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Enthüllungen

Epstein in Österreich: Das steckt hinter seinem geheimen Trip

Epstein in Österreich: Das steckt hinter seinem geheimen Trip
(Symbolbild FOTO: iStock)
5 Min. Lesezeit |

Ein gefälschter Pass, ein Wien-Besuch, Spenden und bekannte Namen: Die Epstein-Akten reichen bis nach Österreich.

Mit der Veröffentlichung der sogenannten „Epstein Files“ sind auch Verbindungen des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein nach Österreich ans Licht gekommen – darunter ein offenbar gefälschtes österreichisches Reisedokument, ein kurzer Aufenthalt in Wien sowie finanzielle Zuwendungen an ein in der Bundeshauptstadt ansässiges Institut. Auch mehrere Personen aus dem Inland tauchen in dem tausende Seiten umfassenden Konvolut aus Gerichts-, Ermittlungs- und Beweisdokumenten auf.

Bei einer Razzia in Epsteins New Yorker Stadthaus, die unmittelbar nach seiner Festnahme am 6. Juli 2019 durchgeführt wurde, stieß die Polizei in einem Tresor auf einen Pass, der offenkundig gefälscht war. Das Dokument soll am 21. Mai 1982 von der Bundespolizeidirektion Wien auf den Aliasnamen Marius Robert Fortelni ausgestellt worden sein und war demnach bis 1987 gültig. Als Geburtsort war Wien eingetragen, als Wohnort die saudi-arabische Stadt Dammam.

Epsteins Lichtbild war nicht mit einem Prägestempel beglaubigt, sondern schlicht eingeklebt worden. Bereits im Jahr 2022 hatte Innenminister Gerhard Karner auf eine parlamentarische Anfrage geantwortet, dass bisherige Erhebungen die Existenz des fraglichen österreichischen Reisepasses „bislang nicht bestätigen konnten, weshalb auch keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen“. In den „Epstein Files“ finden sich zwar keine weiterführenden Informationen zu dem Dokument, wohl aber Fotos und detaillierte Scans des Passes.

Wiener Spuren

Eindeutig dokumentiert ist hingegen eine Reise, die Epstein am 22. März 2019 nach Wien unternahm – gerade einmal vier Monate vor seiner Verhaftung und mit einer Aufenthaltsdauer von lediglich fünf Stunden. Als registrierter Sexualstraftäter wäre er verpflichtet gewesen, internationale Reisen den US-Behörden zu melden – dieser Pflicht kam er jedoch nicht nach. Flugdaten sowie Informationen der österreichischen Flughafenpolizei belegen, dass Epstein um 17.00 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat landete, begleitet von drei jungen Frauen.

In Wien suchte er das Café Landtmann auf, wo er offenbar den Wissenschafter Karl Sigmund traf – den Doktorvater des später schwer belasteten Biomathematikers Martin Nowak. Gegenüber „ORF Wissen“ erklärte Sigmund, er habe das Treffen gesucht, weil er sich „ein persönliches Bild machen wollte“. „Bei den Treffen ging es ausschließlich um wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Fragen.“

Für denselben Wien-Besuch war offenbar auch ein Zusammentreffen mit Steve Bannon sowie dem damaligen slowakischen Außenminister Miroslav Lajcak geplant, das letztlich jedoch nicht stattfand. In den veröffentlichten Dokumenten findet sich zudem ein Nachrichtenaustausch über einen Messenger-Dienst zwischen Bannon und einer unkenntlich gemachten Person, in dem diese gegenüber dem früheren Berater von US-Präsident Donald Trump behauptete, dass ihn „Kurz treffen wolle“. Einen belegten Kontakt zwischen Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bannon oder Epstein hat es jedoch nicht gegeben.

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Ein Sprecher von Kurz hatte dazu bereits vor einigen Monaten festgehalten: „Sebastian Kurz kennt weder Epstein, noch Bannon (…) Solche Spielchen sind Teil des Politikzirkus. Irgendjemanden in irgendetwas hineinzuziehen, auch wenn es noch so absurd ist.“

Die Akten enthalten darüber hinaus Bezüge zu österreichischen Skigebieten, wobei völlig offen bleibt, ob Epstein diese jemals selbst aufgesucht hat. Im Jänner 2012 schrieb eine Person, deren Name in der E-Mail geschwärzt wurde, an Epstein über einen Aufenthalt im Montafon in Vorarlberg. In derselben Nachricht geht der Absender offenbar auf eine Begegnung mit zwei Minderjährigen ein. In einer weiteren Nachricht vom 3. März 2012 wird der Ort Zürs erwähnt, ohne dass dazu nähere Angaben gemacht werden.

Österreichische Kontakte

Über epsteinnahe Stiftungen flossen zwischen 2011 und 2019 Spenden in Gesamthöhe von rund 650.000 US-Dollar an das International Peace Institute (IPI), einen unabhängigen Thinktank mit Sitz in New York. Das IPI unterhielt auch ein regionales Büro in der Wiener Innenstadt. Der damalige IPI-Präsident, der norwegische Spitzendiplomat Terje Rod-Larsen, räumte im Nachhinein ein, bei der Annahme dieser Zuwendungen Fehler begangen zu haben, und trat schließlich zurück.

Gegen Rod-Larsen und seine Ehefrau, die Diplomatin Mona Juul, laufen in Norwegen derzeit Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption. Epstein hatte die Kinder des Paares auch in seinem Testament berücksichtigt.

Unter den österreichischen Personen, die nachweislich Kontakt zu Epstein hatten, ist die Zahl bislang überschaubar. Den Akten zufolge gab es oberflächlichen E-Mail-Verkehr mit „Heute“-Herausgeberin Eva Dichand. Im Jahr 2012 erging eine Einladung zur amfAR-Gala – allerdings nicht direkt von Dichand, sondern über eine beiden bekannte dritte Person.

Im Oktober 2012 tauschten sich Epstein und Dichand über eine Pariser Kunstmesse aus, kurz darauf lud der Sexualstraftäter Dichand auf eine seiner Inseln ein. Dichand weist entschieden zurück, Epstein näher gekannt zu haben. Ihr Anwalt Michael Rami erklärte, ein persönliches Aufeinandertreffen zwischen Dichand und Epstein habe es in keiner Richtung gegeben, und von den gegen Epstein erhobenen Vorwürfen habe Dichand erst Jahre später durch Medienberichte erfahren.

Der österreichische Biomathematiker Martin Nowak wurde Ende Februar 2026 von der US-Eliteuniversität Harvard freigestellt, nachdem seine engen Verbindungen zu Epstein bekannt geworden waren. Epstein hatte Nowak regelmäßig persönlich getroffen, dessen Forschung mit großzügigen Spenden unterstützt und ihn schließlich auch in seinem Testament bedacht. Nowak war wegen seiner Nähe zu Epstein – dem er an seinem Institut sogar ein eigenes Büro eingeräumt hatte – bereits 2020 vorübergehend von Harvard beurlaubt worden.

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Derzeit prüft ein Ethik-Komitee der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Mitgliedschaft sowohl von Nowak als auch von dessen Doktorvater Sigmund. Eine entsprechende Empfehlung des Komitees wird für April erwartet, eine Entscheidung soll unmittelbar danach getroffen werden.

Sigmund hatte die Österreichische Akademie der Wissenschaften selbst um eine Überprüfung seiner Mitgliedschaft ersucht.

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