So unverschämte Taxler wie sonst nirgends
Dafür hat Herceg Novi in Sachen Taxis eindeutig die Nase vorn.
Für den Großteil des Stadtgebiets gilt der Einheitstarif von 2,40 Euro.
In Ulcinj verlangen die Taxler Fantasietarife, die ihre Zagreber und Beograder Kollegen vor Neid erblassen lassen würden.
Einen Taxameter einzuschalten, würde ja nur Strom verbrauchen.

Eines Abends fahre ich von der Mala Plaža, dem Kleinen Strand, heim.
Es sind nur eineinhalb Kilometer, aber bergauf. Es ist halb drei in der Früh, und ich bin nicht mehr ganz nüchtern.
Am Ziel will der Taxler zehn Euro von mir.
Ich weigere mich.
Er droht, mich zur Polizei zu fahren.
Mach nur, sage ich.
Er fährt los, und setzt mich am Taxistand wieder ab, an dem ich eingestiegen bin.
Er versucht, die beiden Kollegen gegen mich aufzuhetzen.
Ein dritter Kollege kommt dazu.
Er hat gerade zwei Frauen und ein Kind abgesetzt. Sie kommen aus Prishtina.
Die ältere der beiden Frauen spricht fließend Deutsch.
20 Euro hat er ihnen für die Fahrt vom Busbahnhof abgenommen.
Dass der Fahrer einen Wimpel mit der albanischen Fahne vom Fahrerspiegel hängen hatte, spielte keine Rolle.

Ein feiner albanischer Nationalist, der Mitalbaner schlimmer ausnimmt als sie sich das bei mir als Westler trauen, denk ich mir.
Aber so sind Nationalisten überall, egal, auf welche Gruppe sie sich berufen.
Korruptes und verlogenes Gesindel.

Es gibt hier in Ulcinj weniger als in anderen Gegenden. Anders sind sie nicht.
Wenigstens weiß ich: Das nächste Mal, wenn ich in Ulcinj bin, werde ich mir vorher einen Transfer besorgen.

Derweil peitscht die Flut die Wellen an der Mala Plaža hoch. Die Gischt spritzt auf den Kai.
Morgen früh wird sich das wieder beruhigt haben. Die Vorhersagen versprechen perfektes Badewetter.
Darauf kommt es an.
Hoffentlich ist die Gruppe aus Prishtina dann ausgeschlafen genug, um das Meer zu genießen.
Das ist der Hauptgrund, in diese Stadt zu reisen.
Man kann’s nur jedem empfehlen. Trotz der Taxler.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.