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Beunruhigende Folgen: Kopfbälle hinterlassen Spuren im Gehirn

Beunruhigende Folgen: Kopfbälle hinterlassen Spuren im Gehirn
FOTO: iStock/fotokostic
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Kopfbälle hinterlassen Spuren im Gehirn – auch ohne sofort spürbare Folgen. Eine bahnbrechende australische Studie liefert beunruhigende Erkenntnisse für den Fußballsport.

Wissenschaftler der Universität Sydney haben nachgewiesen, dass Kopfbälle im Fußball messbare Veränderungen im Gehirn verursachen, obwohl keine unmittelbaren Einschränkungen der Denkleistung feststellbar sind. Die Ergebnisse des weltweit ersten Experiments dieser Art liefern weitere Hinweise darauf, dass das Köpfen eines Balls neurologische Auswirkungen haben kann – selbst ohne diagnostizierte Gehirnerschütterung. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal Sports Medicine-Open publiziert.

Ein Forscherteam unter Leitung von Professor Iain McGregor von der naturwissenschaftlichen Fakultät untersuchte die Gehirnaktivität von 15 erwachsenen männlichen Fußballspielern unmittelbar nachdem diese innerhalb von 20 Minuten jeweils 20 Kopfbälle ausgeführt hatten. Mittels Magnetresonanztomographie dokumentierten die Wissenschaftler Veränderungen in Struktur, Funktion und Biochemie des Gehirns. Ergänzend wurden Blutanalysen und kognitive Tests durchgeführt. Das Experiment fand unter standardisierten Bedingungen statt, wobei die Bälle mit gleichbleibender Geschwindigkeit maschinell zugeworfen wurden.

Messbare Gehirnveränderungen

Die MRT-Untersuchungen offenbarten feine, aber nachweisbare Veränderungen. Dazu zählten Abweichungen im chemischen Gleichgewicht einer für die Bewegungssteuerung zuständigen Hirnregion sowie eine reduzierte elektrische Leitfähigkeit in verschiedenen Arealen. Die Blutproben zeigten zudem erhöhte Konzentrationen zweier Proteine: GFAP und NFL. Diese Biomarker werden auch bei Gehirnerschütterungen und Demenzerkrankungen in deutlich höheren Konzentrationen beobachtet und gelten derzeit als zuverlässigste Blutindikatoren für Hirnverletzungen und künftiges Demenzrisiko. Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit wurden nach den Kopfbällen nicht festgestellt.

„Diese Studie belegt nicht, dass Kopfbälle Demenz verursachen“, betonte Dr. Nathan Delang, Leiter der Untersuchung. „Aber unsere Schlussfolgerung ist, dass das Köpfen des Balls eine subtile Störung der Gehirnzellen verursachen kann, auch ohne offensichtliche Symptome.“ Erhöhte Werte dieser Biomarker weisen darauf hin, dass die Gehirnzellen auf mikrostruktureller Ebene gestört wurden. Die klinische und langfristige Bedeutung solcher geringen Erhöhungen wird noch untersucht – insbesondere in Bezug darauf, wie viel und welches Muster der Exposition zu Auswirkungen auf die Gehirnstruktur und -funktion führen könnte.

Profi- vs. Amateurfußballer: Unterschiedliche Risiken

Das Ausmaß der Gefährdung unterscheidet sich deutlich zwischen Profi- und Amateurfußballern. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Profifußballer bis zu 1.500 Kopfbälle pro Jahr absolvieren – eine Belastung, die das Risiko für langfristige Hirnschäden und die Entwicklung von Demenz im Alter erheblich steigern kann. Besonders die wiederholten leichten Traumata durch häufiges Köpfen stehen im Fokus der Forschung.

Für Amateursportler gilt hingegen ein deutlich geringeres Risiko, da sie seltener Kopfbälle ausführen und weniger intensiven Belastungen ausgesetzt sind. Experten betonen jedoch, dass die Ergebnisse aus dem Profibereich nicht ohne Weiteres auf den Amateursport übertragbar sind und weitere zielgruppenspezifische Untersuchungen notwendig bleiben.

Internationale Reaktionen

In mehreren Ländern, darunter die USA und Großbritannien, werden bereits schrittweise Einschränkungen für Kopfbälle eingeführt, die diese Technik besonders bei jungen Spielern untersagen. In Australien existiert bislang kein derartiges Verbot, jedoch läuft die Debatte über die Sicherheit von Kopfbällen im Jugendsport.

Die langfristigen Folgen des Kopfballspiels bedürfen weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen. Bei einem Kopfball trifft der Ball mit dem 5- bis 60-fachen der Erdbeschleunigung auf den Kopf des Spielers.

Profifußballer, die über viele Jahre aktiv waren, tragen ein erhöhtes Risiko, Jahrzehnte nach ihrem Karriereende an Demenz zu erkranken.