefähr ein Prozent der Bevölkerung albanisch.

Gemessen an meinen Erfahrungen im Kosovo und in Albanien und den nicht seltenen großalbanischen Anwandlungen dort sieht man in den Souvenir- und Strandbedarfsläden wirklich sehr wenige Badetücher und Kühlschrankmagneten mit dem albanischen Doppeladler.

Dass es sie überhaupt gibt, scheint eher der Tatsache geschuldet, dass die allermeisten Touristen hier Kosovo-Albaner sind. Die haben eben bestimmte Erwartungshaltungen.

Ansonsten scheint den Ulcinjern das Albanisch sein kein alles bestimmendes Anliegen zu sein.

Die kulturellen Rechte der albanischen Einwohner der Stadt sind geschützt. In der Schule lernen alle Kinder beide Sprachen, und das schon seit längerem.

Man hört’s an den Akzenten.

(FOTO: Balkan Stories)

Spricht ein Albaner die Sprache ohne Namen, klingt das meist ein bisschen anders als wenn das ein Montenegriner tut.

Spricht ein Montenegriner Albanisch, hat er meist eine merkbar andere Sprachmelodie als ein Albaner.

Die meisten wechseln fließend von einer Sprache in die andere, mitunter im gleichen Satz.

Albanisch kann ich sehr wenig, und in der Sprache ohne Namen klinge ich anders als alle anderen.

Wenn ich sie spreche, halten sie mich hier wie überall sonst sowieso zuerst mal für einen Slowenen.

Wenn sich das aufklärt, fragen sie mich in Ulcinj: „Ach, wieso sprichst du Montenegrinisch?“

Es ist die einzige Stadt in Montenegro, die ich kenne, wo sie mir die Frage praktisch immer so stellen.

In Herceg Novi, in Nikšić, in Rožaje sagen praktisch alle Serbisch dazu, und in Podgorica immer noch die Mehrheit der Menschen.

Regionale Dialekteinschläge ausgenommen reden sie alle Jekavica.

Wie die Sprache genannt wird, hat also andere Gründe als sprachliche. Was wir schon vorher wussten, aber in manchen Situationen fällt das besonders auf. So wie in Ulcinj.

Klar, ethnische Spannungen gibt’s auch in Montenegro. Aber bedeutend weniger als in den anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens, vor allem bedeutend weniger als in den Nachbarstaaten Monentenegros.

Wobei, das sind eh alle Nachfolgestaaten Jugoslawiens mit Ausnahme Sloweniens und Mazedoniens. Aber ich schweife ab.

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KO KOSMO-Redaktion
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