Ein Rasierapparat, ein verlorenes Auge und Drohungen vor dem Krankenhaus – ein Wiener Barber-Shop wird zum Tatort eines brutalen Streits.
Ein Friseur verlor sein linkes Auge – nun muss sich sein ehemaliger Geschäftspartner vor Gericht verantworten. Der 29-jährige Angeklagte soll den 54-Jährigen im vergangenen Juli in einem Wiener Barber-Shop mit einem Rasierapparat attackiert haben. Am Freitag verhandelt das Wiener Landesgericht den Fall vor einem Schöffensenat.
Der Angriff soll sich am 31. Juli des Vorjahres ereignet haben. Laut Anklage schlug der junge Türke dem älteren Mann mit einem eingeschalteten Rasierapparat ins Gesicht. Die Folgen waren verheerend: Die Nase wurde zertrümmert, das Nasengerüst brach, an der Nasenwurzel entstand eine tiefe Quetschwunde.
Das linke Auge erlitt dabei so schwere Schäden, dass es operativ entfernt werden musste. Der Mann trägt seither ein Implantat und ist auf diesem Auge dauerhaft erblindet.
Widersprüchliche Versionen
Über den Auslöser der Eskalation herrscht vor Gericht Uneinigkeit. Das Opfer gibt an, sein früherer Partner habe ihn aus Eifersucht angegriffen – weil er den Salon übernehmen durfte und nicht der Angeklagte. Dieser sei zunehmend aggressiv geworden, habe ihn beschimpft und schließlich tätlich angegriffen.
Der Angeklagte widerspricht dieser Darstellung entschieden: „Ich bekenne mich nicht schuldig!“ Er schildert den Vorfall als Notwehrsituation – das Opfer habe zuerst zugeschlagen, er habe sich lediglich verteidigt. Im Kern des Streits hätten 30.000 Euro aus der Salonablöse gestanden – und auch die Frage, wessen Ehefrau das Geschäft häufiger reinige.
Drohungen danach
Die Vorwürfe reichen jedoch über den eigentlichen Angriff hinaus. Während das Opfer noch im Krankenhaus behandelt wurde, soll der Angeklagte dessen Ehefrau an einer Bushaltestelle abgefangen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ihr dabei gedroht zu haben: „Es ist noch nicht genug Blut geflossen. Ich werde noch das zweite Auge holen. Fürchte dich vor mir – ich kann euch alle umbringen.“
Auch diese Vorwürfe weist der 29-Jährige zurück. Er behauptet, vielmehr selbst von der Frau bedroht worden zu sein und lediglich nach seinem Geld gefragt zu haben. Gemeinsam mit ihm sitzt ein entfernter Verwandter auf der Anklagebank. Diesem wird zur Last gelegt, der Ehefrau ausgerichtet zu haben: „Sag deinem Mann, er soll die Anzeige zurückziehen – sonst verliert er auch sein zweites Auge.“
Auch der Mitangeklagte bestreitet jede Beteiligung: „Ich bin unschuldig“, erklärte er vor Gericht. Er habe lediglich beim Friseur zufällig von dem Vorfall erfahren und sich in die Angelegenheit zu keinem Zeitpunkt eingemischt. Das Opfer hingegen ist von seiner Überzeugung nicht abzubringen: „Er hat zu 100 Prozent versucht, mich umzubringen.“
Dem 29-Jährigen wird absichtlich schwere Körperverletzung mit Dauerfolge vorgeworfen – ein Delikt, das mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Sein Mitangeklagter muss sich wegen Nötigung verantworten. Das Urteil wird noch am Nachmittag erwartet.