Ein schwerwiegender Betrugsfall erschüttert Kärnten: Ein ehemaliger Bankangestellter aus Villach steht im Verdacht, über Jahre Kunden durch Wertpapiergeschäfte um Millionen betrogen zu haben. Während der genaue Schadensumfang noch ungewiss ist, bleiben viele Fragen offen.
Der langjährige Mitarbeiter einer Bank in Villach, 53 Jahre alt, soll von 2006 bis 2023 Kunden, die in Wertpapiere investieren wollten, systematisch hintergangen haben. Die offiziellen Angaben der Staatsanwaltschaft Klagenfurt sprechen von sieben bekannten Geschädigten und einem Schaden von über 300.000 Euro. Doch dies könnte lediglich die sichtbare Oberfläche eines wesentlich größeren Betrugsfalls sein. Mit einem Tatzeitraum von fast zwei Jahrzehnten und der Tatsache, dass sich kontinuierlich neue Opfer melden, wird mittlerweile eine Summe im Bereich mehrerer Millionen Euro vermutet.
Auch nach Kündigung weitergemacht
Der Fall trat vergangenen Sommer zutage, nachdem ein Kunde den Totalverlust seines Wertpapierkontos feststellte. Die Bank zog umgehend Konsequenzen und kündigte dem Mitarbeiter fristlos. Dieser hielt jedoch weiterhin Kontakt zu Kunden, was letztlich zu seiner Verhaftung führte.
Gefälschte Kontoauszüge
Martin Prett, ein renommierter Rechtsanwalt aus Villach, vertritt zwei der Opfer. Er erklärt: „Der mutmaßliche Betrüger hat sich ältere Opfer ausgesucht, die keinen Wert auf Onlinebanking legten und es als besonderen Service ansahen, dass ihre Kontoauszüge banklagernd übergeben wurden.“ Diese Kontoauszüge wurden, wie sich später herausstellte, in großer Zahl gefälscht. Über Jahre konnte so der Schein hochwertiger Wertpapierkonten aufrechterhalten bleiben, ohne dass die Betroffenen Verdacht schöpften, führt Prett weiter aus.
Jene Kunden, die ihr Guthaben für größere Anschaffungen wie Häuser oder Wohnungen abheben wollten, erhielten die Summen – ein Umstand, der die Frage aufwirft, woher das Geld stammte. Diesem Rätsel geht die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen wegen Betrugs und Untreue nach.
Untersuchungshaft
Es gilt die Unschuldsvermutung, doch die Justizanstalt Klagenfurt ist für den Villacher seit zwei Wochen Realität. Die Untersuchungshaft wurde angeordnet, um weiteren Schaden abzuwenden und die Ermittlungen nicht zu gefährden. Die Aufarbeitung des Falls wird längere Zeit dauern, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Meldungen weiterer Geschädigter.
